Leise Revolution auf vier Rädern
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Adipositas ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die Einfluss auf das gesamte Körpersystem hat. Kurzfristige Diäten sind zumeist nicht erfolgreich, notwendig sind langfristige interdisziplinäre Behandlungen.
Laut Robert-Koch-Institut (RKI) sowie der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG) sind rund zwei Drittel der Männer und etwa die Hälfte der Frauen in Deutschland übergewichtig. Ihr Body-Mass-Index (BMI) ist größer als 25. Der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht geteilt durch die Körpergröße im Quadrat (in m²). Von Adipositas, also Fettleibigkeit, spricht man ab einem BMI von 30, hiervon ist knapp ein Viertel aller Erwachsenen, nämlich 19 Millionen Menschen, in Deutschland betroffen – mit ständig steigender Tendenz. Die Ursachen sind unterschiedlich, eine große Rolle spielt der Lebensstil, also ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung, Schlafmangel und Stress. Längst wird Adipositas nicht mehr nur als ein kosmetisches Problem gesehen, sondern ist eine chronische und von der Weltgesundheitsorganisation anerkannte Krankheit. Denn durch die Fettleibigkeit erhöht sich das Risiko für andere Erkrankungen und Gesundheitsprobleme, beispielsweise Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Fettleber, verschiedene Krebsformen und Schlafapnoe deutlich. Erwachsene, die unter Adipositas leiden, fühlen sich nicht nur ausgegrenzt und unverstanden, sondern haben auch eine niedrigere Lebenserwartung als gesunde Menschen. Grund genug, sich der Krankheit entgegenzustellen und sie so effektiv wie möglich zu behandeln. Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Therapiemöglichkeiten, beginnend mit Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie über medikamentöse Unterstützung bis hin zu operativen Eingriffen, die Betroffenen zu einem gesünderen und zufriedeneren Leben verhelfen können.

Medikamentöse Hilfe
Geht es um medikamentöse Therapien, können die sogenannten – verschreibungspflichtigen – Abnehmspritzen eine gute Lösung sein. Vielen sind sie sicher unter den Markennamen Ozempic, Wegovy, sowie noch recht neu und im Vergleich effektiver, Mounjaro bekannt. Allerdings werden die Kosten dafür – 300 bis 400 Euro im Monat – nur in Ausnahmefällen, beispielsweise, wenn Diabetes Typ 2 diagnostiziert wurde, von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Verschrieben werden die Spritzen Betroffenen mit einem BMI über 30 oder bereits mit einem BMI über 27, wenn begleitende Erkrankungen vorliegen. Zudem müssen hormonelle Ursachen des Übergewichts wie beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion mittels Blutabnahme ausgeschlossen werden.
Prof. Uwe Nixdorff, Internist und Kardiologe, behandelt in seinem European Prevention Center (EPC) eine Reihe von Patientinnen und Patienten, die unter Adipositas leiden, und hält die Abnehmspritzen inzwischen sogar für eine mögliche Alternative zu einer Operation. Alle seine Patienten erhalten zuvor einen internistischen und kardiologischen Check-up sowie eine Lebensstilberatung und bei Bedarf psychologische Unterstützung. „Ich halte es für unverantwortlich, Betroffenen die Spritze zu verschreiben und sie dann damit allein zu lassen, denn sie müssen ihren Lebensstil ändern, damit sich nachhaltig Erfolg einstellt“, erklärt der erfahrene Facharzt. Seine Patienten müssen zudem alle drei Monate zur Kontrolle in die Praxis kommen.
Die Spritzen werden einmal wöchentlich verabreicht und führen zu einem Gewichtsverlust von 15 bis 25 Prozent. Ziel ist es, einen BMI von unter 25 und damit Normalgewicht zu erreichen. „Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Erbrechen treten, wenn überhaupt, nur zu Anfang der Behandlung auf. Ist das Normalgewicht erreicht, sollte die Spritze übrigens keinesfalls abrupt abgesetzt werden. Ein schrittweises ,Ausschleichen‘ ist der beste Weg um zu verhindern, dass die Patienten wieder zunehmen“, erläutert Prof. Nixdorff.

Operationsverfahren
Wer deutlich mehr abnehmen muss, um ein gesundes Körpergewicht zu erreichen, benötigt in der Regel eine Operation. „Der Hauptteil unserer Patienten, übrigens rund zwei Drittel Frauen und ein Drittel Männer, hat einen BMI zwischen 40 und 60 – das Ziel des chirurgischen Eingriffes ist es dann, das Körpergewicht um 30 bis 35 Prozent zu reduzieren. Das ist mittels Abnehmspritze nicht möglich“, erklärt Dr. Dmitrij Dajchin, Chefarzt Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie Leiter des Exzellenzzentrums für Adipositaschirurgie am St. Martinus Krankenhaus in Düsseldorf. Gemeinsam mit seinem Team führt er jährlich rund 300 Operationen durch, individuell passend für jede Patientin und jeden Patienten und von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
In der Hauptsache handelt es sich um die Sleeve-Gastrektomie, also die Schlauchmagen-Operation, sowie die Bypass-Verfahren. Bei der Schlauchmagen-Operation wird ein großer Teil des Magens operativ entfernt. Er wird bis auf ein Volumen von 80 bis 100 Milliliter verkleinert, sodass ein schlauchförmiger Restmagen entsteht – dadurch wird das Hungergefühl verringert, was zu einer deutlichen Gewichtsreduktion führt. Bei der sogenannten Roux-Y-Magenbypass Operation wird ein kleiner Vormagen gebildet und der Dünndarm so umgeleitet, dass die Nahrung einen Teil des Magens und des oberen Dünndarms umgeht. „So erreicht man, dass die Verdauungssäfte wie Gallen- und Bauchspeicheldrüsensaft erst viel später mit dem Nahrungsbrei in Kontakt kommen, was die Kalorienaufnahme reduziert“, erklärt der Leitende Oberarzt Dr. Peter Kichmeyer.
Ähnlich durchgeführt wird der Omega-Loop-Bypass, allerdings ist der Vormagen länger, und es erfolgt nur eine Verbindung zwischen dem Dünndarm und dem Vormagen. „Eine kürzere Operationszeit und Risikoreduktion sind die Vorteile dieses Verfahrens, eine möglicherweise stärkere Gewichtsabnahme ist ebenso möglich“, erläutert Dr. Cédric R. D. Demtröder, Leitender Arzt Adipositaschirurgie. Alle diese operativen Verfahren werden übrigens minimalinvasiv und teilweise auch roboterunterstützt durchgeführt. Sie sind heutzutage so etabliert, dass sie auch bei vorerkrankten Patienten risikoarm erfolgen können.

Nur der Anfang des Wegs
Die Ärzte am Adipositaszentrum des St. Martinus Krankenhauses verfügen nicht nur über langjährige Erfahrung, sondern auch über herausragende Expertise in der Adipositaschirurgie. Deshalb können sie auch Patientinnen und Patienten mit großen Problemen und vielen Komplikationen oftmals selbst dann noch helfen, wenn ein Eingriff zuvor bereits abgelehnt wurde, oder wenn eine erste Operation nicht zum Erfolg geführt hat. Ganz wichtig ist es dem Ärzteteam allerdings zu betonen, dass die Operation immer nur der Anfang des Weges ist, um die Fettleibigkeit in den Griff zu bekommen – die Mitarbeit der Betroffenen ist gefragt, denn sie müssen ihren Lebensstil von Grund auf ändern. Genau wie bei Prof. Nixdorff gehört auch am St. Martinus Krankenhaus die engmaschige Betreuung und Begleitung der Patientinnen und Patienten zum Standard. So gehört beispielsweise auch ein plastischer Chirurg zum Team des Adipositaszentrums. Er bietet umfassende operative Hautstraffungen sowie die plastische Wiederherstellungschirurgie nach starker Gewichtsabnahme an. Rund die Hälfte aller Betroffenen benötigt eine solche OP – liegt eine medizinische Indikation vor, übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Darüber hinaus bietet das Krankenhaus eine Ernährungsberatung und den Kontakt zu einer Adipositas-Selbsthilfegruppe an.
Und weil die Herzprotektion mit sinkendem Gewicht steigt, das Risiko für Herzinfarkt, hohen Blutdruck oder einen Schlaganfall also ohne Adipositas deutlich abnimmt, sollten Betroffene sich frühzeitig Unterstützung suchen und über die für sie passende Therapie beraten lassen – vielleicht reicht demnächst sogar eine Tablette täglich, um das Gewicht, ähnlich wie mithilfe der Spritzen, zu reduzieren.
www.martinus-duesseldorf.de/zentren/adipositaszentrum
www.epccheckup.com/de/abnehmspritze

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