Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Vor 100 Jahren für die größte Messe der Weimarer Republik erbaut, hat die Rheinterrasse eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Der neue Pächter D.Live will sie in die Zukunft führen.
Ausgestattet mit fünf repräsentativen, für unterschiedliche Zwecke geeigneten Räumen und einer Terrasse mit Blick auf den Rhein, kurz: Platz für bis zu 3.000 Gäste bietet die Rheinterrasse heute. Von Beginn an, also schon vor 100 Jahren, war die Rheinterrasse Kulisse für große Events. In jüngerer Vergangenheit waren das glamouröse Ereignisse wie der Deutsche Fernsehpreis oder sportliche wie der Start zur „Tour de France“. Die am Joseph-Beuys-Ufer gelegene Location wurde schon als Dreh-Ort genutzt und für zahlreiche prominente Besucher dort der roten Teppich ausgerollt – etwa für das schwedische Königspaar Carl Gustaf und Silvia. Ihr Ursprung ist allerdings etwas weniger glamourös, wenn auch bedeutend für Düsseldorf und seine Entwicklung. Für die größte Messe der Weimarer Republik, die „Große Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen“ (GeSoLei) im Jahr 1926, schuf Stararchitekt Wilhelm Kreis ein Ensemble wegweisender Bauten. Noch heute prägen diese als Ehrenhof und das ehemalige Planetarium als heutige Tonhalle das Stadtbild. Und eben als Rheinterrasse. Dort war das gastronomische Zentrum der Messe untergebracht.

Nach ihrer Nutzung für die GeSoLei wurde die Rheinterrasse mit Großrestaurant, Cafés und mehreren Sälen jahrzehntelang von der Stadt als Eigentümerin betrieben – ein oft gebuchter Veranstaltungsort für Hochzeiten, Firmenjubiläen, Familienfeiern, Tanztees, Künstler- und Karnevalsfeste. Seit 1982 steht der gesamte Komplex unter Denkmalschutz. 1994/95 wurde er vom Architekten Helmut Hentrich umgebaut und um den Radschlägersaal erweitert.
Lange Zeit hatte der Gastronom Heinz Stockheim das Gebäude gepachtet. Dazu gehörte eine eigene Produktion von Confiserie- und Backwaren. Ihre Lage am Fluss und ihre Küche machten die Rheinterrasse zu einem Magnet in der Stadt. Zuletzt waren Margit Stockheim und ihre Tochter Carla, die das Familienunternehmen bis 2020 als Creative Development Director in dritter Generation leitete, dafür verantwortlich. Danach wurde die Stockheim-Gruppe vom amerikanischen Caterer Aramark übernommen.
Frische Ideen gefragt
Der Glanz früherer Jahre war allerdings mittlerweile ein wenig verblasst. Deshalb strebte die Stadt eine Neupositionierung der Rheinterrasse an. Am 1. Januar 2025 übernahm die Stadttochter D.Live als Pächter die Leitung – mit der Aufgabe, die Premium-Location in bevorzugter Lage am Wasser mit frischen Ideen und Konzepten sowie wirtschaftlichem Weitblick für eine erfolgreiche Zukunft zu rüsten. „Wir möchten mit der Neuausrichtung erweiterte und zielgruppengerechte Angebote für die Kultur- und Event-Szene schaffen“, erklärte Michael Brill, Geschäftsführer D.Live. Man wolle sich im ersten Schritt um eine Optimierung der technischen Ausstattung kümmern und parallel in die gezielte Vermarktung gehen. Das fruchtet offenbar: Rund 17 Monate später wird die Rheinterrasse unter Leitung von Executive Director Corporate Events und General Manager der Rheinterrasse Christian Poschmann wieder bevorzugt für Preisverleihungen und Jubiläen, für Firmenveranstaltungen und Sommerfeste, für Tanzpartys und Karnevalsfeiern gebucht.

Vor und hinter den Kulissen
Natürlich lässt sich eine solch große Location weder bewirtschaften noch bespielen, ohne dass ein Rad ins andere greift. Dafür sind unterschiedliche Professionen gefragt. Georg Funke, zum Beispiel, ist als Coordinator Operations dafür zuständig, dass die Veranstaltungstechnik reibungslos läuft. Ebenfalls in Sachen Technik im Einsatz ist Nico Mees, Senior Manager Production. Er ist eine Art Dolmetscher zwischen den Wünschen der Kunden und der technischen Machbarkeit. Auch ohne Eventmanagerin Julie Fleischer würde das Ganze nicht rundlaufen. Sie sorgt dafür, dass die Größe des Saals genauso zum Kundenwunsch passt wie dessen Dekoration. Zuständig ist sie darüber hinaus für die Personaleinsatzplanung der Security und Garderobieren – und fürs Catering. „Das muss stimmen. Ans Essen erinnern sich die Gäste immer“, sagt sie. Apropos Essen: Dieser Punkt gehört zu den zahlreichen, breit gefächerten Aufgaben, die Christian Poschmann hat. Er trägt bei D.Live seit 2019 die Verantwortung für Corporate und Business Events in allen Häusern, dazu gehören die Merkur Spiel-Arena, die Mitsubishi Electric Halle, der PSD Bank Dome – und seit 2025 eben auch die Rheinterrasse.
„Wir schauen nach vorn und haben schon viel geschafft.“
Christian Poschmann, General Manager der Rheinterrasse
In Letzterer möchte er wieder eine eigene Gastronomie etablieren. „Die Ausschreibungen dafür laufen“, sagt er. Gleichzeitig laufen auch Sanierung und Modernisierung der Rheinterrasse, denn es gibt durchaus Nachholbedarf. „Wir schauen nach vorn, sind fleißig dabei, die Rheinterrasse zu modernisieren und haben im zweiten Jahr schon viel geschafft.“ Hier kommt Architektin Vicky Paschalidou ins Spiel. Als Projektleiterin bei D.Live ist sie für die Abteilung Operations zuständig. Und damit verantwortlich für die Instandhaltung und Wartung aller Funktionen der technischen Gebäudeinfrastruktur.
So knüpft man in der Rheinterrasse zum einen an Vergangenes an, zugleich richtet sich der Blick nach vorn: Christian Poschmann möchte auch neue Formate etablieren.

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