Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Yu Yong, seit Juli 2025 chinesischer Generalkonsul in Düsseldorf, vertritt die Volksrepublik China in Nordrhein-Westfalen. Im Interview spricht er über die Bedeutung von kulturellen Begegnungen, wie sie das Chinafest ermöglicht.
Das Chinafest findet im September zum zweiten Mal in Folge in Duisburg statt. Welche Bedeutung hat es?
Das Chinafest ist ein wichtiges Kulturevent in Deutschland. Es ist das Ergebnis erfolgreicher Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland, insbesondere zwischen der deutschen und der chinesischen Community in NRW. Es zieht zahlreiche neugierige Besucher an, die China hautnah erleben und mehr über das wunderschöne Land erfahren wollen, aus dem ich stamme. Das Fest stößt stets auf ein positives Echo – in der deutschen Öffentlichkeit wie in der chinesischen Gemeinde.
Wie der jährliche Neujahrsempfang der Landeshauptstadt Düsseldorf und des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums ist das Chinafest Ausdruck des gegenseitigen Respekts, der Akzeptanz und der Toleranz. Das Chinafest und die Chinawoche sind wichtige Kulturfenster.
Was erwartet die Besucher?
Im September präsentieren wir in Duisburg die chinesische Kultur mit einem vielfältigen, authentischen Programm, das Showacts, Traditionelles bis hin zu Hightech-Produkten aus China auf die Bühne bringt. Von der Bühne bis hin zum Markt, von den Einblicken in das vielschichtige immaterielle Weltkulturerbe meines Heimatlands bis hin zu den modernsten Smart-Devices – China wird durch solche Interaktionen greifbar und lebendig. Wir Chinesen sagen oft: „Hundertmal hören ist nicht so gut wie einmal sehen.“ Die Deutschen kennen das als Sprichwort „Probieren geht über Studieren“. Kulturaustausch ist niemals einseitig, sondern immer ein wechselseitiger Prozess. Wir hoffen aufrichtig, durch Veranstaltungen wie das Chinafest das Interesse eines breiten Publikums an China zu wecken.
Wo überall kann man China in NRW darüber hinaus noch begegnen?
Zwischen China und Nordrhein-Westfalen existieren intensive Kooperation der jeweiligen Unternehmen und mehr als 20 Städtepartnerschaften. Und der Austausch ist unglaublich vielfältig: Es gibt das Künstlerforum, das Düsseldorf und Chongqing verbindet, dasselbe gilt für den ständigen Kontakt zwischen Köln und Beijing, wechselseitige Musik- und Kulturabende zwischen Bonn und Chengdu, einen Berufsbildungsaustausch zwischen Aachen und Ningbo sowie intensive Kontakte zwischen Duisburg und Wuhan, Düren und Jinhua sowie Ratingen und Huishan – um nur einige Beispiele zu nennen. Auch zur Internationalen Gartenschau 2027 im Ruhrgebiet wird sich China ebenso angemessen präsentieren wie auf Karnevalszügen und beim Drachenbootwettbewerb.
All das bildet ein authentisches Spiegelbild der freundschaftlichen Beziehungen auf der kommunalen Ebene und zwischen den Menschen: Junge Leute beider Länder treffen aufeinander und sprechen über ihre Zukunftsvisionen. So werden Vertrauen und Verständnis aufgebaut.
Wie bewerten Sie die praktische Zusammenarbeit zwischen China und Nordrhein-Westfalen?
Nordrhein-Westfalen ist der Wachstumsmotor Deutschlands. NRW ist aber auch eine Erfolgsstory der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit China. Derzeit haben sich rund 1.300 chinesische Firmen in NRW niedergelassen, was etwa einem Drittel aller chinesischen Investitionen in Deutschland entspricht. Umgekehrt engagieren sich mehr als 1.600 Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen in China. Sie verfügen über komplementäre Stärken in den Bereichen Industrie und grüne Transformation. Wer etwas über die Dynamik und die vielversprechende Zukunft der chinesisch-deutschen wirtschaftlichen Zusammenarbeit erfahren will, kommt an NRW nicht vorbei.
2027 feiern China und Deutschland 55 Jahre diplomatische Beziehungen. Die vergangenen fünfeinhalb Dekaden zeigen, dass Dialog und Kooperation immer das Leitmotiv unserer Beziehungen waren, sind und bleiben. Nordrhein-Westfalen und China, die Wirtschaft und die Menschen verbinden viele Brücken. Und diese Brücken der Zusammenarbeit sollen immer breiter und nachhaltiger werden.
Die Fragen stellte Deniz Karius
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