Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Mit seiner Kompetenz für Personalplanung und -gewinnung, Ausbildung und Fördermöglichkeiten unterstützt der gemeinsame Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter Unternehmen.
Entgegen der landläufigen Meinung sind die Agentur für Arbeit und das Jobcenter bei Weiten nicht nur für die Auszahlung des Arbeitslosengeldes oder der Grundsicherung, die Vermittlung in Arbeit und Ausbildung sowie die Berufsorientierung junger Menschen zuständig. Sondern auch für die Gewinnung von Fachkräften: Der gemeinsame Arbeitgeber-Service richtet sich explizit an kleinere und mittelständische Unternehmen. „Mit einer Vielzahl an Dienstleistungen kann der Arbeitgeber-Service eine echte Entlastung und Hilfe sein, gerade auch für Unternehmen ohne eigene HR-Abteilung“, sagt die Leiterin der Agentur für Arbeit in Düsseldorf Birgitta Kubsch-von Harten. Und Ingo Zielonkowsky, Geschäftsführer des Jobcenters Düsseldorf, ergänzt: „Unser Vorteil bei der Arbeitsvermittlung ist, dass wir immer beide Seiten kennen: das Unternehmen auf der einen Seite und die Bewerberinnen und Bewerber auf der anderen. Das hilft bei der passgenauen Vermittlung.“
Der gemeinsame Arbeitgeber-Service organisiert beispielsweise Bewerbertage und branchenspezifische Jobbörsen. Unternehmen, die ihre freien Stellen zuvor gemeldet haben, erhalten dabei die Möglichkeit, Gespräche mit gut vorbereiteten und interessierten Bewerberinnen und Bewerbern zu führen – und finden im Idealfall schnell und ohne großen Aufwand die passenden Mitarbeiter.
Aktuell seien viele Unternehmen vorsichtig bei der Neueinstellung. Aber aufgrund des demografischen Wandels und der – auch durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz – beschleunigten Transformation auf dem Arbeitsmarkt würden gut ausgebildete Arbeitskräfte gerade jetzt dringend benötigt, konstatieren Birgitta Kubsch-von Harten und Ingo Zielonkowsky übereinstimmend. Darüber hinaus sind die Auszubildenden von heute die Fachkräfte von morgen. Also ist es für die Unternehmen nahezu alternativlos, auszubilden, denn Fachkräfte werden gebraucht. „In den vergangenen zehn Jahren sind etwa 60.000 Beschäftigte in Düsseldorf in den Ruhestand gegangen, in den kommenden zehn Jahren werden es 100.000 sein, also fast doppelt so viele. Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen also nicht nur einstellen, sondern auch ausbilden“, betont Birgitta Kubsch-von Harten.
Arbeitsagentur und Jobcenter haben für beides die richtigen Antworten und können beim Recruiting helfen, indem sie bereits eine Vorauswahl der Bewerber treffen und dem jeweiligen Unternehmen handverlesene, passende Vorschläge unterbreiten. „Dafür ist es natürlich ganz wichtig, dass wir gute Stellenbeschreibungen erhalten und genau erfahren, welche Fähigkeiten und Qualifikationen die Bewerberinnen und Bewerber für die ausgeschriebene Stelle mitbringen müssen“, erklärt Ingo Zielonkowsky. „Auch wenn neue Mitarbeitende nicht vom ersten Arbeitstag an über alle gewünschten Skills verfügen, können sie in der Anfangsphase ihrer Tätigkeit entsprechend qualifiziert werden. Dabei können wir mit finanziellen Hilfen und Förderungen unterstützen.“
Ohnehin sind Weiterbildung und Qualifizierungsoffensiven immer stärker gefragt, denn aufgrund der Transformation des Arbeitsmarkts verändern sich auch Berufsbilder. Damit werden andere und vor allem neue Kompetenzen notwendig. Der gemeinsame Arbeitgeber-Service informiert die Unternehmen über passende Fördermöglichkeiten und Zuschüsse für die Weiterbildung ihrer Beschäftigten.
Ganz wichtig sei es, dass Betriebe ihre Einstellungs- und Ausbildungsbereitschaft wieder erhöhten und sich mit ihren Wünschen und Bedarfen an die Agentur für Arbeit und das Jobcenter wendeten. „Im Rahmen gezielter Arbeitsmarktberatung können wir mit den Unternehmen passgenaue Lösungen erarbeiten – auch wenn der richtige Bewerber, die richtige Bewerberin mal nicht auf Anhieb zu finden ist“, sagt Ingo Zielonkowsky.
Ein gutes Beispiel hierfür ist die Einstiegsqualifizierung – insbesondere geeignet für Unternehmen, die einen neuen Auszubildenden erst einmal näher kennenlernen möchten, bevor sie ihn fest einstellen und eine mehrjährige Verpflichtung eingehen. Hierbei handelt es sich um ein vier- bis zwölfmonatiges, bezuschusstes Praktikum, das auf eine mögliche Ausbildung angerechnet werden kann. Sowohl Arbeitgeber als auch Praktikant können in dieser Zeit ohne Verpflichtung zusammenarbeiten und sich darüber klarwerden, ob sie zueinander passen – oder nicht. „In Düsseldorf interessieren sich wieder mehr junge Menschen für eine Ausbildung – das gilt für alle Schulformen. Aktuell verzeichnen wir erstmals mehr Bewerbende als freie Ausbildungsplätze – und es ist wichtig, diesen jungen Menschen eine Perspektive zu geben, unabhängig davon, wie es nach der Ausbildung weitergeht“, sagt Birgitta Kubsch-von Harten. Denn: „Junge Menschen brauchen eine Zukunft, und sie sind unsere Zukunft“, davon sind die beiden Geschäftsführenden fest überzeugt.
In Zeiten eines paradoxen Arbeitsmarkts – einerseits stellen Unternehmen kaum ein, andererseits sind zu wenig Fachkräfte das größte unternehmerische Risiko – können Angebote wie der Arbeitgeber-Service einen klaren Mehrwert bieten und Lösungen vorantreiben. Das sehen auch die Unternehmen so, die diese bereits genutzt haben: Bei einer repräsentativen Arbeitgeberbefragung wurden die gemeinsamen Dienstleistungen von Jobcenter und Arbeitsagentur mit der Schulnote „gut“ bewertet.
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