Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Dr. Jochen Reiter kennt man als den Direktor des Aquazoo Löbbecke Museums. Allerdings ist er auch ein hervorragender Konzert-Akkordeonist und – ganz nebenbei – begeisterter Freitaucher.
Dass Jochen Reiter einmal einen Beruf ergreifen würde, bei dem es um die Natur, um Tiere und die Verantwortung für sie geht, war schon recht früh in seinem Leben abzusehen – auch wenn eine Karriere als Musiker durchaus möglich gewesen wäre. „Wie viele kleine Jungen wollte ich natürlich auch irgendwann mal Feuerwehrmann werden, aber nachdem ich eingeschult worden war, kam Kater Felix in unsere Familie. Und es gehörte zu meinen Aufgaben, mich um ihn zu kümmern. So lernte ich früh, Verantwortung zu tragen und Rücksicht zu nehmen“, erinnert sich der 52-Jährige an seine – wie er sagt – zwar durchaus behütete, aber dennoch freie Kindheit. Aufgewachsen in einer Kleinstadt in Niederbayern, gehörten die Nähe zur Natur, Skilaufen, Wandern und Pilzesammeln genauso dazu wie die 30 Kilometer weite Fahrradtour zu den Großeltern, allein und natürlich ohne Handy. Neben der Naturverbundenheit, die ihm quasi in die Wiege gelegt wurde, spielte schnell auch die Musik eine große Rolle in seinem Leben, denn im Alter von acht Jahren begann Jochen Reiter, Konzertakkordeon zu spielen – mit großem Erfolg. Er war nicht nur technisch sehr gut, sondern er war und ist außergewöhnlich musikalisch. Wettbewerbe wie „Jugend musiziert“ hat er jahrelang mit dominiert, im Alter von 18 Jahren gewann er den Deutschen Akkordeon-Musikpreis. „Ich bin sehr ehrgeizig und habe während dieser Zeit gelernt, welche Fortschritte sich durch Motivation und Fleiß erreichen lassen“, erzählt Jochen Reiter. Als wichtiger Kulturbotschafter erhielt er sogar die Verdienstmedaille seiner Heimatstadt und den überhaupt ersten Jugendkulturpreis seines Landkreises.

Auf den Philippinen promoviert
Nach dem Abitur studierte er dann zwar nicht Musik, sondern lieber Biologie mit Schwerpunkt Zoologie – weil er sich stärker dorthin gezogen fühlte. Akkordeon spielte er aber während seines Studiums weiter, wurde sogar in das Nürnberger Akkordeonorchester, eines der renommiertesten Europas, aufgenommen und war viele Jahre lang dort Mitglied. „Das war sicher eine der schönsten Zeiten meines Lebens“, erinnert sich Jochen Reiter begeistert. Die Musik blieb aber Hobby, denn beruflich widmete sich der Biologe und Zoologe den Tieren, und zwar zunächst keineswegs denen, die im Wasser leben. Er habe nie ein Aquarium besessen, sondern sich vielmehr für die Säugetierverhaltensforschung interessiert, erzählt er. Promoviert hat er auf den Philippinen über Flughunde – dort verbrachte er drei Jahre lang die intensivste und sicher auch herausforderndste Zeit seines Lebens. „Ich habe nie vorher und auch danach nie wieder so intensiv in und mit der Natur gelebt“, beschreibt Jochen Reiter seinen Aufenthalt in einer ganz anderen Welt.
Zurück in Deutschland arbeitete er kurzzeitig im Augsburger Zoo, schloss seine Promotion ab und wechselte dann zum Opel-Zoo nach Kronberg in der Nähe von Frankfurt. An diese Zeit erinnert er sich besonders gern. „Die viereinhalb Jahre dort waren ein absoluter Glücksfall für mich, denn der Zoodirektor war Biologe und Tierpfleger – von ihm habe ich unglaublich viel gelernt.“ Bevor er dann vor genau zehn Jahren als Direktor nach Düsseldorf ins Aquazoo Löbbecke Museum kam, war er wissenschaftlicher Leiter des Duisburger Zoos, ebenfalls eine prägende Zeit – die Stadt wurde schnell zum Lebensmittelpunkt. Jochen Reiter lebt – trotz seiner inzwischen sehr engen Verbindung zu Düsseldorf und täglichem Pendlerstau – gemeinsam mit seiner Frau, einer Tierärztin, den 15-jährigen Zwillingen und dem Familienhund – weiterhin dort. „Wir haben eine tolle, über Jahre gewachsene Nachbarschaft in unserer Siedlung, und die Kinder wachsen hier auf. Deshalb nehme ich das Pendeln gern in Kauf“, sagt der engagierte Familienvater.

Für Kinder und Jugendliche engagiert
Den Aquazoo, eine ganz besondere, einzigartige Symbiose aus Zoo, Aquarium und Naturkundemuseum, hat Jochen Reiter in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt und zu einer Marke für die Landeshauptstadt gemacht. Mit außergewöhnlichen Events wie einer Opernaufführung sowie einer großen Anzahl von Bildungsveranstaltungen gelingt es ihm immer wieder, die Gäste zu begeistern und gerade Kinder und Jugendliche für Themen wie Umwelt-, Natur- und Artenschutz zu sensibilisieren. Dafür wurde er kürzlich sogar als „Düsseldorfer des Jahres“ in der Kategorie „Innovation und Nachhaltigkeit“ ausgezeichnet. Und weil ihm neben seiner Arbeit auch ehrenamtliches Engagement, insbesondere für Kinder, sehr wichtig ist, hat er keinen Moment gezögert, als er vom Vorstandsvorsitzenden des Kinderschutzbunds Düsseldorf Dr. Hauke Duckwitz gefragt wurde, ob er Lust habe, für ein Jahr Schirmherr zu werden. „Ich unterstütze den Kinderschutzbund Düsseldorf sehr gern, die Schirmherrschaft ist eine große Ehre für mich. Wir haben im Aquazoo eine ganze Reihe toller Veranstaltungen geplant, um dem Kinderschutzbund und seiner wichtigen Arbeit mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Kinder brauchen Schutz und eine starke Stimme, sie müssen gesehen und wertgeschätzt werden“, sagt Jochen Reiter.

Darüber hinaus dürfen aber auch Familie, Freizeit und Hobby nicht zu kurz kommen, sind sie doch ein wichtiger Ausgleich und Energiespender neben dem oft stressigen Arbeitsalltag. Und so hat Jochen Reiter kürzlich beschlossen, wieder häufiger Akkordeon zu spielen. „Lange Zeit habe ich nur zu Weihnachten mal ein paar Lieder gespielt, aber nun bin ich seit einem Jahr Mitglied des Akkordeonorchesters Rheinhausen und spiele wieder regelmäßig“, erzählt er. Allein im vergangenen Jahr – das Orchester feierte sein 75-jähriges Bestehen – musste er für die vielen Konzerte 40 Stücke lernen. Das sei durchaus eine Herausforderung gewesen. Ganz besonders freut er sich darüber, dass auch seine Tochter Akkordeon spielt, und zwar gemeinsam mit ihm im gleichen Orchester.

Meeresgiganten so nah
Und weil Jochen Reiter nicht nur Zoodirektor und Musiker, sondern auch Abenteurer ist, gehört das Tauchen, und zwar ganz speziell das Freitauchen ohne Sauerstoffflasche, seit einigen Jahren zu seinen Leidenschaften. „Die zufällige Bekanntschaft mit einem Meeresbiologen und Haiforscher hat mich dazu gebracht. Und seit ich bei einer Azorenexpedition den Giganten der Meere, beispielsweise Pottwalen, Schwarzen Schwertwalen, Blauhaien und Hammerhaien, sehr nahekommen durfte, lässt mich diese Faszination nicht mehr los“, sagt er. Angst hat Jochen Reiter übrigens beim Freitauchen nicht, er empfindet Respekt, Ehrfurcht und Demut – und er kennt seine mentalen und körperlichen Grenzen. Er möchte keine Rekorde aufstellen und geht auch keine unkalkulierbaren Risiken ein: Er genießt die Nähe zu den Tieren.

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