Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Mit Tasteover bringt der Dehoga Nordrhein vom 20. bis 26. April ein eigenes gastronomisches Event-Konzept nach Düsseldorf. Im Interview erklären dessen Geschäftsführer Thomas Kolaric sowie Timo Schmitz, Sprecher für die Fachgruppe Hotels und Generalmanager des „25hours Hotel Das Tour“, wie es dazu kam, und was sie sich davon versprechen.
Versteht sich Tasteover als Beitrag dazu, Düsseldorf zur Gastrohauptstadt machen?
Thomas Kolaric: Ja, denn das Ziel, Düsseldorf als kulinarische Metropole zu positionieren, also zu einer Stadt zu machen, auf die ganz Deutschland blickt, wenn es um vorbildliche Gastronomie geht, begrüßen wir sehr. Auch wenn sich unser Verband in der Regel auf die Rahmenbedingungen für unsere rund 6.000 Mitglieder aus dem Gastgewerbe konzentriert, möchten wir dazu etwas beitragen. Mit unserem neuen Event-Format gehen wir erstmals über unsere originären Aufgaben hinaus.
Timo Schmitz: Mit Tasteover wollen wir unseren Mitgliedern die Chance bieten, das heimische Gastrohandwerk sichtbar zu machen und es in seiner ganzen Breite, Tiefe und Vielfalt darzustellen. Schließlich hat Düsseldorf – gemessen an seiner Einwohnerzahl – die höchste Gastronomiedichte in Deutschland. Auch das möchten wir vermitteln.
Wie kamen Sie auf Tasteover?
Schmitz: Im vergangenen Jahr gab es im 25hours Hotel eine eigentlich einwöchig geplante Kooperation mit dem Restaurant Takumi. Doch das von beiden Teams gemeinsam entwickelte französisch-japanische Menü kam so gut bei unseren Gästen an, dass wir dieses Zusammentreffen der beiden Landesküchen zwei Mal verlängern mussten. Auch die Küchenteams waren fasziniert von der jeweils anderen Geschmacks- und Produktwelt. Es ist der Geschmack, der verbindet. Und über die Verbindung zweier Geschmäcker lässt sich Genuss noch steigern. So entstand die Blaupause zu Tasteover.
Was ist die Grundidee?
Schmitz: Dass sich jeweils zwei oder auch drei unterschiedliche, ausschließlich Düsseldorfer Gastronomiebetriebe für die Aktion zusammenschließen, und zwar nicht nur die im Zentrum, sondern auch die Restaurants, Kneipen und Hotels in den Stadtteilen. Auch ihre Bedeutung möchten wir hervorheben, da gerade sie als regelmäßige Treffpunkte der Menschen einen ausgesprochen sozialen Charakter haben und damit entscheidend zur Kultur in den Vierteln beitragen. Das wollen wir ins Bewusstsein rücken.
Wie funktioniert Tasteover?
Kolaric: An unserem Initialabend haben mehr als 60 Gastronomen aus der ganzen Stadt teilgenommen und sich gleich erste Kooperationen angebahnt. Wie sie diese gestalten, liegt bei ihnen selbst. Schließlich kann nicht jeder Gastgeber eine Woche lang sein übliches Tagesgeschäft ruhen lassen, sodass auch punktuelle Aktionen Teil von Tasteover sein können und dürfen. Als Verband geben wir dem Ganzen durch eine gemeinsame Kampagne den Rahmen und auch passende Tools an die Hand. Es wird zudem eine gedruckte Karte geben, auf der alle Teilnehmer gekennzeichnet sind, und in einer Broschüre können sich die Betriebe vorstellen. Das Datum für Tasteover haben wir so gelegt, dass das Event mit keiner anderen kulinarischen Veranstaltung kollidiert – unser neues Festival soll ja den Standort bereichern.
„Auch punktuelle Aktionen können und dürfen Teil von Tasteover sein.“
Thomas Kolaric
Was erhoffen Sie sich von Tasteover?
Kolaric: Grundsätzlich wollen wir mit Tasteover dauerhafte Kooperationen anregen. Schließlich kocht in der Branche fast jeder nur sein eigenes Süppchen, ist bestenfalls in der eigenen Bubble vernetzt, schlicht, weil es an Kapazitäten für Dinge außerhalb des Tagesgeschäfts fehlt.
Schmitz: Und wir möchten mit dem Format zeigen, wie professionell die Branche arbeitet, die Kreativität des Einzelnen anregen, die Sichtbarkeit der Betriebe erhöhen und ihnen neue Zielgruppen erschließen. Wir hoffen zudem, damit junge Leute für unsere bunte Branche und unser Handwerk so zu begeistern, dass sie selbst auch Gastgeber werden wollen und sich beim Ausbildungsbetrieb gleich um die Ecke bewerben.

Wie unterscheidet sich Tasteover von dem Format Chefs in Town?
Kolaric: Unsere Philosophie ist, die Kooperation von Betrieben zu fördern. Wir wollen mit Tasteover also einen Impuls für ein gastronomisches Miteinander setzen. Bestenfalls entsteht etwas kulinarisch Neues und damit ein attraktives Angebot für die Gäste. Voraussetzung ist eben, dass mindestens zwei Betriebe zusammenarbeiten. Und die müssen aus Düsseldorf sein. Chefs in Town präsentiert Kooperationen heimischer Köche mit auswärtigen Branchenstars und stellt zusätzlich Düsseldorfer Gastronomen mit besonderem Angebot in den Fokus der Öffentlichkeit. Darüber hinaus unterstreicht Chefs in Town die Bedeutung der Gastronomie für die Gesellschaft und verfolgt damit auch – und das ist vorbildlich – einen gesellschaftspolitischen Ansatz. Chefs in Town ist eine Hospitality-Bewegung geworden, die sowohl in Größe als auch Vielfalt in Europa ihresgleichen sucht. Nicht nur berühmte Köche kommen in die Stadt, sondern auch Barkeeper, Sommeliers und Kunstschaffende, die gemeinsam mit den lokalen Betrieben die Vielfalt und Kreativität der ganzen Branche den Menschen nahebringen. Soziales Engagement und Nachwuchs sind dabei zusätzliche tragende Säulen des Konzeptes. Beiden Konzepten ist gemein: Wir wollen die Attraktivität der Gastronomie in Düsseldorf mit außerordentlichen Angeboten steigern. Für wen? Für unsere Gäste.
„Wir wollen unseren Mitgliedern die Chance bieten, das heimische Gastrohandwerk sichtbar zu machen.“
Timo Schmitz
Welche Kooperationen stehen bereits fest?
Kolaric: Bislang sind 30 Betriebe beteiligt. Aber wir hoffen, dass es noch mehr werden – da läuft viel über Mundpropaganda. Jeder, mit dem wir persönlich gesprochen haben, war begeistert von der Idee.
Schmitz: Mit unserem Hotelrestaurant The Paris Club werden wir eine Kooperation mit dem Akro Grill in Oberkassel starten und im Imbiss eine griechisch-französische Apero-Bar aufbauen. Im Gegenzug gibt’s bei uns griechische Meze als Dreier-Etagere in der Bar und Spezialitäten vom Grill mit südfranzösischen Einflüssen im Restaurant. Ghirloni will mit Takumi ein Ramen-Eis entwickeln, das Restaurant Kochi wird mit dem Grande Étoile etwas auf die Beine stellen, das Hotel Clayton mit dem Café im Nordpark, das Hyatt mit dem Amici in Lörick und das Kö59 mit dem Em Pöötzke. Dort wird es, weil Gastronomie untrennbar mit Musik verbunden ist, einen Jazzabend mit der passenden kulinarischen Begleitung geben. Weitere bereits bekannte Teilnehmer sind unter anderem Fischhaus, Stappen und Piazza Saitta.
Wie könnte es weitergehen?
Kolaric: Wenn das Format so gut ankommt, wie wir hoffen, wollen wir es auch in anderen Städten und Regionen unseres Zuständigkeitsbereichs in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Köln ausrollen. Und wir hoffen, dass die Kooperationen so gut laufen, dass die Teilnehmer auch außerhalb der von uns gesetzten Klammer weiterhin zusammenarbeiten sich gegenseitig inspirieren werden.
Das Interview führte Deniz Karius
www.tasteover.de
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