Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Anja Katharina Bezold will Frauen dabei unterstützen, fit für die digitale Zukunft zu werden. Ihr eigener Weg – von einer bodenständigen Kindheit im Ruhrgebiet über ihren Erfolg als Golf-Bloggerin bis hin zur gefragten Buchautorin, Moderatorin, Rednerin und leidenschaftlichen KI-Nutzerin – zeigt, was alles möglich ist.
Anja Katharina Bezold, 1983 mitten im Ruhrgebiet als Kind einer Arbeiterfamilie geboren, hat bis heute so viel erlebt und erreicht, dass es locker in mindestens zwei Leben passen würde. Dabei fing alles ganz harmlos an. Die ersten zwei Jahrzehnte ihres Lebens verbrachte Anja Bezold in einem Drei-Generationen-Haus in Duisburg-Rheinhausen, ging dort zur Schule und machte ihr Abitur. Fürs Studium zog sie nach Düsseldorf. „Ich fand die Landeshauptstadt aus der Ferne schon immer faszinierend und aufregend“, erinnert sie sich. Als Diplom-Verwaltungsbetriebswirtin begann sie ihre berufliche Karriere bei der Stadt Düsseldorf, war dort mehr als 20 Jahre lang tätig, zuletzt als Leiterin Öffentlichkeitsarbeit beim Schulverwaltungsamt – eine Arbeit, die ihr sehr viel Spaß gemacht habe, sagt sie. Ganz nebenbei, aus einer Laune heraus, entdeckte sie mit Mitte 20 den Golfsport für sich – und hatte offensichtlich Talent. „Ich war in meiner Jugend westdeutsche Meisterin im Tischtennis, und der Golfball hat die gleiche Größe wie der Tischtennisball“, erzählt Anja Bezold schmunzelnd. Sie hat den Sport sehr schnell erlernt, ihr Handicap war schon nach einem Jahr einstellig – und sie fand schnell Aufmerksamkeit, auch international. Sie wurde Markenbotschafterin großer Golfausrüster, war als Bloggerin bei Turnieren wie dem berühmten Ryder Cup unterwegs, hatte eine eigene Kolumne im Golfmagazin „Perfect Eagle“ und stand mit vielen Prominenten gemeinsam auf dem Platz. „Das war eine tolle Zeit, an die ich mich gern erinnere, aber sie ist heute weit weg“, sagt Anja Bezold. Geblieben ist ihr das große Netzwerk, die zahlreichen Kontakte, die sie für ihre vielen ehrenamtlichen Initiativen nutzen kann.
Begonnen hat sie ihr ehrenamtliches Engagement vor rund einem Jahrzehnt als Vorstandsmitglied des Vereins „Spendezeit“, der unter anderem ehrenamtliche Projekte und Organisationen unterstützte und mehrere große Galas initiierte, bei denen Werke namhafter Düsseldorfer Künstler zugunsten gemeinnütziger Projekte versteigert wurden. „Für mich ist soziales Engagement ein guter Weg, etwas zurückzugeben. Ich selbst habe sehr viel Glück gehabt, habe eine wunderbare Familie, die mich immer unterstützt – bei allem, was ich tue“, erklärt sie ihre Motivation. Schon ihre Großmutter habe sich ihr Leben lang sozial engagiert und sie stets inspiriert und ermutigt, es ihr gleichzutun.

Als die Corona-Pandemie kam, konnten zwar keine weiteren Spendengalas stattfinden, aber die engagierte Netzwerkerin ließ sich nicht ausbremsen und hatte schnell eine neue Idee – sie wollte etwas für Frauen tun und für „ihre“ Stadt Düsseldorf. Also rief sie gemeinsam mit Michaela Rentmeister, Vorstandsmitglied der Stiftung Sterntaler, beste Freundin und ebenfalls passionierte Netzwerkerin, im Sommer 2020 unter dem Motto „Visionen für Düsseldorf“ das Format „Ladies Talk“, an dem regelmäßig zweimal im Jahr rund 200 Frauen aus der Düsseldorfer Stadtgesellschaft teilnehmen, ins Leben. Ganz „nebenbei“ erlangte sie die Zulassung für den höheren Verwaltungsdienst, heiratete ihren langjährigen Lebensgefährten und wurde Mutter einer Tochter. „Mithilfe meiner Familie und den richtigen Prioritäten ist vieles möglich, aber natürlich wurde auch bei mir die Zeit immer knapper, und ich musste sie irgendwie aufteilen zwischen Vollzeitjob, Ehrenamt, meinem Mann und meiner kleinen Tochter“, erzählt Anja Bezold offen. Oft habe sie sich gefragt, wie sie das alles schaffen solle.
„KI kann uns helfen, unseren Alltag effizienter zu gestalten.“
Anja Bezold
So kam die künstliche Intelligenz (KI) ins Spiel. Und weil die Nutzung „digitaler Helfer“ nicht nur viel einfacher ist, als sie zunächst gedacht hatte, und ihr trotz der alltäglichen Herausforderungen deutlich mehr Zeit verschaffte, entstand schnell die Idee, andere Frauen an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen. „KI kann uns dabei helfen, unseren Alltag effizienter zu gestalten, sei es beim Zeitmanagement, bei großen und kleinen Familienaufgaben, im Beruf, bei der Karriereplanung oder bei Freizeitaktivitäten wie der Urlaubsplanung“, erklärt Anja Bezold. Vorerfahrung oder technisches Wissen seien nicht erforderlich, sagt sie. Und weil – studienbelegt – rund 25 bis 30 Prozent weniger Frauen als Männer KI nutzen, hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst vielen Frauen die Anwendung digitaler Tools nahezubringen. Zunächst schrieb sie ein Buch, einen praxisnahen KI-Ratgeber, der sich speziell an die Bedürfnisse von Frauen zur Nutzung künstlicher Intelligenz richtet, mit vielen alltagstauglichen Beispielen für den einfachen Einstieg in die Welt der KI.
Schnell habe sich herausgestellt, dass sie mit ihrem Buch einen Nerv getroffen habe, die mediale Aufmerksamkeit sei unglaublich gewesen, erzählt Anja Bezold. Also beließ sie es nicht bei dem Buch, sondern gründete mit dem Sozialwissenschaftler Ingo Kabutz – die beiden kennen sich seit mehr als zehn Jahren und sind gut befreundet – die „WomenGPT Akademie“. Dort können interessierte Frauen – und auf Wunsch auch Männer – den sogenannten KI-Führerschein erlangen. Dieser ist inzwischen TÜV-zertifiziert und wird von der Arbeitsagentur als Weiterbildungsmaßnahme bezuschusst.

Und weil Anja Bezold überzeugt davon ist, dass digitale Zukunft kein Privileg sein darf, sondern für jeden und jede zugänglich sein muss, hat sie Anfang November in Düsseldorf das erste KI-Mutmach-Event Deutschlands initiiert und organisiert – unterstützt unter anderem von NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. Rund 125 Teilnehmerinnen erlebten einen inspirierenden Tag mit zahlreichen Vorträgen und Podiumsdiskussionen rund um die KI. „Angesprochen hatten wir insbesondere Alleinerziehende, Berufsumsteigerinnen, Gründerinnen, Frauen 55+ sowie mit Migrationshintergrund, um gerade auch den Frauen die Teilhabe an der digitalen Welt zu ermöglichen, denen der Zugang nicht so leicht fällt“, so Anja Bezold. Im kommenden Jahr sollen weitere Events im Ruhrgebiet, Münsterland, Sauerland und im Rhein-Kreis Neuss folgen.
Neben diesem großen ehrenamtlichen Engagement ist Anja Bezold übrigens inzwischen als Leiterin des Fachbereichs Bildung, Kultur und Sport der Stadt Dormagen tätig. Dort ist heute ihr Lebensmittelpunkt, dort lebt sie mit ihrer Familie – aber der Landeshauptstadt wird sie durch ihr ehrenamtliches Engagement weiterhin treu bleiben. Als Rednerin ist sie aufgrund ihrer KI-Initiative derzeit übrigens deutschlandweit gefragt: Sogar der Deutsche Bundestag hat sie gebucht. www.womengpt.de/
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