Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Das Düsseldorfer Modeunternehmen Pio O’Kan feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen – auch mit einer inspirierenden Modenschau für 150 geladene Gäste. Anlass für eine Retrospektive auf 50 Jahre Haute Couture der erfolgreichen Marke.
Wenn Unternehmensgründerin Helga Grünwoldt-Okan von der Zeit Anfang bis Mitte der 1970er-Jahre erzählt, als sie ihren Haute-Couture-Salon gründete, entsteht vor den Augen des Zuhörers das lebendige Bild einer eleganten Ära mit vielen großen Anlässen und entsprechend glamourös gekleideten Damen. „Man ging damals nicht ohne Hut aus und machte sich schick für einen Bummel über die Königsallee oder für einen Cafébesuch. Auch im Alltag haben sich die Frauen der Gesellschaft stets sehr gut angezogen“, erinnert sie sich. Damals wie heute zeichnet sich die Haute-Couture – die Königsdisziplin der Mode und damit die höchste Schneiderkunst – durch in Handarbeit gefertigte, individuell umgesetzte, exklusive Kleidungsstücke aus. Dass nur edelste Materialien verwendet werden, versteht sich dabei von selbst. Wurden vor 50 Jahren eher Abendkleider und -mäntel gefertigt, die beispielsweise mit zahllosen Perlen von Hand bestickt wurden, wünschen sich die Frauen heutzutage Hosenanzüge, Kostüme, Pullover und Mäntel, die sie täglich tragen können.
„Wir sind mittlerweile an 20 Standorten in Europa mit Partnergeschäften vertreten.“
Philippo Okan, Geschäftsführer
„Zwischendurch wird natürlich auch immer mal wieder ein Abendkleid benötigt, das aber in der heutigen Zeit nicht mehr, anders als früher, lang sein muss“, erklärt Helga Grünwoldt-Okan. Und auch, wenn viele Frauen nach wie vor ein Haute-Couture-Komplett-Outfit bevorzugen, mixen gerade Businessfrauen heute oftmals die Haute-Couture-Jacke mit einer einfachen Hose oder gar mit einer Jeans – und tragen sie zu vielen unterschiedlichen Gelegenheiten. „Der Trend geht auch in der Haute Couture inzwischen zu mehr Bequemlichkeit. So sind knitterarme Stoffe wie Jersey oder eine sehr hochwertige – von uns mitentwickelte – Kreppware mit natürlichem Stretchanteil, die wir beispielsweise für Hosen, Jacken oder Kleider verwenden, sehr beliebt“, ergänzt Kreativdirektor Hawe Klein. Nicht verändert hat sich der extrem hohe Anspruch der Kundinnen an die Haute Couture. So ist neben luxuriösen Stoffen die perfekte Passform eines der wichtigsten Kriterien, jeder Schnitt und jede Naht werden individuell an die Körperform der Kundin angepasst – und das braucht enorm viel Zeit. Bis ein Hosenanzug oder ein Kostüm fertig ist, werden im Durchschnitt drei Anproben benötigt, und die Meisterin arbeitet im Atelier gemeinsam mit ihrem Team mindestens 40 bis 50 Stunden daran, oftmals sogar ein Vielfaches mehr, geht es doch um Perfektion bis ins letzte Detail.

Prêt-à-Porter-Linie
Seit knapp zehn Jahren steht Pio O’Kan neben der Haute Couture auch für die sogenannte Demi Couture, besser bekannt als Prêt-à-Porter. Auch hier legt das Familienunternehmen allergrößten Wert auf hochwertige und außergewöhnliche Stoffe, die zu 90 Prozent aus Italien sowie aus Frankreich und Spanien kommen, individuell gefertigte Details und beste Passformen. Für sämtliche Schnitte ist auch hier, genau wie bei den Haute-Couture-Modellen, Mirjam Zwick zuständig. Die Atelierleiterin kennt sich bestens aus, weiß genau, wie die Figur der Frau sich mit zunehmendem Alter verändert und berücksichtigt das bei jedem einzelnen Modell.
„Mit diesem tollen Führungsteam gelingt es uns ganz hervorragend, dem Wandel der Zeit zu begegnen.“
Helga Grünwoldt-Okan, Unternehmensgründerin
Produziert werden die Kollektionen bei kleinen Familienbetrieben – teilweise werden diese sogar von ehemaligen Mitarbeitenden des Düsseldorfer Unternehmens geleitet – ausschließlich in Deutschland. Und genau diese Qualitätsmerkmale unterscheiden die Prêt-à-Porter-Kollektion von Pio O‘Kan von Kollektionen von der Stange, wie sie beispielsweise in großen Kaufhäusern angeboten werden. Dort kommen die Stoffe vielfach aus Fernost, die Kleidungsstücke werden ausschließlich maschinell in großen Fabriken hergestellt – und damit lassen sich natürlich auch die zum Teil immensen Preisunterschiede erklären. Mit der Prêt-à-Porter – angeboten werden zwei Kollektionen im Jahr, die inzwischen jeweils rund 100 Teile umfassen – ist es dem Modeunternehmen gelungen, sich weiterzuentwickeln und viele neue Kundinnen zu gewinnen, und das keineswegs nur im exklusiven Flagshipstore an der Düsseldorfer Königsallee. „Wir sind mittlerweile an 20 Standorten in Europa von Antwerpen bis Wien und von Sylt bis Zürich mit Partnergeschäften vertreten“, erklärt Geschäftsführer Philippo Okan, der das Unternehmen gemeinsam mit Hawe Klein und Mirjam Zwick – beide sind seit mehr als 20 Jahren Teil von Pio O’Kan – leitet. „Ich bin sehr froh, dass mein Sohn 2016 in unseren Familienbetrieb eingestiegen ist und ich einen Teil der Verantwortung an die nächste Generation abgeben konnte. Mit diesem tollen Führungsteam gelingt es uns ganz hervorragend, dem Wandel der Zeit zu begegnen“, freut sich Helga Grünwoldt-Okan.

Exklusive Modenschau
Das 50-jährige Bestehen des Unternehmens wurde im September dieses Jahres mit einem großen Jubiläums-Event gefeiert – unter den 150 geladenen Gästen waren sogar einige Kundinnen der allerersten Stunde. Unter großem Beifall wurden bei einer exklusiven Modenschau viele Modelle der aktuellen Prêt-à-Porter-Kollektion sowie einige ausgewählte Haute-Couture-Modelle gezeigt. Darüber hinaus hatten die Gäste die Möglichkeit, Kleider aus dem Archiv zu besichtigen. Selbstverständlich sorgte auch die eine oder andere ganz große, extravagante Robe der Haute Couture für so manchen Hingucker-Moment. „Eine solche Modenschau ist immer auch eine perfekte Gelegenheit, dem Publikum die hohe Kunst der Mode zu präsentieren und zu zeigen, was unser Haus kann“, erklärt Philippo Okan. Und genau diese Kunst ist auch der Grund, der vor 50 Jahren Helga Grünwoldt-Okan und viele Jahre später Hawe Klein und Mirjam Zwick veranlasst hat, sich der Haute Couture zu verschreiben und ihr bis heute treu zu sein.
„Natürlich haben sich die Zeiten gewandelt, die Couture hat sich verändert, aber nirgendwo in der Mode sonst ist es möglich, mit so großem kreativem Spielraum tätig zu sein“, sagen alle drei voller Überzeugung.
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