Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Der neue Sitz von Schneider Electric auf dem Euref-Campus setzt ein klares Zeichen: Nicht nur das Unternehmen, auch das Quartier selbst zeigt, dass die Energiewende kein fernes Ziel, sondern gelebte Realität ist. Was das bedeutet, zeigte jetzt eine große Präsentation.
Es ist ein starkes Signal: Mit der Eröffnung seines neuen Deutschland-Sitzes auf dem Euref-Campus Düsseldorf hat Schneider Electric nicht nur moderne Büros bezogen, sondern positioniert sich mitten in einem Reallabor für die Energiewende. Rund 11.500 Quadratmeter nimmt der weltweit tätige Spezialist für die digitale Transformation von Energiemanagement und Automatisierung künftig ein – und verknüpft damit Unternehmensgeschichte mit Standortpolitik. Denn das Quartier am Flughafen steht für den Anspruch, Klimaneutralität schon heute praktisch umzusetzen.
Der Campus ist nach dem Berliner Pendant das zweite Projekt dieser Art. 80.000 Quadratmeter Fläche bieten Raum für Büros, Labore, Startups und Hochschulen – bis zu 4.000 Arbeitsplätze sollen entstehen. Dass die Vision ernst gemeint ist, zeigt die Technik: Geheizt und gekühlt wird mit Wasser aus dem benachbarten Lichtenbroicher Baggersee, ergänzt durch Photovoltaik, Fernwärme und Batteriespeicher. Gesteuert wird das Zusammenspiel durch eine intelligente Plattform von Schneider Electric, die Energieflüsse in Echtzeit optimiert.

Eine Präsentation im September unterstreicht den Anspruch. Mehr als 130 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft waren dabei, diskutierten über nachhaltige Immobilien, Forschung und Bildung. In der markanten Kuppel – einst Kulisse für Günther Jauchs Talkshow und heute ein nachhaltiges Upcycling-Projekt – erlebten die Gäste die Eröffnung des neuen Innovation Hubs. Eingeleitet vom französischen Botschafter François Delattre, wurde der Hub durch Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und Dr. Reinhard Müller, Vorstand der Euref AG, sowie Schneider-Electric-Chef Mike Hughes und Kathrin Aehling, Marketingchefin für die DACH-Region, offiziell eröffnet. Keller hob dabei hervor, das Projekt unterstreiche die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Düsseldorf und sei ein Gewinn für die gesamte Region.

Der Innovation Hub ist ein Schaufenster für die Zukunft: Auf 660 Quadratmetern demonstriert Schneider Electric Anwendungen von der Gebäudeautomation bis zur sicheren Energieversorgung von Rechenzentren. Die Inszenierung mit Countdown und Lichteffekten passte zum Anspruch, Nachhaltigkeit nicht nur technisch, sondern auch emotional erlebbar zu machen.
Doch der Campus soll nicht allein Schauplatz für Technologie sein. Auch Bildung und Forschung sind fest verankert. Ab dem Wintersemester 2025 starten Masterstudiengänge mit Schwerpunkten wie nachhaltige Energiesysteme oder Wasserstoff-Infrastruktur. Getragen wird das Angebot von der Universitätsallianz Ruhr und der Hochschule Düsseldorf. Das Besondere: Lehre und Praxis finden Tür an Tür statt. Mitarbeiter der Partnerunternehmen können sich gewissermaßen im Vorbeigehen in ein Seminar setzen – oder ihr Wissen an Studierende weitergeben.
Die räumliche Nähe von Wirtschaft, Wissenschaft und Start-ups soll einen „Talent-Hub“ schaffen, wie die Organisatoren sagen. Er soll junge Fachkräfte frühzeitig an die Herausforderungen der Energiewende heranführen. Für Unternehmen ist das nicht nur ein Beitrag zur Gesellschaft, sondern auch handfeste Standortpolitik: Der Kampf um kluge Köpfe entscheidet, wer die Energie- und Mobilitätswende tatsächlich umsetzt.
Schneider Electric selbst vollzieht unterdessen einen personellen Neuanfang: Mit Martin Jäger übernahm Anfang September ein ausgewiesener Branchenkenner die Verantwortung für das Geschäftsfeld Home & Distribution in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Manager bringt internationale Erfahrung in der Smarthome-Branche mit und will die Wohngebäude der Zukunft intelligenter und nachhaltiger machen. Für CEO Mike Hughes ist seine Berufung ein wichtiges Signal für den Aufbruch in ein neues Kapitel des Unternehmens.

All das fügt sich in ein größeres Bild: Der Euref-Campus Düsseldorf ist kein Prestigeobjekt, sondern ein Statement. Architektur, Energieversorgung, Forschung und Unternehmertum greifen ineinander. Von Anfang an CO2-neutral, vernetzt durch intelligente Systeme, getragen von einem Netzwerk aus etablierten Konzernen und jungen Firmen.
Die Atmosphäre vor Ort macht deutlich: Hier ist kein steriles Büroquartier entstanden, sondern ein Ort mit Anspruch. Olivenbäume rund um die Kuppel, eine nachhaltige Gastronomie, Eventflächen am See – sie sind Teil einer Idee, die Gemeinschaft und Innovation verbindet. Das Projekt soll damit mehr als die Summe seiner Teile sein. Es steht für die Zukunftsfähigkeit einer Region, die mitten im Strukturwandel steckt. Wer den Campus betritt, merkt schnell: Die Energiewende ist hier nicht nur eine politische Formel. Sie ist sichtbar, spürbar – und längst Realität.

Bei der Präsentation im September wurde Reinhard Müller, Architekt und Vorstand der Euref AG, mit dem Schneider Electric European Sustainability Impact Award ausgezeichnet. Diese Ehrung würdige das visionäre Engagement der Euref AG für eine nachhaltige Zukunft und die Umsetzung der Energiewende, teilte das Unternehmen mit. Für Müller ist der Campus mehr als ein Bauprojekt. Er versteht ihn als Symbol für eine klimaneutrale Wirtschaft. Sein Credo: nicht reden, sondern machen. In Berlin hat er das bereits gezeigt: Der dortige Euref-Campus erfüllt heute schon die Klimaziele für 2045. In Düsseldorf will er diese Erfolgsgeschichte fortschreiben.

„Es wurde viel geredet. Jetzt ist es Zeit, Taten folgen zu lassen.“
Reinhard Müller Architekt und Vorstand der Euref AG
Der in Krefeld geborene Müller wurde auch bei der diesjährigen Gala „Düsseldorfer des Jahres“ der Rheinischen Post in der Kategorie „Innovation und Nachhaltigkeit“ geehrt. Der Campus sei die logische Antwort auf die drängenden Fragen der Zeit, führte er in seiner Dankesrede aus. „Es wurde viel geredet. Jetzt ist es Zeit, Taten folgen zu lassen.“ Klaus Wowereit, früherer Regierender Bürgermeister von Berlin, lobte in seiner Laudatio Müllers Beharrlichkeit. Ohne sie, so Wowereit, wäre ein solcher Ort nicht entstanden. Sturheit und Leidenschaft, gepaart mit Pragmatismus – vielleicht ist das die Mischung, die nötig ist, um Zukunft greifbar zu machen.
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