Leise Revolution auf vier Rädern
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Das Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, von der in Deutschland Schätzungen zufolge etwa 3,8 Millionen Frauen betroffen sind. Neben konservativen Therapien kann in fortgeschrittenen Stadien eine operative Fettabsaugung helfen.
Das Lipödem ist eine klinische Diagnose – es handelt sich also um eine medizinische Beurteilung, die von Ärztinnen oder Ärzten, etwa Fachärzten für Lymphologie oder Angiologie, nach Bewertung der Symptome erstellt wird. Und diese Symptome sind bei einem Lipödem eindeutig, nämlich unkontrollierte Fetteinlagerungen, insbesondere in den Beinen, manchmal auch am Gesäß, und in den Armen. Betroffene Frauen leiden unter Druckschmerz und Berührungsempfindlichkeit, zudem entwickeln sich schnell, oftmals nach nur leichter Berührung, große Blutergüsse. Die Krankheit kann übrigens durchaus bei normalgewichtigen Frauen auftreten, muss also mit Übergewicht oder Adipositas nicht unbedingt etwas zu tun haben. Was genau die Krankheit auslöst und wa rum Männer verschont bleiben, ist bis heute nicht vollständig geklärt. „Hormonelle Veränderungen spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung des Lipödems, und zwar insbesondere während der Pubertät, während einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Das Durchschnittsalter betroffener Frauen liegt etwa bei plus/minus 40 Jahren“, erläutert Prof. Dr. Jutta Liebau, Chefärztin der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie im FlorenceNightingaleKrankenhaus der Kaiserswerther Diakonie.

Die Erkrankung wird in drei Schweregrade eingeteilt, wobei das jeweilige Stadium keinen Rückschluss auf Schmerzen oder andere Beschwerden zulässt.
Stadium 1: Das Fettgewebe ist gleichmäßig verteilt, die Haut ist noch glatt, das Unterhautfettgewebe jedoch bereits verdickt. Druckschmerz und Blutergüsse sind möglich.
Stadium 2: Die Symptome werden schlimmer und deutlicher sichtbar. Knotenartige Strukturen im Unterhautfettgewebe kommen hinzu, auf der Haut sind Unebenheiten und größere Dellen zu sehen.
Stadium 3: Eine deutliche Zunahme des Fettgewebes ist erkennbar. Die Neigung zu Blut ergüssen und Schmerzen steigt, es bilden sich Überhänge und Furchen, insbesondere an den Innenseiten der Oberschenkel und den Knien.

Je nach Schweregrad gibt es verschiedene mögliche Therapien. Konservativ wird das Lipödem in der Regel mittels manueller Lymphdrainage behandelt, zudem kann das regelmäßige Tragen von Kompressionsware die Beschwerden zumindest in einem frühen Stadium lindern.
„Absolut notwendig ist die präoperative Aufklärung über alle möglichen Risiken.“ Prof. Dr. Jutta Liebau, Florence-Nightingale-Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie
Darüber hinaus sind Gewichtsreduktion bei Übergewicht sowie viel Bewegung wichtig. Im fortgeschrittenen Stadium, so Prof. Liebau, sei die operative Behandlung, die sogenannte Liposuktion, allerdings oftmals der einzige Weg, um betroffenen Frauen zu helfen. Hierbei handelt es sich um eine etwa eineinhalbstündige Operation, bei der unter Vollnarkose das überschüssige Fett abgesaugt wird. Die Ärztin empfiehlt einen stationären Aufenthalt und im Anschluss – je nach Befund, Ausmaß der OP sowie Alter der Patientin – eine Erholungsphase von einer bis zwei Wochen. „Absolut notwendig ist zudem die präoperative Aufklärung über alle möglichen Risiken, seien es Hämatome, Wundheilungsstörungen oder Korrektureingriffe“, erklärt Prof. Liebau. Die Operation wird übrigens voraussichtlich ab dem kommenden Jahr in vielen Fällen von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt – die entsprechende Entscheidung wird für diesen Herbst erwartet.
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