Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Seit 20 Jahren setzt sich die aus dem Fernsehen bekannte Handwerkerin und Upcycling-Expertin Esther Ollick für die Rettung und kreative Umgestaltung von Mobiliar ein. Nun hat sie in ihrer Heimatstadt ihre „Werkstatt für Schönes“ eröffnet.
Man kennt sie aus dem Fernsehen: Acht Jahre lang war Esther Ollick als Vintage-Händlerin in der Kultsendung „Bares für Rares“ und deren Spin-off „Händlerstücke“ zu sehen, trat im „ZDF Fernsehgarten“ als DIY-Expertin und bei den „Vox Dekoprofis“ als Interior-Designerin auf. „Fernsehen zu machen war eine ganz wunderbare Erfahrung.
Ich habe dabei viel gelernt, aber ich brauche einfach die Abwechslung“, sagt sie. Und so eröffnete die selbst ernannte Möbelaktivistin vor ein paar Monaten ihre neue „Werkstatt für Schönes“ in Gerresheim – und kehrte damit zu ihren Wurzeln zurück. Denn hier ist Esther Ollick geboren und zur Schule gegangen, hat in Düsseldorf ihre Ausbildung zur Raumausstatterin und später ihr Fachabitur an der Fachoberschule für Gestaltung gemacht. Später ließ sie noch eine Zusatzausbildung zur staatlich geprüften Requisiteurin folgen.
„Wenn ein geliebtes Möbelstück wieder gefällt, behält man es und ersetzt es nicht.“ Esther Ollick
Ihr Weg ins Handwerk begann allerdings weit früher: im Grundschulalter. „Damals habe ich mit dem Nähen angefangen“, sagt die heute 45-Jährige. Zu ihrem 18. Geburtstag bekam sie von ihrem Vater, einem tatkräftigen Maschinenschlosser, wie sie sagt, ihren ersten Akkuschrauber. Und vor Kurzem feierte die vielseitige Handwerkerin, dreifache Buchautorin, Speakerin, Trainerin und Kolumnistin 20 Jahre Selbstständigkeit. Die begann 2005 mit ihrem „Werksalon – Werkstatt für Schönes“ in der Landeshauptstadt. Weitere Stationen in Köln – hier hatte sie eine 500 Quadratmeter große Halle, in der sie mit einem fünfköpfigen Team unter anderem Vintage-Möbel aufarbeitete – und im Bergischen Land folgten.

Zurück in Düsseldorf, bietet Esther Ollick DIY-Workshops an, hält Vorträge über die vielfältigen kreativen Möglichkeiten, die ein Handwerksberuf bietet, und arbeitet Möbel nach Kundenwunsch in ihrer kleinen Werkstatt im hinteren Teil ihrer neuen Räume an der Dreherstraße auf. „Ich habe fast nur Aufträge, die mit Geschichten und Emotionen verbunden sind.“ Zurzeit ist es ein alter Bauernschrank, ein Familienerbstück, der ihre Kunstfertigkeit verlangt. „Schon der Schwiegervater meiner Kundin, die sehr an dem Stück hängt, wollte ihn erhalten und hat ihn vor vielen Jahren bunt bemalt“, sagt Esther Ollick. „Mit meiner Arbeit gebe ich Altem ein neues Leben: Denn, wenn ein geliebtes Möbelstück wieder gefällt, behält man es und ersetzt es nicht.“ So soll auch dieser wurmstichige Bauernschrank, wenn er nach vielen intensiven Arbeitsstunden fertig sein wird, wieder die Wohnung ihrer Kundin zieren – in freundlichem Hell blau. „Ich liebe Farbe, und ich rate oft dazu, sie einzusetzen, natürlich nur dort, wo es passt.“ Und dafür bietet sie auch Hausbesuche an. „Mein Ziel ist es, Menschen zu inspirieren, alte Möbelstücke neu zu denken. Meine Kunden sollen später jeden Tag Freude an meiner Arbeit haben – auch das ist nachhaltig.“

Apropos Freude: Besonders gut kommen ihre Workshops zur Möbelaufarbeitung an. „So etwas wird offenbar kaum angeboten“, sagt die temperamentvolle Frau. Sechs Arbeitsplätze mit Werkzeug, das fast jeder zu Hause hat, und damit eine richtige Werkstattatmosphäre hat sie für diese und ihre weiteren Kurse geschaffen. Denn auch ihre Termine zum Kreieren von Tischleuchten mit eigenen Lampenschirmen oder auch die Oberflächenveredelung mit schimmernden Metallen sind gut gebucht. Ihre Workshops erarbeitet sie selbst. Dabei kommt ihr ihre Fernseherfahrung zugute: „Im Fernsehen habe ich gelernt, komplexe Dinge so zu erklären, dass man sie einfach nachvollziehen kann und keine Fragen offen bleiben.“ Denn: „Ich möchte die Teilnehmer – übrigens zu 90 Prozent Frauen – motivieren, gleich zu Hause weiterzumachen, sich einfach zu trauen, handwerklich aktiv zu sein, zu gestalten.“ Das mache unabhängig – und sehr stolz.
„Meine Kunden sollen später jeden Tag Freude an meiner Arbeit haben.“ Esther Ollick
„Meine WorkshopTeilnehmer gehen mit einem Lächeln und voller Freude über ihr Werkstück hier hinaus – und sehr viele kommen wieder. Das ist ein großes Kompliment“, sagt Esther Ollick und ergänzt: „Ich wollte immer einen sinnvollen Beruf ausüben: Was könnte es Schöneres geben?“ www.werkstattfuerschoenes.de
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