Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Neuanfang mit Stil: Evelyn Hammerström schreibt das nächste Kapitel von Jades – und das an einer der exklusivsten Adressen Deutschlands, der Königsallee. Und ihr Konzept ist moderner, selektiver und persönlicher denn je.
Die Frage, wieso man mit 70 Jahren auf die Idee kommt, noch einmal ein Modegeschäft zu eröffnen, kann Evelyn Hammerström selbst nicht so genau beantworten. Doch eins ist sicher: Ihr Herz schlägt immer noch für die Mode. Ende Mai musste sie ihren renommierten Fashion-Store an der Breite Straße schließen. Durch die zahlreichen Baustellen in der direkten Umgebung wurde der Standort immer dreckiger. Das Laden-Team musste wegen des Schmutzes, der in der Luft lag, viel mehr reinigen als gewöhnlich. Außerdem gab es Probleme mit Menschen, die teilweise direkt vor dem Geschäft übernachteten. Laufkundschaft blieb irgendwann völlig aus. Eine einst gefragte Adresse wurde zur Randlage.

„Die Breite Straße wurde früher gerne als Durchgang zum Carlsplatz genutzt. Er verlagerte sich durch die Baustellen zwei, drei Straßen weiter. Aus einer 1B-Lage wurde eine 4B-Lage“, bedauert Evelyn Hammerström, die 1999 mit ihrem Geschäftspartner Reinhard Haase die erste Jades-Dependance gegründet hatte. Mit vielen ihrer Angestellten hat Hammerström fast 20 Jahre zusammengearbeitet. Mitarbeiter seien mit der Zeit Freunde geworden. Umso schwerer fiel die Entscheidung, Jades nach 25 Jahren zu schließen.
Dabei ist Jades eine echte Erfolgsgeschichte und einzigartig in Deutschland. Im Jahr 2000 gründeten Hammerström und Haase die Vertriebsagentur Unifa GmbH. Ihre Mission: exklusive amerikanische Modemarken nach Deutschland zu holen. Sie brachten mit ausgewählten Kleidungsstücken – darunter wie auch heute noch sehr viel Denim – Hollywood nach Düsseldorf. Marken wie True Religion, Seven for all Mankind oder Juicy Couture fanden dank Unifa erstmals ihren Weg in deutsche Boutiquen – darunter auch in Jades, das schnell zur Referenzadresse für Contemporary Fashion avancierte.
Der internationale Anspruch blieb nicht unbemerkt: Hollywood-Größen wie Justin Timberlake, Victoria Beckham oder Lenny Kravitz schauten bei Jades vorbei – diskret, aber gezielt. Auch deutsche Persönlichkeiten wie Herbert Grönemeyer, Verona Pooth oder Barbara Becker gehörten zur festen Kundschaft. „Wir haben nie damit geworben – aber wir wussten immer, wer da war. Viele kamen, weil sie wussten: Hier gibt es Stücke, die man sonst nirgends findet“, erinnert sich Evelyn Hammerström. Jades war damit mehr als ein Store – es wurde zum stilistischen Bindeglied zwischen internationaler Star-Attitüde und deutschem Modebewusstsein. Und das nicht nur für VIPs.
Das Erfolgs-Konzept von Jades wurde in Deutschland mehrfach kopiert. „Der ganz große Hype flachte irgendwann dann ab, und die Mode wurde ein stückweit normaler“, erinnert sich Evelyn Hammerström. Über die Jahre etablierte sich eine Stammkundschaft, die die sorgfältig kuratierten Kollektionen der Jades-Gründerin und die Mischung aus Mode, Accessoires und Beauty-Produkten zu schätzen wusste.
Eben jene handverlesene Produktauswahl erwartet die Kundinnen und Kunden – im Bereich Accessoires gibt es auch Unisex-Artikel – nun auch im neuen Concept-Store an der Königsallee 94, den Hammerström im Sommer ohne viel Aufheben eröffnete. „Das war eine ganz bewusste Entscheidung, die Ladeneröffnung in die Zeit zu legen, in der viele im Urlaub sind“, erklärt die Modeliebhaberin. So habe das Team erst einmal die Möglichkeit gehabt, sich in den neuen Räumen einzufinden und sich einzuspielen.
Dass Jades nun an der Königsallee einen neuen Standort gefunden hat, ist größtenteils dem Düsseldorfer Immobilienentwickler Udo Hensgen zu verdanken. Er ist seit 30 Jahren der Mann an Evelyn Hammerströms Seite und bot ihr an, das Ladenlokal in der freistehenden Kö-Immobilie zu nutzen. Peter Wienen, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Königsallee, war von der Idee ebenfalls angetan.
Und die Kunden? „Sie sind extrem begeistert vom neuen Laden“, berichtet Evelyn Hammerström nicht ganz ohne Stolz. Der neue Store empfängt sie mit einer ruhigen Farbwelt in warmem Offwhite, das in Richtung Gelb geht, großzügigen Umkleidebereichen und einer Architektur, die bewusst Distanz zum hektischen Retail schafft. Reduktion statt Reizüberflutung – der Store wirkt wie ein modernes Apartment, inspiriert von internationalen Design-Adressen wie Alaïa in Paris. „Es fühlt sich wie zu Hause an. Ein bisschen Wohnzimmer-Atmosphäre.“
Das Sortiment bleibt Jades-typisch: Contemporary Luxury, jung gedacht, bewusst selektiert. Keine großen Logos, keine überteuerten Klassiker – stattdessen moderne First Lines und starke Denim-Pieces, perfekt abgestimmt auf eine anspruchsvolle, stilbewusste Kundschaft. Das Team? Hochqualifiziert, erfahren, persönlich. Beratung ist hier keine Option, sondern Selbstverständnis. „Unsere Mitarbeiterinnen haben ein geschultes Auge und können top beraten. Wenn sie zwei bis drei Jeans heraussuchen, passen in der Regel alle und werden meist alle gekauft.“

Das Angebot ergänzt ein Online-Shop. „Jades24 ist in unsere zweite Filiale“, sagt Evelyn Hammerström. Sie möchte mit dem Angebot wieder dahin kommen, dass Mode abseits des Mainstreams angeboten wird. Deshalb kaufe sie für den Online-Shop auch nicht anders ein als für den Laden an der Kö. „Das ist aber eine Aufgabe, die Zeit erfordert.“
Stil kennt kein Alter. Evelyn Hammerström verkörpert, was ihre Marke ausmacht: Haltung, Erfahrung, Neugier. Sie selbst denkt nicht an Rückzug, sondern an Weiterentwicklung – in Mode, Business und Life. Ihr Wissen rund um Beauty, Longevity und Ästhetik fließt spürbar in das Store-Konzept ein.
Für den Herbst und Winter sind verschiedene Events im neuen Store an der Königs allee geplant. Auch die Zusammenarbeit mit Beauty-Firmen kann sich die Geschäftsfrau gut vorstellen. Eine Brand, die schon fest für ein Event zugesagt hat, ist Suzusan. Evelyn Hammerström ist großer Fan des japanischen Labels, dessen Vertrieb sogar in Düsseldorf sitzt.
Trotz aller Herausforderungen ist Evelyn Hammerström überzeugt vom Modestandort – auch wenn sie dazu aufruft, wachsam zu bleiben: „Düsseldorf war über Jahre stilprägend. Jetzt braucht es klare Impulse, damit das so bleibt.“ Mit Jades an der Kö setzt sie selbst einen solchen Impuls – leise, aber mit Wirkung.
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