Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Thomas Hohler spielt in der deutschen Fassung des Musicals „Mrs. Doubtfire“ die Titelrolle. Ein Gespräch über die Herausforderungen seiner Rolle und seine Rückkehr ins Capitol Theater.
Was verbinden Sie mit Mrs. Doubtfire?
THOMAS HOHLER: Der erste Gedanke istnatürlich an den Film aus meiner Kindheit.Ich war damals acht Jahre alt, als ich mit ihm das erste Mal in Berührung gekommen bin und habe ihn in meiner Kinder- und Jugendzeit öfter gesehen. Ich bin ein Fan erster Stunde. „Mrs. Doubtfire“ weckt sehr wohlige Kindheitserinnerungen und ist so etwas wie ein Happy Place von damals.

Was macht für Sie die Faszination aus?
Heute ist das ein ganz anderer Standpunkt als damals. Heute bin ich selbst Vater einer kleinen Tochter und stehe gemeinsam mit meiner Frau als „working family“ mitten im Leben. Da fliegt einem manchmal so alles um die Ohren, was das Leben so zu bieten hat. Im Zuge der Vorbereitung habe ich den Film natürlich wieder geguckt und war überrascht, wie viele anderen Perspektiven da für Erwachsene und Familien in der Geschichte drinstecken. Das fand ich bemerkenswert. Aber auch, wie berührend ich das alles wieder fand. Der Film drückt bei mir Knöpfe – ich habe drei Szenen geguckt und hatte wieder Tränen in den Augen, so berührend finde ich diese Geschichte.
Ist es deshalb eine besondere Herausforderung, in diese Rolle zu schlüpfen?
Ja. Ich glaube, nicht nur wegen des Films und meines Bezugs dazu. Diese Rolle ist die größte Herausforderung, die ich mir je als Musicaldarsteller in meinem Leben hätte vorstellen können. Das muss ich wirklich so sagen. Das ist kein Werbespruch (lacht). Im Zuge des Castings habe ich die Show in London gesehen und dachte: Ob ich das wirklich haben will? Da hatte ich ziemlich Ehrfurcht. Das ist die umfangreichste Rolle, die ich je gesehen habe. Ich hätte nicht gedacht, dass einem Darsteller so etwas auf einer Bühne zugemutet werden kann – im positiven Sinne.
„Diese Rolle ist die größte Herausforderung, die ich mir je als Musicaldarsteller hätte vorstellen können.“ Thomas Hohler
Inwiefern? Was muss man alles leisten können?
Das Spektrum deckt einfach alles ab, was man sich vorstellen kann und noch ein bisschen mehr. Wir wissen alle, das man als Musicaldarsteller singen, tanzen, schauspielern und manchmal alle drei Sachen gleichzeitig machen muss. Aber hier kommt noch ein Tanz mit einem Staubsauger hinzu. Outfitwechsel auf der offenen Bühne in einer Szene – teilweise verwandelt sich Daniel in einer Szene vierbis fünfmal. Ich mache eine Live- Loop- Station-A-cappella-Beatbox-Performance. Ich muss in hohen Schuhen steppen. Die Liste ist sehr lang … Ich mache den Beruf als Musicaldarsteller fast schon 20 Jahre, aber ich war als Zuschauer selbst davon gefesselt und habe nur gedacht: Das macht ihr? Das funktioniert? Krass! Ich war selbst verzaubert, obwohl ich mich sonst schwertue, den professionellen Blick abzulegen.

Haben Sie Angst, an der Performance von Robin Williams gemessen zu werden?
Nein. Ich werde sicherlich von außen an der Performance gemessen werden, aber ich weiß selbst für mich, dass ich Robin Williams nicht erreichen kann. Er ist eine Ikone der Schauspiel-Comedys geworden und eine Ikone der Kinderfilme, die auch Erwachsene toll finden. Aber es geht auch nicht darum, das zu toppen oder zu kopieren, sondern dem gerecht zu werden. Ich denke, Robin Williams ging es in seiner Arbeit um ganz bestimmte Dinge. Und das, finde ich, ist die Herausforderung an der Musical-Performance: Sie legt den Fokus auf genau die richtigen Dinge. Es geht in dem Film um Liebe und dass Familien auch in schwierigen Situationen weiterfunktionieren. Dass ein Fokus auf den Kindern liegt. Diese Botschaft transportiert das Musical genauso. Meine Aufgabe st es – so sehe ich das – weiterzuführen, was Robin Williams und der Film erzählen wollten. Und was der Regisseur des Stücks – Jerry Zaks – mit dem Musical erzählen will.
Das Capitol Theater Düsseldorf kennen Sie ja bereits, Sie haben dort im Hape Kerkeling-Musical „Kein Pardon“ mitgespielt. Wie fühlt sich die Rückkehr an?
Toll! Es weckt Erinnerungen. „Kein Pardon“ ist gut zwölf Jahre her. Aber in der Musical-Branche ist es ein wenig wie im Zirkusleben: Man kennt sich irgendwie hinter der Bühne und hat schon mal miteinander gearbeitet. Was das angeht, ist es ein bisschen wie die Rückkehr zu etwas Vertrautem. Zum Thema Nachhausekommen: Düsseldorf ist nicht so weit weg von meinem Wohnort, dem Ruhrgebiet, wo ich mittlerweile mit meiner Familie wieder zu Hause bin. Für einen Berufsstand, der wie das fahrende Volk immer unterwegs ist, ist Düsseldorf ja fast schon wie Homeoffice (lacht).
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von reCAPTCHA. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen