Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Düsseldorf investiert jeden zweiten Euro aus dem städtischen Haushalt in den Bau von Schulen, betonen Oberbürgermeister Stephan Keller und Stadtdirektor Burkhard Hintzsche im Interview. Die nächste Herausforderung steht ebenfalls an: Ab 2026 müssen Erstklässler ganztags betreut werden. Wie löst die Stadt dies?
Mit der Zusage für dieses Interview hatten wir so nicht gerechnet: Wir wollten mit Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller über Kinder und Familien in Düsseldorf sprechen – und natürlich über die Einführung der Ganztagsbetreuung an den Grundschulen im nächsten Jahr. Zugesagt hat nicht nur der Oberbürgermeister, sondern auch Stadtdirektor Burkhard Hintzsche. Wir werten das als klares Zeichen, wie wichtig der obersten Führungsspitze im Rathaus das Thema ist.
„Düsseldorf ist eine familien- und kinderfreundliche Stadt – absolut!“, unterstreicht Stephan Keller während des Gesprächs im Heine-Saal im Rathaus. „Düsseldorf hat aufgrund seiner Lebensqualität gute Bedingungen zum Aufwachsen eines Kindes: gute Betreuungsmöglichkeiten, moderne und gut ausgestattete Schulen, ein breites Angebot an Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Es gibt kaum eine Kommune, die so ein großes Angebot an Sportanlagen für den Breitensport hat, darauf können wir stolz sein.“
Ein Beispiel ist etwa das Angebot an Kindertagesstätten und der Tagespflege von Kindern. „Hier haben wir ein sehr gutes Angebot. Jedes Kind über drei Jahren findet bei uns einen Betreuungsplatz“, erläutert Keller. Und: „Für die über Dreijährigen haben wir schon seit 2009 Beitragsfreiheit, und bei den unter Dreijährigen haben wir in den letzten Jahren die Beiträge so senken können, dass wir damit in NRW zu den Kommunen mit den niedrigsten Beiträgen zählen.“
Stephan Keller räumt allerdings ein, dass er die Versorgungquote von rund 50 Prozent bei den Kita-Plätzen für die unter dreijährigen Kinder noch nicht für ausreichend hält. Engpässe seien längst nicht mehr fehlende Räumlichkeiten, sondern: Es mangelt an qualifiziertem Personal. „Dem begegnen wir etwa mit Kooperationen mit Hochschulen und verstärktem Arbeitgebermarketing. Gleichzeitig haben wir im vergangenen Jahr die Vergütung beim Personal angepasst und sind an die Grenzen dessen gegangen, was wir tariflich dürfen.“
Das Stadtoberhaupt weist außerdem darauf hin, dass Düsseldorf in den letzten zehn Jahren massiv in den Schulbau investiert hat. „Wir werden bis Ende 2026 rund 1,5 Milliarden Euro in die Schulen investiert haben!“ Allein beim Luisen-Gymnasium und der Joseph-Beuys-Gesamtschule verbaut die Stadt derzeit jeweils rund 100 Millionen Euro. Und in Düsseldorfs größte Schule, die Dieter-Forte-Gesamtschule in Eller, könnten sogar 150 bis 200 Millionen Euro investiert werden. „Jeder zweite Euro des städtischen Haushaltes fließt derzeit in den Bau von Schulen. Wir sind auf einem hohen Niveau angekommen und haben deutlich über die Hälfte dessen realisiert, was wir machen müssen“, so Keller. „In den nächsten Jahren wird sich der Schwerpunkt deshalb vom Neubau zum Unterhalt der Gebäude verschieben.“

Eine weitere große Herausforderung steht im nächsten Jahr bevor, dann gilt es, den Rechtsanspruch auf Ganztagsschul-Betreuung in der Grundschule umzusetzen. Worauf können sich Eltern und Kinder in Düsseldorf einstellen? Der Oberbürgermeister erklärt, dass die Finanzierung des Rechtsanspruchs nicht fair geregelt ist. „Wir benötigen generell eine faire Finanzverteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen, dafür kämpfen wir seit Jahrzehnten. So sind wir als Kommune für ein Viertel aller öffentlichen Aufgaben verantwortlich, aber wir erhalten nur 17 Prozent der öffentlichen Einnahmen in Deutschland.“ Auch bei der Ganztagsschul-Betreuung im Primarbereich weist er auf diesen Konflikt hin: „Den Rechtsanspruch hat sich der Gesetzgeber ausgedacht, aber wir müssen ihn nun umsetzen.“
Stadtdirektor Burkhard Hintzsche kündigt an, dass Düsseldorf ab dem 1. August 2026 mit einem guten Angebot für die Erstklässler starten wird. „Wir werden zukünftig Betreuungsmodule anbieten, damit die Eltern frei wählen können. Die Kinder können dann bis 14 Uhr, 15 Uhr oder 16 Uhr betreut werden, das können die Eltern selbst entscheiden.“ Mit den Schulträgern sei abgesprochen, dass dieses Angebot an allen Standorten realisiert werde.
Hintzsche weist darauf hin, dass die Schulen in Düsseldorf insgesamt bereits jetzt eine Versorgungsquote von 84 Prozent erfüllen – „das ist im kommunalen Vergleich in NRW sehr gut“. Die Ganztagsbetreuung im Grundschulbereich will die Stadt jährlich ausbauen, in 2026 mit der ersten Klasse starten und bis 2029 somit für alle Klassen ein Angebot umsetzen. „Wir hätten dann unsere heutige Versorgungsquote von 84 Prozent auf 95 Prozent gesteigert“, so der Stadtdirektor.
Zwei Dinge hält er dabei für wichtig: In der Vergangenheit haben Eltern zwar oftmals einen Platz an der Wunschschule für ihr Kind erhalten, nicht aber gleichzeitig einen Ganztagsplatz. „Deshalb wollen wir die Entscheidung Schulplatz und Ganztag zusammenführen.“ Im Grundschulbereich sei das, so Hintzsche, aber kein einfaches Unterfangen, denn dafür müssten die Wünsche der Eltern und Platzangebot übereinstimmen. Mit dem Modulsystem für die 94 Grund- und Förderschulen in der Stadt soll das Angebot also flexibler werden. „Wir haben dazu auch schon notwendige Vorbereitungen getroffen und haben unter anderem an allen Standorten ermittelt, was das für das Raumangebot bedeutet. Natürlich haben wir dabei auch Standorte gefunden, wo noch gebaut werden muss, da kommt also noch einiges.“
Hintzsche sieht die Wahlfreiheit deshalb als großen Fortschritt, ist sich aber bewusst: „Je nach Wahlverhalten der Eltern bei den Modulen müssen wir natürlich auch schauen, wo wir dann korrigieren müssen.“ Noch in diesem Sommer werde es deshalb Elterninformationen geben, damit die Eltern bei ihren Besuchen in den Grundschulen alle notwendigen Informationen zur Verfügung haben. „Unter den schwierigen Rahmenbedingungen haben wir in Düsseldorf damit eine sehr gute Vorbereitung.“ Zumal die Stadt darauf achte, dass „mindestens 50 Prozent der Fachkräfte, die in der Ganztagsbetreuung arbeiten, ausgebildete Fachkräfte sind“. Gleichzeitig bedauert der Stadtdirektor, dass das Land bei der Förderung keine Vorgaben bei Qualität und Quantität gemacht habe, um überall gleiche Standards anbieten zu können.
Für Oberbürgermeister Stephan Keller zeigt auch dieses Beispiel: „Es ist wichtig, den Rechtsanspruch vernünftig umzusetzen und in Qualität zu investieren. Wir wollen deshalb die Betreuungsangebote für Kinder und Familien in Düsseldorf weiter ausbauen, um dem steigenden Bedarf Rechnung zu tragen.“ Dazu passt auch, dass die Stadt Jugendamt und Sozialamt zusammengelegt hat – und damit ein rund 3.000 Mitarbeiter starkes Superamt geschaffen hat, das bundesweit für Aufmerksamkeit sorgt. „Das ist kein Sparmodell, hier geht es darum, Dienstleistungen in einer Hand so zu bündeln, dass wir einen besseren Bürgerservice haben“, ergänzt Burkhard Hintzsche. Es gebe viele Schnittstellen zwischen Sozial- und Jugendamt, das könne man nun nutzen, um die Menschen aller Altersgruppen im gesamten Stadtgebiet besser zu erreichen und zielgerichtet zu unterstützen. Auch bei der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung waren früher oft die Zuständigkeiten der Ämter nicht immer klar, jetzt könne man viel besser reagieren.
Stephan Keller ergänzt: „Konzeptionell ist vieles bereits vorgedacht, das müssen wir nun in den nächsten Jahren weiter umsetzen. Wir werden dann eine deutlich verbesserte und gestärkte Sozial- und Betreuungsversorgung in Düsseldorf vorweisen können.“
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