Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Mit Dr. Reinhold Hahlhege haben die Düsseldorfer Jonges nicht nur ein in der Vorstandsarbeit erfahrenes Mitglied zu ihrem Baas gewählt. Sie haben einen tatkräftigen, erfahrenen Bauingenieur gewonnen.
Auch mehr als einen Monat nach seiner Wahl ist Dr. Reinhold Hahlhege die Freude darüber noch deutlich anzumerken. Aber: Man wird ja auch nicht jeden Tag Baas, also Präsident, der Düsseldorfer Jonges und damit des größten Heimatvereins Europas. „Der Vorschlag dazu kam aus den Reihen der Mitglieder. Ich habe meinen Hut in den Ring geworfen und bin gewählt worden“, sagt er schlicht, doch die Augen des sportlich-schick gekleideten Mannes blitzen dabei auf. Der neue Baas der Jonges hat gemeinsam mit seinen neuen Vorstandsmitgliedern viel vor. Allerdings kennt sich der diplomierte und promovierte Bauingenieur mit großen Aufgaben bestens aus. Nachdem er dem heimatlichen Münsterland den Rücken gekehrt und im Rheinland ein paar Festanstellungen hatte, entschloss er sich 1991 in Düsseldorf zur Selbstständigkeit. „Mit meiner Firma, der Hahlhege Gesellschaft für Projektentwicklung und Projektmanagement, haben wir alles gebaut, was man so bauen kann – außer Flughäfen und Krankenhäuser“, sagt er. So zählen zu den Projekten, die mithilfe seiner Firma in 33 Jahren zum Erfolg geführt wurden, das Nachwuchsleistungszentrum der Fortuna ebenso wie der Abriss des Rheinstadions sowie der aufwändige Umbau der Paketpost Düsseldorf. „Dort hinein haben wir unter anderem vier Probebühnen des Schauspielhauses, dessen Lager und Werkstätten sowie das Bildarchiv des heutigen Kunstpalastes integriert“, berichtet Hahlhege. „Bei solchen Anforderungen muss man schon bereit sein, Entscheidungen zu treffen. Und wenn sich davon 95 Prozent als richtig erweisen, ist es gut. Natürlich macht man Fehler. Aber nur wer sich traut, gewinnt.“
„Wenn man eine Aufgabe übernimmt, muss man mit dem Herzen dabei sein.“
Dr. Reinhold Hahlhege
Bei den Jonges sieht er sich als Teamplayer: „Wir sind im Vorstand im stetigen Austausch. Jetzt, in der Anfangszeit, setzen wir uns alle 14 Tage zusammen.“ Und das ist einer der Punkte, die ihn an den Düsseldorfer Jonges so begeistern: der direkte, der persönliche Kontakt. „Eben ganz anders als in den sozialen Medien“, wie der 74-Jährige sagt. Moderner Technik gegenüber ist er allerdings mehr als aufgeschlossen: Er will die Digitalisierung des Vereins weiter vorantreiben. „Die von uns gepflegten, teils auch gestifteten Denkmale wollen wir nach und nach mit QR-Codes versehen, die zu entsprechenden Hintergrundinformationen führen. Und wir digitalisieren unser umfangreiches Archiv. Zum Glück werden wir dabei gefördert, denn von unseren Mitgliedsbeiträgen allein könnten wir das nicht bezahlen.“ 80 Euro jährlich kostet die Mitgliedschaft in dem reinen, sich als weltoffen und überparteilich definierenden Männerverein – rund 3.400 Mitglieder aus 25 Nationen und allen Religionsgemeinschaften – gibt es. Und es sollen mehr werden. Ob dazu eines Tages auch Frauen zählen könnten, lässt Hahlhege im Moment noch offen. „Es ist ein wichtiges Thema, das uns bisher aber mehr von außen aufgedrückt wurde. Wir suchen intensiv das Gespräch mit unseren Mitgliedern und sind offen dafür, über alle relevanten Themen zu sprechen.

Vor allem jüngere Leute möchte der neue Baas verstärkt ansprechen. „Unser Durchschnittsalter liegt zurzeit bei 61 Jahren – und, so paradox es klingt, in jedem Jahr, in dem der Verein älter wird, werden wir jünger. Aber da geht noch was“, ist er überzeugt. „Wir wollen zum Beispiel ein Programm für unsere jüngeren Mitglieder initiieren: Warum sich nicht einfach auch mal am Stadtstrand treffen?“ Das Neue soll allerdings nicht zulasten der Tradition gehen. „Die Heimatabende wird es immer geben.“ Dazu finden sich jeden Dienstag etwa 400 Jonges-Mitglieder im Henkel-Saal ein, um hochkarätigen Rednerinnen und Rednern zuzuhören oder auch an einer der zahlreichen Ehrungen teilzunehmen. Denn die Jonges vergeben regelmäßig die Preise für Kindeswohl und für bildende Kunst sowie Förderpreise für Architektur, Musik, Wissenschaft und Handwerk – für die letzteren vier war Hahlhege seit 2012 in seiner Funktion als Vizebaas zuständig.
„Unsere Heimatabende zählen zu unseren Erfolgsgeschichten.“
„Unsere Heimatabende zählen zu unseren Erfolgsgeschichten“, betont Hahlhege. „Dort trifft man sich, dort tauscht man sich aus. Denn in Sachen Verlässlichkeit geht nichts über die persönliche Kommunikation.“ Auch hier will der neue Vorstand im Rahmen des neuen Formats „Der Baas kommt“ verstärkt tätig werden. „Wir wollen den Kontakt zu den einzelnen Tischmitgliedern verbessern, Basisarbeit betreiben“, sagt Hahlhege. Deshalb sucht er nun nach den Heimatabenden sukzessive mit allen Tischgemeinschaften das Gespräch. „Dabei kann jeder Anregungen einbringen oder auch mal meckern, wenn ihm im Verein etwas nicht passt.“ Damit wird der neue Baas, privat ein begeisterter Golfspieler, allerdings eine Menge zu tun haben: Die Jonges bestehen aus 53 unterschiedlich großen Tischgemeinschaften, also Untervereinen, die im Hauptverein aktiv mitarbeiten, sich zuweilen privat treffen, aber auch Aktionen anstoßen. Schließlich haben sich die Jonges dem Erhalt des Stadtbildes genauso verschrieben wie der Unterstützung aller, die Hilfe brauchen. „Ohne Ehrenamt geht es in keiner Gesellschaft – ob im Sport, in der Kultur oder im Sozialen – nichts würde funktionieren“, sagt Hahlhege auch mit Blick auf seine Frau Birgit, die sich für die Integration Geflüchteter in der Stadt engagiert. „Sie hat sofort Ja gesagt, als ich sie gefragt habe, ob sie hinter meiner Kandidatur zum Baas steht“, sagt er. „Auch unsere drei erwachsenen Kinder fanden die Idee von Anfang an gut“, sagt Hahlhege. Er hat nun weit mehr zu tun als vorher, allein schon durch den Besuch der zahlreichen Veranstaltungen, bei denen sein Kommen erwartet wird. „Wenn man eine Aufgabe übernimmt, muss man mit dem Herzen dabei sein und auch bleiben“, sagt Hahlhege. Und das gilt für den Verein wie für das Haus der Jonges. Denn das Gebäude, in dem vor langer Zeit der Großvater und der Onkel Heinrich Heines gewohnt haben und bei dem nicht nur die Installationen in die Jahre gekommen sind, müssen die Jonges sanieren. Und dann steht ja noch – neben vielen weiteren Aufgaben – in zwei Jahren der 95. Geburtstag der Düsseldorfer Jonges an: „Mit der Organisation der Feier beginnen wir schon jetzt.
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