Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Vor 20 Jahren wurde der Verein 701 mit einer ambitionierten Vision gegründet: Junge Künstler zu fördern.
Ein 20. Geburtstag, bei dem es sich lohnt, Rückschau zu halten und sich an den denkwürdigen Moment zu erinnern, der zur Gründung des Vereins 701 führte. Die Plattform für junge Kunst wurde mit einer kühnen Idee geboren. Ihren Ursprung hatte sie in New York. Eine Gruppe Düsseldorfer Sportler und Kunstfans spurtete im Jahr 2000 beim Marathon durch Chelsea und war nach getaner Arbeit begeistert von dem aufstrebenden Galerienviertel. Stolz verwies man dort auf 2.000 Künstler in der Nachbarschaft. Etwa so viele, da waren sich die selbstbewussten deutschen Läufer sicher, müssten auch in ihrer Heimatstadt leben. Wie schön wäre es doch, würde man ihnen den Weg in ein eigenes Kunst-Areal bahnen, ihnen bezahlbare Ateliers zur Verfügung stellen und dafür sorgen, ihre Schöpfungen bei Ausstellungen einem größeren Publikum zu präsentieren.
Die Vision „Little Chelsea in Düsseldorf“ wurde in der Szene leidenschaftlich diskutiert und tatkräftig vorangetrieben. Unter den Initiatoren waren Künstler wie Günther Uecker, Andreas Gursky, Gotthard Graubner, Jörg Immendorff, Markus Lüpertz. Passionierte Sammler gehörten dazu, Kunstberater Helge Achenbach, Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik wie der ehemalige Oberbürgermeister Joachim Erwin. Jürgen Büssow, ehemals Regierungspräsident, heute Ehrenvorsitzender bei 701, blickte nun bei seiner Rede zum 20. Geburtstag des Vereins auf dessen Anfangsphase zurück: „Wir steckten viel Energie in das Projekt, brauchten aber Mitstreiter und Sponsoren. Um engagierte Unterstützer zu gewinnen, gründeten wir 2005 einen Verein.“

Der Name 701, zunächst nur als Arbeitstitel gedacht und dann dauerhaft etabliert, symbolisierte die damit verbundene Vision: „Wir wählten ihn nach der Rheinbahnlinie, die von Nord nach Süd die Stadt durchquert“, erklärte Büssow. „Das passte zu unserem Ziel, die Kunst durch die ganze Stadt zu tragen.“ Einen festen Standort für das Projekt zu finden, war nicht leicht. Manches wurde angedacht und wieder verworfen, weil es sich nicht realisieren ließ. Also machte man aus der Not eine Tugend und organisierte Ausstellungen an ungewöhnlichen Orten. Hauptsache, die jungen Künstler, darunter viele Absolventen der Kunstakademie, bekamen die erwünschte Öffentlichkeit und damit die Chance, ihre Werke auch verkaufen zu können. Dr. Michael Leistikow, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Vereins, erinnerte beim Jubiläumsempfang an spektakuläre Veranstaltungen im Franziskanerkloster, im einstigen amerikanischen Generalkonsulat, in der Stadtkämmerei und im Apollo-Turm an der Kö: „Diese Hotspots wurden stark frequentiert und zum Markenzeichen von 701.“
Die Bilanz nach 20 Jahren ist mit 50 kleineren und größeren Ausstellungen, allesamt kuratiert und dokumentiert, beeindruckend. „Ergänzt wurde unser facettenreiches Programm durch Atelierbesuche, Vorträge, Gesprächsrunden, Bildungsreisen und Filmabende“, listet Geschäftsführerin Heike Sturm auf. „Dabei entstanden spannende Einblicke in gesellschaftsrelevante und kulturpolitische Themenbereiche.“
Zum Geburtstag freute man sich über ein aufgefrischtes Logo in den Farben Pink und Rot sowie den neuen senkrecht stehenden Schriftzug „junge Kunst“, denn um diese geht es ja. Für diese Geschenke sorgte Kunstexpertin Dorothee von Posadowsky, Leiterin der Eon Art Collection und Vorstandsmitglied bei 701. Zur Vereinsspitze gehören außerdem Dr. Astrid Legge von der Kunstsammlung Provinzial Rheinland Versicherung, PR-Profi und Agentur-Inhaberin Alexandra Iwan, Detmar Westhoff, Kunsthistoriker und Betreiber einer Ausstellungs-Agentur mit Reichweite bis nach Asien, Rechtsanwalt Dr. Axel Zitzmann, der geschäftsführende Direktor bei JLL Germany Marcel Abel und der Gastronom Selim Varol, der als „umtriebiger Düsseldorfer“ im vorigen Jahr seine Sammlung zur Subkultur im NRW-Forum präsentierte und bereits neue Pläne schmiedet.
Momentan hat der Kunstverein 170 Mitglieder, weitere sind willkommen, um die Basis zu erweitern. Ebenso wie interessierte Ehrenamtler, die bei der Umsetzung von Förderprojekten mitarbeiten. Einiges in diesem ambitionierten Sektor wurde bereits umgesetzt: eine Verkaufsausstellung zugunsten junger Künstler und Künstlerinnen (2023), die Einrichtung eines Atelierhauses in Reisholz (2023), eine Benefiz-Auktion in Kooperation mit Christie’s (2021), die Vergabe eines Kunstförderpreises in Höhe von 5.000 Euro (2021).
„Bisher konnten wir 350 Künstler fördern und unmittelbar unterstützen“, berichtet Michael Leistikow. „Denn eines ist klar auf dem Kunstmarkt – öffentliche Aufmerksamkeit entscheidet über ihren Erfolg.“

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