Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Die ManufakTOUR ist ein beliebter Anziehungspunkt für alle, die hochwertiges Kunsthandwerk zu schätzen wissen.
Origineller Schmuck, maßgeschneiderte Couture, aufsehenerregende Hüte, ausgefallene Taschen und Accessoires, extravagante Keramik und noch vieles mehr: Bei der ManufakTOUR präsentiert sich die ganze Bandbreite handgemachten Designs aus hochwertigen Materialien. Die aus einer privaten Initiative heraus entstandene Aktion bietet nicht nur vom 9. bis 11. Mai Gelegenheit, Düsseldorfer Kreativen über die Schulter zu schauen. Darüber hinaus lassen sich dabei ganz nebenbei versteckte Orte und malerische Hinterhöfe entdecken – eine Möglichkeit auch, die Stadt ein Stück weit von einer unbekannten Seite kennenzulernen.

Die Idee zu dieser offenen, innovative Unikate präsentierenden Werkschau stammt von den Schmuckkünstlerinnen und Objektdesignerinnen Beru Inou, Regina Maresch und Yiqing Cai aus dem Atelier DREI. Sie entstand 2021, als die Kontaktbeschränkungen ihnen und ihren Kollegen das Leben erschwerten. „Nachdem verschiedene Formate in dieser Zeit bereits verschwunden waren, wollten wir etwas entwickeln, das möglichst vielen Kunsthandwerkern in der Stadt wieder zu Sichtbarkeit verhilft“, sagt Regina Maresch. Die Auswahl haben die drei Frauen, die sich das Atelier DREI an der Schlossstraße teilen, nun schon zum vierten Mal sorgsam kuratiert. Junge Labels, etablierte Ateliers und traditionsreiche Werkstätten sind gleichermaßen dabei, und dieses Jahr haben sie erstmals eine Steinmetzin für die ManufakTOUR gewonnen. Die Voraussetzung zum Mitmachen: Die Teilnehmer müssen professionelle Kunsthandwerker und aus Düsseldorf sein.

Zu finden sind diese in der ganzen Stadt. Und: Auch Kunsthandwerker, die hier keine repräsentable Werkstatt haben, können sich beteiligen, indem sie mit ihren Arbeiten bei anderen zu Gast sind. Da es bei der ManufakTOUR allerdings nicht nur ums Anschauen und Kaufen geht, sondern auch darum, sich inspirieren zu lassen, werden flankierend Workshops und Vorträge geboten. „Wir wollen zeigen, was es bedeutet, ein Handwerk auszuüben, wir möchten damit die Wertschätzung für diese Arbeit und auch das Wissen um alte Techniken erhalten“, sagt Yiqing Cai. Wo was angeboten wird, ist auf der Rückseite des eigenen ManufakTOUR-Stadtplans nachzulesen. Und dieser wiederum ist in eine liebevoll aufgemachte, hochwertige Broschüre integriert, die zu jeder Adresse Wissenswertes berichtet.
„Wir wollten etwas entwickeln, das möglichst vielen Kunsthandwerkern wieder zu Sichtbarkeit verhilft.“
Regina Maresch
Der Erfolg gibt Beru Inou, Regina Maresch und Yiqing Cai Recht: Was 2022 mit 29 Ateliers und 72 Teilnehmern begann, ist kontinuierlich gewachsen: Im Mai öffnen nun 56 Standorte mit mehr als 90 Teilnehmern. Mittlerweile haben sie zudem einen gemeinnützigen Verein gegründet, um das Ganze weiterzuentwickeln. Und nicht nur das. „Wir werden sogar in der Literatur erwähnt“, sagt Yiqing Cai. So findet man einen Eintrag über die ManufakTOUR beispielsweise in „Reclams Städteführer Düsseldorf Architektur und Kunst“.
Das Konzept der ManufakTOUR erinnert nicht von ungefähr an die „Kunstpunkte“. „Wir haben uns daran orientiert“, sagt Regina Maresch. „Allerdings wollen wir ihnen keine Konkurrenz machen – auch wenn bei unserer ManufakTOUR manchmal die Grenzen zwischen Handwerk und Kunst verschwimmen. Vor allem aber freuen wir uns, dass uns die Stadt unterstützt, unter anderem eine geführte Bustour anbietet, und wir neben Kooperationen mit der Wirtschaftsförderung und dem Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft beispielsweise mit der Handwerkskammer, Düsseldorf Tourismus und der Hochschule Düsseldorf fruchtbar zusammenarbeiten können“, sagt Regina Maresch. „Außerdem“, ergänzt Yiqing Cai, „hatte das Areal Böhler vergangenes Jahr die Idee, einen Pop-up-Markt auf dem Gelände zu veranstalten.“ Und auch dieser war ein voller Erfolg: Rund 3.000 Besucher kamen, sodass für diesen Herbst bereits die nächste Ausgabe in Planung ist.



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