Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Schauspieler Mido Kotaini hat ein bewegtes Leben hinter sich: Im Alter von 14 Jahren floh er alleine aus Syrien nach Deutschland. In Düsseldorf hat er seine neue Heimat gefunden.
Wenn sein Leben anders verlaufen wäre, dann wäre er heute nicht hier, sagt der 22-jährige Mido Kotaini. Hier, das bedeutet am Beginn einer vielversprechenden Karriere: In dem neuen Film „Das Licht“ von Tom Tykwer, der vor Kurzem ins Kino kam, spielt Kotaini eine Nebenrolle. Nach fast zehn Jahren ist es der erste Spielfilm des großen deutschen Regisseurs. „Das Licht“ hat in diesem Jahr die Berlinale eröffnet.
Dass es für Kinovorstellungen, rote Teppiche und Pressetermine wieder durch ganz Deutschland geht, freut Kotaini zwar – „aber ich komme genauso gern wieder nach Düsseldorf“, sagt er. Auch wenn sich für einen aufstrebenden Schauspieler Berlin oder München als Wohnort anbieten würden, möchte er in der Stadt am Rhein bleiben. Hier habe er sich nach langer Zeit wieder zu Hause und sicher gefühlt. Dieses Gefühl bedeute ihm viel, weil es ihm lange verwehrt gewesen sei. Denn: Kotaini ist in Syriens Hauptstadt Damaskus mit seiner Mutter und Schwester aufgewachsen. „Eine sehr schöne Kindheit“, erinnert er sich. Doch dann brach der Krieg aus. Im Alter von 14 Jahren entschieden seine Eltern, ihn nach Deutschland zu schicken. Alleine reiste er in ein fremdes Land und kam zunächst bei seinem Onkel in Düsseldorf unter. Weil er dort auf Dauer nicht bleiben konnte, lebte er zunächst im Kinderheim und danach in einer gemeinnützigen Einrichtung der Graf Recke Stiftung in Düsseldorf. „Eine schwierige Zeit zwischen Heimweh, Zuversicht und Hoffnung“, sagt er. Doch er habe in dieser Zeit seine Persönlichkeit weiterentwickeln können – und seine Leidenschaft zum Theater wiedergefunden. Schon in seiner Kindheit in Syrien sei er Teil des Schultheaters gewesen und wollte es als Hobby noch einmal ausprobieren. Als er in der Schule erzählte, dass er einen Theater-Workshop besuchen will, wurde er belächelt. „Aber das hat mir nichts ausgemacht. Ich wusste ja, wie glücklich es mich macht.“
„Meine Eltern haben immer an mich geglaubt.“
Mido Kotaini
Mido Kotaini mit Jella Haase bei der Premiere von „Chantal im Märchenland“
An die Dreharbeiten zu Tom Tykwers „Das Licht“ erinnert sich Kotaini besonders gern. Nicht nur, weil er von Schauspielern wie Lars Eidinger und Nicolette Krebitz lernen durfte, sondern weil ihm die Geschichte so gut gefallen hat: Der Film handelt von einer syrischen Immigrantin, die als Haushälterin eine zerstrittene Familie wieder zusammenbringt. Familie, Beziehungen, Integration – all das sind Themen, mit denen sich Kotaini auch selbst beschäftigt und sie auf einer anderen Ebene nachvollziehen kann. Die Rolle war herausfordernd, sogar Tauchen musste er lernen. Paradoxerweise hat er aber in dieser Zeit gelernt, wie wichtig es ist, lässig zu bleiben. „Diese Erkenntnis hat mir sehr viel gebracht.“ Ob er als syrischer Geflüchteter Sorge habe, immer nur auf seine Geschichte reduziert zu werden? Auf gar keinen Fall, sagt er. Ihn freue es, wenn Menschen Interesse an ihm und seiner Herkunft haben. „Ich bin dankbar, dass diese Geschichten überhaupt erzählt werden.“
Seine Eltern hat Kotaini nicht mehr gesehen, seitdem er Syrien verlassen hat. Aber er ruft sie oft an und weiß, dass es ihnen gut geht. Sie verfolgen die Karriere ihres Sohnes aus der Ferne. Auch wenn sie kein Deutsch sprechen, haben sie sich jede Produktion, in der Kotaini mitgewirkt hat, angeschaut. „Meine Eltern haben immer an mich geglaubt, sagt er, „und deswegen werde ich weitermachen.“
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