Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Lutz Heyer ist ein „Bewegungsmensch“. Nachdem ihn unerträgliche Rücken- und Beinschmerzen ausgebremst hatten, konnte er sich nach einer minimalinvasiven Operation einen Traum erfüllen: Er bestieg den Kilimandscharo.
Lutz Heyer ist ein sportlicher Mensch, ein „Bewegungsmensch“, wie sein Physiotherapeut sagt. Zur täglichen Bewegung gehörten stets stramme Spaziergänge, Fahrradfahren – gern auch längere Strecken von mehr als 30 Kilometern – und Tennisspielen. „Ich habe bereits in meiner Jugend Sport getrieben, beispielsweise gern Fußball gespielt“, erinnert er sich. Seine andauernde Fitness verdankt der 67-Jährige einer guten Mischung aus Sport, den Genen und einer gesunden Ernährung. Auch beginnende Rückenprobleme vor einigen Jahren konnten Lutz Heyer weder von sportlichen Aktivitäten noch von abenteuerlichen Urlaubsreisen – diese sind seine große Leidenschaft – abhalten. „Die ersten Symptome der Spinalkanalstenose traten bei mir schon vor einigen Jahren auf, ich hatte immer mal wieder Rückenschmerzen beim Gehen“, erinnert er sich an diese Zeit.
Die Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule, eine Verengung des Wirbelkanals, tritt in der Regel etwa ab dem 65. Lebensjahr vermehrt auf, und zwar bei Frauen und Männern gleichermaßen. Lediglich in Einzelfällen können zwar auch jüngere Menschen betroffen sein, aber insbesondere durch altersbedingten Verschleiß, beispielsweise eine Arthrose der kleinen Wirbelgelenke, werden die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern flacher und breiter. Dadurch sind die Bänder, die die kleinen Gelenke der einzelnen Wirbel stützen, nicht mehr so straff gespannt – es kommt zu einer Einengung des Spinalkanals, manchmal bis auf wenige Millimeter. Das führt zu teils unerträglichen Rücken- und Beinschmerzen.

Geholfen hätten ihm damals, erzählt Heyer, regelmäßige Physiotherapie und gelegentliche Spritzen durch einen niedergelassenen, auf die Behandlung von Spinalkanalstenose spezialisierten Neurochirurgen. An einen operativen Eingriff hatte er jahrelang nicht gedacht, bis er im Herbst 2022 wiederholt unter – zunächst leichten – Rückenschmerzen litt. Mithilfe von Schmerzmitteln spielte er dennoch weiterhin Tennis, unternahm Fahrradtouren und reiste nach Südamerika und Malaysia. Als die Schmerzen jedoch im Laufe des Jahres immer schlimmer wurden, er kaum noch gehen konnte, und auch Schmerzmittel nicht mehr halfen, wurde Lutz Heyer nach einem MRT klar, dass eine Operation unausweichlich war – und er vereinbarte einen Termin bei PD Dr. Jörg Herdmann, Chefarzt der Klinik Wirbelsäule & Schmerz am Düsseldorfer St. Vinzenz-Krankenhaus. Der Experte ist auf den mikrochirurgischen Eingriff zur Erweiterung (Dekompression) des Spinalkanals seit mehr als 20 Jahren spezialisiert und führt in Düsseldorf die meisten dieser Operationen durch. „Die Spinalkanalstenose ist die häufigste Wirbelsäulenerkrankung, die ich in meiner Sprechstunde sehe“, erklärt er.
Betroffene wie der heute 67-jährige Lutz Heyer könnten oftmals kaum noch gehen oder stehen, litten unter Kribbeln und Taubheitsgefühlen in den Beinen. „Stehenbleiben, sich hinsetzen oder sich nach vorne beugen führen meist zu Besserung, so lange, bis man wieder läuft oder steht“, erklärt Prof. Jörg Herdmann – in Düsseldorf auch bekannt als „Mr. Spinalkanalstenose“. Die typischen Beschwerden, eine neurologische Untersuchung sowie eine Röntgenuntersuchung zusammen mit einer Kernspintomografie (MRT) der Lendenwirbelsäule führen zur Diagnose. Je nachdem, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist, wird zunächst konservativ therapiert. So können Spritzen mit etwas Schmerzmittel und einem abschwellenden Cortison direkt in den Wirbelkanal verabreicht, die Schmerzen für eine Weile lindern. „Den Betroffenen verschaffen diese Spritzen Zeit, bis ein operativer Eingriff unumgänglich wird“, erklärt Prof. Herdmann.
„Mein Ziel war es immer, mit 70 Jahren in 70 Ländern gewesen zu sein, es fehlen mir noch zehn.“
Lutz Heyer
Bei der unter Vollnarkose durchgeführten Operation werden Wucherungen an den Wirbelgelenken, Teile des Wirbelbogens und verdickte Bandstrukturen abgetragen. Unter dem Operationsmikroskop werden die einengenden Strukturen identifiziert und mit feinen Instrumenten entfernt, bis wieder genügend Platz für die Nerven vorhanden ist. Bei Lutz Heyer führte Prof. Herdmann diese Operation am 10. Januar 2024 durch. Ab Weihnachten, sagt Heyer, seien seine Schmerzen so stark gewesen, dass er die Tage bis zur Operation ungeduldig heruntergezählt habe. Bis auf den Wundschmerz, gegen den er Medikamente bekommen habe, sei es ihm direkt nach der Operation gut gegangen, erzählt er. „Die Patienten können bereits am Tag der OP aufstehen, nach zwei bis maximal fünf Nächten verlassen sie in der Regel das Krankenhaus. Etwa sechs bis acht Wochen lang sollten sie sich dann noch körperlich schonen, wobei sie sich aber möglichst normal im Alltag bewegen sollten“, erklärt Prof. Herdmann.
Die neuntägige Wanderung führte den 67-Jährigen auch durch den Regenwald.
Lutz Heyer hat nach dieser Schonzeit sofort begonnen, an der Verwirklichung seines Traums zu arbeiten. Er wollte den 5.895 Meter hohen Kilimandscharo in Tansania, den höchsten Gipfel Afrikas, besteigen. Und nach einer neuntägigen Wanderung erreichte er – nur 271 Tage nach der Operation – den Gipfel, das „Dach Afrikas“. Der beeindruckende Aufstieg über den „Northern Circuit“ führte ihn durch den tropischen Bergregenwald, die Moorlandzone und die Steinwüste über die Eis- und Gletscherzone bis hin zum eis- und schneebedeckten Gipfel. „Leider lässt sich auch hier der Klimawandel beobachten, denn die Jahrtausende alten Eismassen schmelzen zunehmend ab. In einigen Jahren wird der Kilimandscharo eisfrei sein, was auch dramatische Auswirkungen auf das Leben am Fuße des Bergs haben wird“, bedauert Lutz Heyer. Er ist sehr dankbar, dass er diese besondere Reise antreten durfte – die Operation, sagt er, sei genau die richtige Entscheidung gewesen, er habe keinerlei Probleme und könne endlich wieder schmerzfrei Sport treiben und eben reisen. „Mein Ziel war es immer, mit 70 Jahren in 70 Ländern gewesen zu sein, es fehlen mir noch zehn – das ist zu schaffen.“
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