Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Haarausfall bei Frauen kann verschiedene Ursachen haben und äußert sich anders als bei Männern. Es gibt eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten – von Medikamenten über minimalinvasive Behandlungen bis hin zur Haartransplantation.
Dass Männer, die unter ihren Geheimratsecken, kahlen Stellen oder gar einer Halbglatze leiden, immer häufiger bereit sind, dagegen etwas zu unternehmen und sich einer Haartransplantation zu unterziehen, ist längst kein Geheimnis mehr. Spätestens nachdem sich Deutschlands bekanntester Fußballtrainer Jürgen Klopp vor rund zehn Jahren öffentlich zu seiner Haartransplantation bekannte, ist ein regelrechter Boom entstanden. Aber nicht nur Männer leiden unter Haarausfall, auch etwa 40 Prozent der Frauen kämpfen irgendwann im Leben damit – und der Leidensdruck ist dann oft so groß, dass sie sich für eine Therapie entscheiden.

Nora Wroblewski ist seit rund einem Jahrzehnt in der Dermatologie tätig, seit dreieinhalb Jahren arbeitet sie in der Gemeinschaftspraxis Hautärzte Düsseldorf. Ästhetische Behandlungen sowie Haar- und Kopfhauterkrankungen gehören zu ihrem Fachgebiet, ihre Patientinnen sind Teenager genauso wie ältere Frauen, die das 80. Lebensjahr bereits überschritten haben. Typische Merkmale bei Frauen sind immer dünner und feiner werdende Haare, sodass die Kopfhaut durchschimmert oder aber Haarausfall auf der Kopfmitte, also rund um den Mittelscheitel. „Haarausfall kann unterschiedliche Gründe haben, die häufigste Ursache ist die androgenetische Alopezie, also erblich bedingter Haarausfall. Bei jüngeren Frauen kann die Abnahme der Haardichte auch durch eine hormonelle Störung wie beispielsweise das Polyzystische Ovar Syndrom (PCOS) bedingt sein. Hier kommt es unter anderem zu einer übermäßigen Produktion von Androgenen, weswegen bei Haarausfall eine gründliche Abklärung möglicher Ursachen bei einem Facharzt sinnvoll ist“, erklärt die Expertin.
Kreisrunde kahle Stellen am Kopf (Alopecia areata) treten gehäuft bei Menschen mit Neurodermitis, Allergien oder Autoimmunerkrankungen auf. Und wenn das Haar plötzlich rasch ausdünnt, es also zu sogenanntem diffusem Haarausfall kommt, können hormonelle Umstellungen, bedingt durch Schwangerschaft oder Wechseljahre, oder auch eine Medikamentenumstellung sowie Eisen- oder Zinkmangel die Ursache sein. Auch Kopfhauterkrankungen wie Entzündungen können Haarausfall hervorrufen.

Um die richtige Diagnose stellen zu können, stehen der Dermatologin verschiedene Methoden zur Verfügung. So werden die Haare unter der Lupe genau angeschaut, und ein Zupftest zeigt, ob sie sich schnell lösen. Mithilfe eines sogenannten Trichogramms werden die Haarwurzeln untersucht. „Für ein Trichogramm werden 50 bis 100 Haare ausgezupft und unter dem Mikroskop untersucht – so lässt sich der aktuelle Haarwurzelstatus bestimmen und herausfinden, ob tatsächlich vermehrt Haare in der Ausfallphase sind“, erklärt Nora Wroblewski. Die Möglichkeiten, dem Haarausfall entgegenzuwirken, sind vielfältig und reichen von einer medikamentösen Behandlung zur Erhaltung des Ist-Zustands über minimalinvasive Therapiemöglichkeiten, um das Haarwachstum anzuregen, bis hin zur Haarpigmentierung und Haartransplantation, für die dann eine Chirurgin oder ein Chirurg zuständig ist.

Dr. Martin Lappe ist Facharzt für Chirurgie und an der Fachklinik Kö-Hair in Düsseldorf tätig. Seine Schwerpunkte liegen seit mehr als einem Jahrzehnt auf der Haarverdichtung und Haartransplantation. Grundsätzlich rät Dr. Lappe betroffenen Frauen, zunächst einmal beim Frauenarzt sowie beim Hautarzt abklären zu lassen, ob möglicherweise eine Erkrankung vorliegt.
Ist dies alles nicht der Fall, empfiehlt der Experte, dem Haarausfall zunächst einmal mit einem Medikament zu begegnen – zu einer Haartransplantation rät er, wie die Dermatologin, erst dann, wenn vorher bereits andere Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft wurden. Beide Experten empfehlen den Wirkstoff Minoxidil, der sich bei genetisch bedingtem Haarausfall als wirksam erwiesen hat. Minoxidil ist eigentlich ein blutdrucksenkender Wirkstoff, dessen äußerliche Anwendung aber laut wissenschaftlicher Studien die Abnahme der Haardichte stoppt und wieder vermehrt Haare in die Wachstumsphase überführt. Der Nachteil sei, so Dr. Lappe, dass die Frauen sich mit dem Mittel „verheiraten“ müssten, denn sobald es nicht mehr genutzt werde, käme der Haarausfall wieder.
Darüber hinaus gibt es verschiedene minimalinvasive Therapiemöglichkeiten. Dazu gehört beispielsweise die Behandlung mit Eigenblut, die sogenannte PRP-Therapie, die sowohl in der Gemeinschaftspraxis Hautärzte Düsseldorf als auch in der Kö-Hair Fachklinik durchgeführt werden. PRP steht für Platelet Rich Plasma und bezeichnet das plättchenreiche Plasma des eigenen Bluts. „Es handelt sich um eine natürliche Therapie zur Zellregeneration, die das Haarwachstum fördert. Sie sollte etwa dreimal jährlich durchgeführt werden“, erklärt Dr. Lappe. „Diese Behandlung bringt viel, sie hält den Haarausfall nicht nur auf, sondern soll zur Vermehrung der Haare führen“, ergänzt Dermatologin Wroblewski. Eine weitere Injektionsbehandlung, ähnlich der mit Eigenblut, ist die Mesotherapie. Hierbei werden verschiedene Wirkstoffe – Nährstoffe und Vitamine – direkt in die Haut injiziert. Sie sollen helfen, Gewebe und Haarwurzeln zu revitalisieren und zu regenerieren.
Darüber hinaus raten beide Experten zu einer ausgewogenen Ernährung, um Haarausfall vorzubeugen. Eine weitere schonende, von der Kö-Hair Klinik angebotene Methode, um Haarausfall zu kaschieren, ist die Haarpigmentierung. Ähnlich einer Tätowierung werden feine Farbpigmente in die Kopfhaut gesetzt – so entsteht der Eindruck von vollem, dicht wachsendem Haar. „Der Vorteil der Behandlung ist, dass die Farbpigmente im Lauf der Jahre verblassen. Da sich die natürliche Haarfarbe verändert, je älter man wird, können die Farbpigmente immer wieder neu an die veränderte Haarsituation angepasst werden“, erklärt Dr. Lappe.
Wenn Betroffene sich eine möglichst dauerhafte Lösung für ihren Haarausfall wünschen und alle zuvor genannten Methoden nicht den erhofften Erfolg bringen, besteht die Möglichkeit einer Haartransplantation. Dr. Lappe rät, sich stets für eine renommierte Klinik und erfahrene Ärztinnen oder Ärzte zu entscheiden. Zudem hält er eine ausführliche vorherige Beratung und das Abwägen aller Vor- und Nachteile sowie möglicher Risiken für unabdingbar.
Er führt zudem vor jeder Transplantation eine Probe-OP durch, um zu sehen, wie gut – oder weniger gut – die Anwachsrate ist. Insbesondere bei Frauen ist eine Haartransplantation nach der FUT-Methode empfehlenswert. Hierbei wird ein feiner Hautstreifen vom dicht bewachsenen Hinterkopf entnommen und aus diesem die einzelnen Grafts (Graft entspricht 1-6 Haaren mit Haarwurzel) gewonnen, die zur Verdichtung an die lichten Haarpartien verpflanzt werden. Der Vorteil ist, dass die Haare nicht rasiert werden müssen und in ihrer vollen Länge erhalten bleiben. Zurück bleibt nur eine kaum sichtbare Narbe am Hinterkopf, die durch die Haare verdeckt wird. „Es muss lediglich etwa eine Woche lang mit einem leicht ziehenden Schmerz gerechnet werden“, erläutert Dr. Lappe. Die Kosten für eine solche Haar-OP liegen etwa im mittleren vierstelligen Eurobereich. Die Heilung verläuft übrigens in der Regel sehr gut, schwerwiegende medizinische Komplikationen treten, wenn überhaupt, nur sehr selten auf.
Da es sich bei Haarausfall um eine „Lifestyle-Erkrankung“ handelt, werden die Kosten für die möglichen Therapien allerdings von den Krankenkassen nicht übernommen.
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