Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Eine sehr exklusive Adresse für ein Tässchen Tee ist sicherlich der Breidenbacher Hof: Der Modeschöpfer Thomas Rath kreierte hier im vergangenen Jahr Scones und Törtchen, die zu ausgewählten Teemischungen des Hotels gereicht wurden. Und mit Martina Rademacher empfängt hier eine Master of Tea in der Lobby Lounge die Gäste, die sich nach einem ausgedehnten Shopping-Trip auf der benachbarten Königsallee hier in tiefen Sesseln und zu leiser Piano-Musik entspannen.

Seit 30 Jahren arbeitet sie bereits in der Gastronomie: Auf den Tee kam sie erst, als sie im Breidenbacher Hof anfing: „Durch den klassischen Afternoon Tea, den wir anbieten, wird Tee hier ganz anders zelebriert, man nimmt sich Zeit dafür, das hat mir von Anfang an gefallen. Und dann habe ich mich immer weiter eingelesen, war auch einmal in Sri Lanka und habe mir die Tee-Ernte vor Ort angeschaut – da versteht man viel besser, was hinter einer Tasse Tee eigentlich steckt“, erzählt Martina Rademacher.

Der „High Tea“ soll hier weniger an britische Gemütlichkeit erinnern, als an Top-Adressen in New York oder München anknüpfen. „Mit Tee ist es ein bisschen wie mit Wein: Sie stammen botanisch alle von der gleichen Pflanze – aber je nachdem, wo sie wächst, wie sie geerntet und verarbeitet wird, entsteht ein völlig anderer Geschmack“, sagt Martina Rademacher.
Ein weißer Tee sei etwas ganz Besonderes: „Das sind ganz zarte Blätter. Sie geben dem Tee einen Aprikosengeschmack. Darjeeling-Tees, sagt man, sind die Champagner unter den Tees. Dann gibt es zum Beispiel Earl Grey, der mit Bergamotte, einer Zitrusfrucht, aromatisiert ist.“ Zu trinken gibt es im Breidenbacher Hof zum Afternoon Tea allerdings nicht nur Heißes in edlen Porzellantassen, sondern auch Prickelndes im Glas – den Champagner empfiehlt Martina Rademacher vor allem zu einem Stück Käsekuchen „mit Suchtpotenzial“.

Sehr britisch geht es an jedem ersten Samstag im Monat im Dolcinella in Flingern zu. Dort backt Diana Struck dann Scones und belegt Sandwiches – „ganz klassisch, wie man es von der englischen Teatime kennt“, erzählt sie. Begonnen hat die britische Tradition im Dolcinella bereits 2010: Damals bauten sie und ihre Geschäftspartnerin Fenja Fürer noch ein Buffet auf. „Das hat sich allerdings nicht bewährt – für eine schöne Teatime braucht man Planbarkeit“, sagt Diana Struck.

Deshalb planten sie um: Jeden ersten Samstag im Monat ist nun Teatime, zu der man sich im Vorfeld anmelden muss. „Gerade zum Herbst hin wird das sehr gut angenommen, dann bieten wir auch immer wieder zusätzliche Termine an.“ Auch wer mit einer großen Gruppe gerne mal bei Tee und Scones zusammensitzen möchte, kann sich melden, dann schaut Diana Struck nach einem eigenen Termin. „Teatime ist noch immer überwiegend weiblich, aber es melden sich auch Familien und Paare an“, erzählt sie. Zu den verschiedenen Kuchen, Scones und Sandwiches gibt es Schwarztees aus Beuteln – auch das ist sehr britisch: Losen Tee trinkt man in England eigentlich nur bei den Royals.

Nicht nur Engländer haben eine lange Tee-Tradition – auch in Japan gehört das Teetrinken fest zum Alltag dazu. Es wird feierlich zelebriert, aber auch jedem Gast zur Begrüßung angeboten. Um genau diese japanische Gastlichkeit geht es Akusa Ohashi in seiner Teestube Wakaba im japanischen Viertel: Hinter schlichten Holzmöbeln prangt ein großes schwarz-weißes Gemälde eines großen Vogels an der Wand – ein berühmter japanischer Künstler hat es im laufenden Café-Betrieb gemalt, Ohashi ist sehr stolz darauf.

Er möchte hier eine besondere Atmosphäre kreieren: „Kawai“ nennt er das. Das bedeutet übersetzt nett, freundlich, liebevoll – „eine Stimmung, die man nur als Japaner erzeugen kann“, wie Ohashi sagt. Die Speisekarte ist auf Englisch und Japanisch gehalten, auch kleine Bilder der Getränke sind darauf zu sehen. Besonders beliebt: Matcha Latte oder Cappuccino. Matcha wird in Japan klassisch zu religiösen Zeremonien gereicht, in den vergangenen Jahren hat er weltweit ein ganz anderes Image bekommen: Der gemahlene Grüntee gilt als Superfood. Er steckt auch aufgrund seiner prägnanten grünen Farbe in immer mehr Produkten: Matcha-Kuchen, Süßigkeiten und Getränke kann man im benachbarten japanischen Supermarkt kaufen, vor allem junge Menschen lieben „Matcha Latte“, das Teepulver mit geschäumter Milch. Seine japanischen Gäste nehmen das hin – bestellen aber selbst lieber einen klassischen Sencha-Tee: „Auch für mich ist eine Tasse Tee immer ein Moment, in dem ich zur Ruhe komme“, sagt Akusa Ohashi.
Wer die klassische Teatime stilvoll zu Hause zelebrieren möchte, sollte nicht nur auf hochwertigen Tee und passende Speisen achten, sondern auch auf das richtige Geschirr. „Ein Teeservice besteht in der Regel aus einer Teekanne – idealerweise mit einem passenden Stövchen, um den Tee möglichst lange warm zu halten – sowie aus dünnwandigen Teetassen mit passenden Untertassen, einer Milchkanne und kleinen Tellern“, sagt Manuela Moore vom Lifestyle Store Franzen. „Tischsets, Servietten und frische Blumen sind schöne Details, die dem gedeckten Tisch zusätzlich Farbe verleihen.“
Bei den Tassen sollte man darauf achten, dass sie hochwertig, dünnwandig und nicht zu groß sind: „Durch das filigrane Material kühlt der Tee sonst zu schnell aus, lieber sollte man mehrfach nachgießen“, sagt Manuela Moore. „Der Henkel sollte bequem mit einem oder zwei Fingern zu halten sein und das Berühren der heißen Tasse verhindern.“

Für die Teekanne empfiehlt die Tischkultur-Expertin eine bauchige Form: „Die Teekanne ist das Herzstück der Teatime, bei der ebenfalls Form und Material entscheidend sind. Der Deckel sollte ein kleines Belüftungsloch haben, das für gleichmäßiges Ausgießen sorgt, und fest genug sitzen, um nicht zu verrutschen.“
Ein Stövchen sollte man aber vorsichtig nutzen: „Es hält den Tee länger warm, allerdings ist es nicht für alle Teesorten optimal. Empfindliche Tees wie grüner oder weißer Tee werden beim Nachwärmen schnell bitter. Für diese Sorten empfiehlt es sich oft, lieber kleinere Mengen frisch aufzugießen.“

Natürlich gehört zur perfekten Teatime auch etwas zu essen – das richtet Manuela Moore auf einer dreistöckigen Etagere an: Auf die unterste Ebene kommen dabei herzhafte Häppchen wie Sandwiches, darüber Scones mit Clotted Cream und Marmelade und auf die oberste Ebene Süßspeisen wie kleine Törtchen, Petits Fours, Macarons oder Obstkuchen. „Natürlich ist das abhängig von Anlass oder persönlichem Geschmack“, sagt Manuela Moore. „In der Adventszeit passen etwa Spekulatius, Lebkuchen, Kekse und Dominosteine hervorragend zur Teatime.“
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