Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Der Medienhafen überrascht und fasziniert mit seiner Mischung aus Arbeiten, Wohnen und pulsierendem Nachtleben – unser Spaziergang mit Kunsthistoriker und Galerist Klaus Siepmann wird zu einer kurzweiligen Entdeckungstour.
Der Düsseldorfer Medienhafen zählt zu den beliebtesten Locations der Landeshauptstadt. Hier reihen sich Mode- und Kommunikationsunternehmen an national und international renommierte Architektenbüros, Ateliers namhafter Künstler und Institutionen. Die Düsseldorfer schätzen ihren Hafen sehr als Top-Adresse zum Ausgehen, Feiern und Tanzen. Tagsüber von Mitarbeitern und Touristen frequentiert, pulsiert hier nach Sonnenuntergang das (Party-)Leben. Dafür sorgen zahlreiche angesagte Szenebars, Clubs und Restaurants.
Der Medienhafen gilt bundesweit als gelungenes Beispiel für die Umgestaltung alter Industrie- und Gewerbeflächen hin zu einem attraktiven Dienstleistungsstandort mit Geschichte. Nicht umsonst sind die hier entstandenen exklusiven Wohnungen vor allem bei jungen Leuten heiß begehrt. Wer hier arbeitet und lebt, ist hip und inmitten von Alt und Neu: Zwei Lastenkräne (einst gab es 170 dieser Art), alte Kaimauern, Treppen- und Überreste von Gleis-Anlagen sind Zeitzeugen längst vergangener Tage und stehen unter Denkmalschutz, umgeben von neuen hochmodernen Gebäudekomplexen, architektonischen Highlights und urbanem Flair.
Zum vierten und letzten Mal in diesem Jahr treffen wir uns hier mit Kunsthistoriker und Galerist Klaus Siepmann auf einen Spaziergang der besonderen Art. Heute wollen wir „geheime Orte“ aufsuchen, die viele nicht kennen und die der breiten Öffentlichkeit auch nicht immer zugänglich sind. Aber dafür haben wir heute wieder unseren Experten zur Seite, der uns diese ungewöhnliche, interessante und spannende Tour ermöglicht …
Das Top Magazin war wieder unterwegs mit Klaus Siepmann – diesmal im Düsseldorfer Medienhafen.
Treffpunkt und erste Station ist der Neue Zollhof 1-3. Hier steht wohl das bekannteste Gebäude-Ensemble des Medienhafens: die Gehry-Bauten (1). Als Bauherren fungierten die Philipp Holzmann AG und die Düsseldorfer Werbeagentur Rempen & Partner. Sie konnten für den Gesamtentwurf der drei Bürobauten den in Toronto geborenen Architekten und Designer Frank Owen Gehry gewinnen. Das silberne, reflektierende Gebäude ist der Mittelpunkt des Trios und residiert auf einem 16.000 Quadratmeter großen Platz.
Weiter geht’s zum Zollhof 1, hinauf auf das Dach der Architektenkammer NRW (2). Von hier aus hat man einen fantastischen Blick über weite Teile des Hafens (3 + 4) mit dem Hyatt Regency und der Stadt bis zum Vodafone-Gebäude (5) und der Altstadt (6). Hinter dem Gehry-Bau ragt der Rheinturm hervor. Er wurde zwischen 1979 und 1981 errichtet und ist mit seinem Restaurant und Bistro und mit einer Höhe von 240,5 Metern (und on top mit 40 Muschel- und Parabolantennen) das höchste Bauwerk der Landeshauptstadt. Im Hintergrund ist das Düsseldorfer Stadttor (80 Meter hoch) zu sehen, der ehemalige Sitz der Staatskanzlei und des Ministerpräsidenten des Landes NRW (die Staatskanzlei und das Büro des MP befinden sich heute wieder am Horionplatz 1). Diese Aussicht ist nur mit besonderer Genehmigung zu genießen. Wer sie erleben möchte, sollte einen Spaziergang mit Klaus Siepmann buchen. Allerdings gibt es im Foyer der Architektenkammer regelmäßig wechselnde Ausstellungen. Diese sind für die Öffentlichkeit frei zugänglich.
Auch über Architektur lässt sich bekanntlich streiten. Für die einen ein grober Betonklotz, für die anderen ein brutalistisch minimalistisches Bauwerk der Moderne: das von David Chipperfield entworfene Hochhaus (7) an der Kaistraße 16, bei dem der Sichtbeton als gestalterisches Element dient. In diesem Gebäude befinden sich Büros, Ateliers und Gastronomie. Unter anderem hatte der Maler und Bildhauer Jörg Immendorff (1945 bis 2007) hier über mehrere Jahre in der obersten Etage ein Atelier. Die von ihm stammende überlebensgroße Bronze „Hans Albers“ (gefertigt 1986) vor dem Haus (8), zuerst für den Hans-Albers-Platz in Hamburg konzipiert, wurde auf Wunsch des Künstlers 1997 nach Düsseldorf geholt und auf einen Betonsockel im Medienhafen gestellt.
Wir gehen vor bis zum Rhein und lassen unseren Blick über die gegenüberliegende Seite, auf die Speditionstraße, mit ihren eindrucksvollen Gebäuden schweifen. Wir stehen direkt vor dem Grundstein des Hafens (9), der 1896 seiner Bestimmung übergeben wurde. Hier vereint sich Altes und Neues auf einzigartige Weise: Die denkmalgeschützte „Alte Mälzerei“ (10) (links im Bild) wurde 1897 als Malzfabrik für die Firma Friedrich Küppers gebaut und beherbergt heute Büros mit bis zu sechs Meter hohen Lofts. Daneben befindet sich das „Colorium“ mit 17 Geschossen und einer Höhe von 62 Metern. „Das mit roten Glaspaneelen verkleidete Dach ragt wie eine Kappe oder das Brett eines Sprungturms über die Promenade am Hafenbecken“, erläutert Klaus Siepmann. „Nach Einbruch der Dunkelheit wird das Dachgeschoss von innen beleuchtet und in eine Lichtbox verwandelt.“
Seit 2013 beherbergt das Colorium das Hotel „Innside Düsseldorf Hafen“ sowie die Skylounge und Bar „The View“. Der rote Backstein-Bau (10 + 11), rechts neben dem Hotel Courtyard by Marriott Düsseldorf Hafen, das ehemalige Getreidesilo der Firma Lamers aus dem Jahr 1938, wurde ebenfalls für Büronutzung und Gastronomie umgebaut und steht unter Denkmalschutz. Besonders markant: das aus der Fassade herausragende Relief, das drei Hafenarbeiter mit Getreidesäcken darstellt. Rechts daneben sieht man die sogenannte Villa (10), einst Wohnsitz des Unternehmers Paul Lamers. Sie wurde aufwendig saniert und bietet Raum für Büros und Showrooms.
Das Top Magazin war wieder unterwegs mit Klaus Siepmann – diesmal im Düsseldorfer Medienhafen.
Auf unserem weiteren Weg passieren wir das ehemalige Lagerhaus an der Kaistraße 3 (12), ein freistehender dreigeschossiger Baublock des Architekten Wilhelm Kordt. Es entstand in den Jahren 1898 und 1899 für die Firma de Haen-Carstanjen & Söhne. Heute dient das restaurierte und unter Denkmalschutz stehende Gebäude als Sitz verschiedener Büros und Studios, unter anderem bis 2004 für CNN Deutschland und bis heute für die Dfa Produktionsgesellschaft mb. „Bei all dem Sanierungswahn der Nachkriegszeit hätte man versuchen sollen, mehr alte Bausubstanz zu erhalten – wie es hier glücklicherweise der Fall ist“, lobt der Kunsthistoriker.
Nicht weit entfernt stoßen wir zum Headquarter der weltweit größten Hotelsuchmaschine trivago (13) vor. Der Firmencampus, prominent am Fuße des Hafenbeckens an der Kesselstraße gelegen, besteht aus zwei organisch geformten Gebäuden und großzügigen Freiflächen. Besonders charmant: Auf der begrünten Dachterrasse (14) existiert eine Joggingstrecke, auf der sich die Mitarbeiter fit halten können.
In unmittelbarer Nähe bestaunen wir gleich danach das „The Cradle“ (15) an der Speditionstraße 2, das erste Holzhybrid-Bürogebäude in der Landeshauptstadt. Bei Häusern, die nach dem Cradle to Cradle-Prinzip erbaut werden, sind alle eingesetzten Materialien demontier- und recycelbar. Auch beziehen Gebäude dieser Art ihren Strom- und Energiebedarf ausschließlich aus erneuerbaren Energien – ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. Beim Cradle in Düsseldorf wurden allein 2150 Kubikmeter Holz verarbeitet.
Ein Ausflug in luftige Höhen beschert uns der Besuch des „SIGN!“ (16) an der Speditionstraße 1. „Mit 76 Meter Höhe und 20 Geschossen ist das von Helmut Jahn entworfene SIGN! das höchste Bürogebäude im Hafen“, weiß Klaus Siepmann zu berichten. „Die Stirnseiten des gläsernen Turms sind abgerundet und gehen im Dachbereich in eine gekrümmte Stahl-Glas-Konstruktion über, die das gesamte Dach überspannt.“ Wir dürfen heute mit Erlaubnis der hier residierenden Wirtschaftskanzlei Noerr genau von dieser Dachkonstruktion einen Blick auf die Umgebung werfen. Einfach phänomenal!
Auf unserem Rückweg kommen wir an der riesigen Treppe des Hotels „Hyatt Regency Düsseldorf Hafen“ (17) an der Speditionstraße 19 vorbei, eines der beliebtesten Foto-Motive, wenn es darum geht, etwas, wie es so schön neudeutsch heißt, „stylish“ in Szene zu setzen. Wer sich für Innenarchitektur interessiert, sollte auch die außergewöhnliche Treppe (18) im Restaurant des Hotels gesehen haben …
Von der Außentreppe des Hyatt ist der alte Uhrenturm (19) der Plange Mühle gut sichtbar. 1906 als Weizenmühle errichtet, wurde sie saniert und wird heute als Büro- und Ausstellungsgebäude mit mehr als 20.000 Quadratmeter Mietfläche genutzt. Mit dem Uhrenturm ist der industrielle Charakter der ehemaligen Mühle erhalten geblieben.
Letzte Station an diesem sonnigen, aber kalten Tag ist das Stadttor. „Das 58 Meter hohe Atrium (20) und seine Lage auf dem Südportal des Rheinufertunnels am Eingang zur Innenstadt gaben dem Hochhaus seinen Namen“, erklärt uns Klaus Siepmann. „Auf dem Grundriss eines Parallelogramms erheben sich hier, am Ende der Rheinuferpromenade, zwei Türme die durch drei Attika-Geschosse (21) miteinander verbunden sind.“
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von reCAPTCHA. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen