Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Die Autoren und Freunde Ingo Bott und Arno Strobel haben ihren ersten gemeinsamen Krimi veröffentlicht. Er spielt wie schon manche ihrer vorherigen Romane in der Landeshauptstadt. Ein Streifzug durch Düsseldorf.
Als Autoren gehen Ingo Bott (l.) und Arno Strobel wieder getrennte Wege, aber die Freundschaft zwischen den beiden bleibt.
Den Düsseldorfer Fachanwalt für Strafrecht Ingo Bott und den hauptberuflichen Schriftsteller Arno Strobel verbindet nicht nur die Begeisterung für das Verfassen von Spannungsliteratur. Die beiden, die sich über ihren Verlag kennenlernten, hatten vor einem Jahr die Idee, zusammen einen Roman zu schreiben. Dies lag umso näher, weil sowohl Botts Krimis um den fiktiven Strafverteidiger Anton Pirlo als auch die „Mörderfinder“-Reihe von Strobel um den Fallanalytiker und Privatermittler Max Bischoff in der Landeshauptstadt spielen. Das Ergebnis, „Gegenspieler“ – „eine Verbeugung vor Düsseldorf“, wie Bott sagt, – führte nun die beiden vor Kurzem nicht nur auf eine Lesereise quer durch Deutschland, sondern auch ins hiesige Rathaus. Während eines Empfangs bei Oberbürgermeister Stephan Keller durften sie ihren Roman im Jan-Wellem-Saal vorstellen.
Im Anschluss ging es für uns – also die beiden Schriftsteller, den Fotografen und die Autorin dieses Artikels – auf eine kleine Fotosafari zu einigen Schauplätzen des temporeichen Krimis: Breidenbacher Hof, Königsallee, Fortuna-Büdchen. „In Gegenspieler haben wir uns mit unseren Figuren quer durch die Stadt treiben lassen“, sagt Strobel, der Düsseldorf schon lange schätzt, hier viel für seine Bücher recherchiert hat und die Stadt oft besucht – in jüngerer Zeit sehr gerne auch privat. Denn Ingo Bott und Arno Strobel sind seit drei Jahren gute Freunde. „Es gibt Leute“, sagt Bott, „die trifft man und weiß einfach, dass es passt. In einem gewissen Alter ist das ein ganz besonderes Glück“, betont der Anwalt, der im vergangenen Jahr seinen 40. Geburtstag und das fünfjährige Bestehen seiner Kanzlei „Plan A“ feierte. Unter den Gästen natürlich auch Vielschreiber Strobel.
Anders als die beiden Autoren können sich allerdings ihre Protagonisten im Buch anfangs überhaupt nicht leiden. Doch das gibt sich, je länger sie gemeinsam zu Mordfällen im Zusammenhang mit den im Roman „TaxEx“ genannten umstrittenen Steuersparmodellen ermitteln. Die Vorlage hierzu: der Cum-Ex-Skandal. „In Gegenspieler wollten wir über ein aktuelles wirtschaftspolitisches Thema schreiben. Der Cum-Ex-Skandal war die Schnittmenge, über die wir unsere Hauptfiguren zusammenführen konnten“, sagt Strobel. Zudem ist Bott, der seit zwölf Jahren in Düsseldorf lebt, beruflich mit dem Thema vertraut. Er hat einen Londoner Fondsmanager bei dem Fall, bei dem sich Investoren die Kapitalertragssteuer für Dividenden erstatten ließen, die es gar nicht gab, verteidigt.
Realität und Fiktion sind in Gegenspieler also ein wenig verwoben, und das gilt in gewisser Hinsicht auch für die Autoren und ihre Protagonisten. So teilen sich äußerlich der dunkelhaarige, bärtige Bott, der auch auf eine Ehrenprofessur für Strafrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Compliance an der Univesidad Tecnológica del Perú stolz ist, und sein Anton Pirlo einige Merkmale. „Pirlo ist gerade am Anfang der Reihe, als ich als Anwalt wegen der Berichterstattung über meine Fälle noch viel bekannter war denn als Schriftsteller, stark an mir angelehnt – inklusive Klischees, die es über mich gibt. Dabei war und ist Pirlo natürlich, genau wie Sophie Mahler, die zweite Protagonistin der Reihe, trotzdem eine fiktive Romanfigur. Während Pirlo immer wieder in seinen Anarcho-Charme abgleitet, ist Sophie ehrgeizig, diszipliniert und genau. Aus der Kombination folgt dann das, was auch im wahren Leben einen guten Strafverteidiger ausmacht“, sagt Ingo Bott. Und in Bischoff steckt auch einiges von Arno Strobel. „Bischoff und ich teilen viele Wertvorstellungen, deshalb ist er mir als Protagonist meiner Romane nahe“, sagt der bald 36-fache 62-jährige Bestsellerautor.
Wie Bott kam auch er erst relativ spät zur Schriftstellerei, gab dafür dann aber seinen Job als IT-Unternehmensberater auf und veröffentlicht als freiberuflicher Schriftsteller seit 2014 in der Regel zwei Bücher pro Jahr, in diesem – wegen „Gegenspieler“ – zweieinhalb. Sogar im Urlaub arbeitet Strobel an seinen Thrillern, weil es ihm so viel Freude macht, und nachts um zwei, drei Uhr, wenn er eine düstere Szene erzeugen will, legt er sich zuweilen Wagner dazu auf. Auch für Bott ist das Schreiben an seinen Romanen Teil seines Alltags. Er schreibt daran, wenn er mit dem Zug unterwegs ist – und der Anwalt, der sich unter vielem anderem auch bei einem Fall von Kindesentzug und beim Loveparade-Prozess einen Namen gemacht hat, ist viel unterwegs, um seine Mandanten zu besuchen.
Für Gegenspieler mussten sich Strobel und Bott jedoch ein wenig anders als gewohnt strukturieren. Nachdem sie den Plot bei langen gemeinsamen Spaziergängen am Wohnort Strobels nahe Trier festgelegt und das Ganze in eine Excel-Liste übertragen hatten, schickten sie sich wechselseitig die fertigen Kapitel zu. „Ich konnte es kaum erwarten, Arnos Text zu lesen und meinen Teil zu schreiben“, sagt Bott. Strobel erging es ähnlich. Zum Schluss trafen sich die beiden dann noch einmal – wie bei unserer Fotosafari durch die Stadt – in Botts Kanzlei, um in einem 15-stündigen Arbeitsmarathon das ganze Buch komplett zu lesen und die Details abzuklopfen. Die Mühe, oder besser, der damit verbundene Spaß, hat sich gelohnt. Gut eine Woche nach seinem Erscheinen erlebte das Buch nicht nur seine dritte Auflage: Es hatte es auch schon auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft.
Im Februar und im März kommen übrigens bereits die nächsten Bücher von Strobel und Bott in den Handel, diesmal aber als Solo für Bischoff beziehungsweise Pirlo. Eine weitere Zusammenarbeit ist aber nicht ausgeschlossen.
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