Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Ein Gespräch mit dem amtierenden Prinzenpaar und dem CC-Präsidenten über die Jubiläums-Session, das Brauchtum und den großen Spaß daran.
Das Prinzenpaar, Prinz Andreas I. und Venetia Evelyn, unter dem Ordenshimmel im Karnevalsmuseum: Der karnevalistische Gruß kommt von Herzen. Prinzenpaare sorgen übrigens seit 1894 für royalen Glanz im Düsseldorfer Karneval.
Die Freude steht ihnen ins Gesicht geschrieben: Prinz Andreas I. (Mauska), Venetia Evelyn (Werner) und Lothar Hörning, der Präsident des Comitee Düsseldorfer Carneval (CC), wollen in dieser Session alles geben, um die Menschen für den Karneval zu begeistern. Schließlich wird 200 Jahre Düsseldorfer Karneval gefeiert, die Latte hängt also hoch. Stolz ist Hörning auf all das, was das CC-Team in kürzester Zeit auf die Beine gestellt hat. Denn nahezu der gesamte Vorstand und damit auch Hörning als Präsident der Dachorganisation des Düsseldorfer Karnevals wurde erst in diesem Jahr neu gewählt.
„Wir hatten nur ein halbes Jahr Zeit, das Thema sichtbar zu machen“, sagt Hörning. Sehr wenig, um das Jubiläum mit besonderen Aktionen zu schmücken. „Unter vielem anderem, das wir organisiert haben, bringen wir Postkarten heraus und nehmen damit getreu unserem Sessionsmotto, ,200 Johr – Hütt on wie et wor‘, Bezug auf eine schöne Tradition“, sagt Hörning. „Denn das offizielle Zugprogramm, das um 1900 verkauft wurde, enthielt auch vier karnevalistische Postkarten zum Heraustrennen und Verschicken.“ Die neuen Grußkarten ziert allerdings zusätzlich ein QR-Code. „Dieser führt zu unserem Gewinnspiel“, sagt Hörning, „und soll auch die jungen Leute abholen.“ Zu gewinnen gibt es ein einmaliges Erlebnis: eine Mitfahrt auf einem Rosenmontagswagen.
Die „Düsseldorfer Allgemeine Carnevals Zeitung“ datiert vom 25. Januar 1893.
Für das Prinzenpaar wird der Rosenmontag mit Sicherheit ein Highlight sein. Aber nicht das einzige. Denn der Terminkalender der beiden ist prall gefüllt: „Ab Mitte Januar brennt die Hütte“, sagt Mauska, dessen langjähriger Traum, einmal Prinz der Landeshauptstadt zu sein, sich nun erfüllt hat. „Wir rechnen mit bis zu 350 Auftritten, am Wochenende werden wir rund um die Uhr unterwegs sein. Allerdings zählen dazu auch unsere Besuche in Krankenhäusern, Seniorenheimen und Kindergärten. Und das werden wahrscheinlich die emotionalsten Empfänge für uns werden. Wir werden viel aus dem Bauch heraus agieren.“ Denn wie seine Venetia, die als international erfolgreiche Koloratursopranistin durch Deutschland und die ganze Welt reist, ist auch Mauska als Präsident der KG Regenbogen es gewohnt, live auf der Bühne zu stehen.
Dennoch: Das stramme Programm der närrischen Oberhäupter ließe sich nicht bewältigen, stünden nicht ihre Familien hinter den beiden. „Das Schönste ist, dass unsere Familien sich auch untereinander verstehen und gegenseitig unterstützen“, sagt die Venetia. „So können wir unsere Auftritte genießen“, ergänzt der Prinz. „Auch die Energie des Applauses, den wir bekommen, wird uns durch unsere Session tragen.“
Während ihrer Regentschaft haben sich die beiden vorgenommen – bester Prinzenpaartradition folgend – Geld für gute Zwecke zu sammeln. Das speist sich aus dem Verkauf der Prinzenpaar-Pins – quasi der Prinzenorden in klein – die bei den Auftritten der Tollitäten verkauft werden, sowie aus Spenden von Karnevalsvereinen, Sponsoren und Stadt. Eine Hälfte geht an den karnevalistischen Nachwuchs, die zweite wird aufgeteilt zwischen dem Ambulanten Kinder- und Jugendhospiz an der Nordstraße, das Mauska mit der KG Regenbogen seit 25 Jahren betreut, und dem Förderverein der Clara-Schumann-Musikschule. „Der Verein fördert Kinder und Jugendliche, die sonst keinen Zugang zu musikalischer Bildung und damit zu einem wichtigen Kulturgut haben“, sagt Evelyn Werner.
Apropos Musik: Die wird eine zentrale Rolle bei ihren Auftritten spielen. Das selbst komponierte Karnevalslied „Düsseldorf Helau!“ haben sie bereits eingesungen. „Wir wollen die Session mit Herz, Humor und Musik gestalten“, sagt Evelyn Werner. „Und wir wollen die Menschen mitreißen, überall die Leichtigkeit und Heiterkeit des Karnevals hinbringen“, ergänzt Mauska. Und das nicht nur analog, sondern auch digital. „Facebook, Instagram, alle neuen Medien werden wir bespielen“, sagt Evelyn Werner. „Wir haben auch schon einige kleine Filme gedreht, die nach und nach herauskommen“, sagt Mauska. „Darüber wird man sprechen, und wir wollen damit auch Nichtkarnevalisten für das Fest der Toleranz und Menschlichkeit, das wir beide von klein auf so sehr lieben, einnehmen.“
Die neuen Postkarten hat das CC mit einem QR-Code versehen – und verbindet so die althergebrachte Form mit moderner Technik.
„An Karneval soll in dieser Session keiner in der Stadt vorbeikommen“, betont auch Hörning. „Und wir wollen ihn weiterentwickeln und die Menschen dafür gewinnen.“ Zu seiner Popularität soll nicht nur das erste gemeinsame Logo mit dem Sessionsmotto, das von allen Karnevalsvereinen gepostet wird und ein Gemeinschaftsgefühl schafft, beitragen, sondern auch der Sampler „Hoppeditz Hitz 2025“. Dass die Hoppeditz-Rede am 11.11. live auf Youtube gestreamt wurde, gehört ebenfalls zur neuen Strategie.
Online gestellt werden auch Interviews mit den Vereinen. Der Narrenspiegel, die offizielle Zeitschrift des CC, ist ohnehin digital erhältlich. Das gilt auch für das liebevoll gestaltete Sonderheft zum Jubiläum des 1825 gegründeten Vereins, mit dem der organisierte Karneval in der Stadt seinen Anfang nahm. „Das ,Hütt‘ in unserem Sessionsmotto ist wunderbar, aber das ,Wie et wor‘ ist ebenfalls super spannend“, sagt Hörning dazu. Das Haus des Karnevals, Geschäftsstelle des CC und Museum zugleich, verbindet beides. „Hier können wir nicht nur die Geschichte des Karnevals sichtbar machen, hier können wir auch zeigen, was wir tun, und die Leute persönlich ansprechen“, erklärt er. Letzterem soll übrigens auch der Jubiläumsauftakt am 11. Januar dienen: Am „Tag des Karnevals“ wird die gesamte Innenstadt von der Ratinger Straße bis zum Carlsplatz ab 12.11 Uhr mit zahlreichen Karnevalbiwaks, buntem närrischem Programm und viel Musik zum Zentrum des rheinischen Winterbrauchtums werden. Und daran wird wohl wirklich keiner vorbeikommen.
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