Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Ali Erdogan, in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, führt heute ein weit verzweigtes Gastronomieunternehmen in vielen deutschen Städten. Allein an der Königsallee zählen vier Cafés und Restaurants zum Familienkonzern. Für die Vermögensverwalter der Commerzbank ein leuchtendes Beispiel für erfolgreiches Unternehmertum.
Mario Peric (l.) schätzt an Ali Erdogan dessen Unternehmergeist und dass der Gastronom in Düsseldorf und vor allem auf der Königsallee sehr gut vernetzt ist. Peric nennt Erdogan, wie viele andere auch, gern scherzhaft den „Königs-Ali“.
Klare, freundliche Augen, ein fester Händedruck und ein offener Blick: Im Interview auf der Außenterrasse des Cafés Leonardo präsentiert sich Ali Erdogan als weltgewandter, zugleich bodenständiger Gesprächspartner, der auch optisch ausstrahlt, ein erfahrener Unternehmer zu sein.
Die Liste seiner Unternehmen verrät: Das ist ein Großer im Gastronomiegewerbe. Auf der Kö zählen neben dem La Passione und dem Alice Premium Döner das Café Leonardo sowie das Restaurant Buongiorno zum Imperium. Das Gran Caffe Tiamo im Kino am Hauptbahnhof gehört ebenso dazu wie die Restaurants La Passione und BuThai Street Kitchen in den Schadow Arkaden, das Restaurant Perla Porto im Medienhafen, das Eislab an der Immermannstraße und an der Schadowstraße die Gastronomien Mondenero Bishair und Bonalumi sowie viele weitere Betriebe in Frankfurt, Berlin, Koblenz, Essen und anderen Städten. 2017 kaufte Erdogan auch das Hotel und Restaurant Schnellenburg gegenüber der Düsseldorfer Messe und betreibt es seither.
In seiner Kindheit deutete kaum etwas darauf hin, dass er einmal das alles erreicht – außer sein starker Wille, Dinge zu ändern. „Ich habe Armut erlebt und mir gesagt: Ich will da raus“, erinnert sich der Unternehmer. In einem kleinen Dorf in der Türkei als jüngster Sohn einer Großfamilie mit 18 Geschwistern aufgewachsen, begann er schon mit acht Jahren, seine Familie zu unterstützen. Vor Schulbeginn verkaufte er Gebäck, verdingte sich mit zehn als Schuhputzer. Als Jugendlicher arbeitete er während der Ferien nachts in einer Teppichweberei.
1988 erhält Ali Erdogan die Chance, nach Deutschland zu kommen und über ein Austauschprogramm hier zu studieren. In Düsseldorf beginnt er ein Jahr später sein Studium der Betriebswirtschaftslehre – und erfüllt sich einen Traum: vom ersten Geld einen Kaffee auf der Kö zu trinken. Außerdem träumt er vom eigenen Lokal an der Prachtmeile, was sich 2002 mit dem Leonardo erfüllt.
Ali Erdogan belässt es aber nicht bei der Gastronomie. Zur Unternehmensgruppe kommt ein breit gefächertes Immobilien-Portfolio mit Bestandsimmobilien in Eins-a-Lagen, in denen Geschäfte bekannter Marken, Behörden und Ärzte zum Mieterkreis zählen. Außerdem hat der heute 54-Jährige ein Beratungsunternehmen für Projektentwickler aufgebaut, das neben Projekten der eigenen Gruppe auch verschiedene Projekte anderer Firmen von Beginn an begleitet und entwickelt.

Hinter den zahlreichen Aktivitäten steht eine klare Vision: „Wer aufhört, besser zu sein, der hört auch auf, gut zu sein“, ist er überzeugt. Und natürlich: „Man muss das Unternehmer-Gen haben.“ Gefragt nach weiteren Erfolgsgeheimnissen, verrät der Gastronom: „Man muss seine Arbeit lieben. Nein – man muss in sie verliebt sein.“ Außerdem sind dem Familienunternehmer Werte wichtig wie Familiensinn, Fleiß, Ehrlichkeit, Integrität. Ein Unternehmen müsse nach klaren Prinzipien geführt werden.
Und: „Man braucht gute Unterstützer an seiner Seite“. Erdogan verweist damit auf den zweiten Gesprächspartner des Interviews, Mario Peric, der als Bereichsvorstand Wealth Management und Private Banking der Commerzbank die Marktregion Süd/West mit den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen verantwortet. Und der sehr gerne mit Unternehmern wie Ali Erdogan zusammenarbeitet. „Wir stehen für unternehmerisches Wealth Management und Private Banking. Mit über 150 Jahren Beratungserfahrung ist unsere Marktsicht krisenerprobt. Wir sind seit unserer Gründung fest im Mittelstand verankert, begleiten 30 Prozent der deutschen Exportwirtschaft und tragen dazu bei, dass Vermögenswerte aus erfolgreichem unternehmerischem Wachstum entstehen“, erklärt Peric. „Wir müssen also unternehmerisch denkende Bankiers sein und Kunden ganzheitlich betrachten.“
Peric schätzt an seiner Arbeit diesen Kontakt zu Unternehmern und deren klare Orientierung an Zielen. Er freut sich sehr, mit Erdogan eine vielseitige Persönlichkeit für die Commerzbank-Kampagne gewonnen zu haben. Er findet viele Gemeinsamkeiten mit dem Unternehmer: Beide sind nach Düsseldorf gezogen, Peric aus Stuttgart, Erdogan aus Köln. Beide haben den Blick auch für die kleinen Aufmerksamkeiten im Alltag. „Wir beide denken vom Kunden her, verstehen uns als Gastgeber und Dienstleister“, sagt Peric.
„Im Restaurant wie in der Bank ist die Kundschaft sehr vielfältig. Es gilt, die richtige Ansprache für alle zu finden. An seinem Geschäftspartner Erdogan schätzt er die positive Ausstrahlung. „Wenn er kommt, geht die Sonne auf.“ Der Bankier weiß, dass Erdogan seine Mitarbeiter persönlich mit Namen begrüßt und einige von ihnen schon seit Jahrzehnten in den Unternehmen tätig sind. „Ali Erdogan hat eine energiegeladene Persönlichkeit und die Fähigkeit, zuzuhören. Ich habe hohen Respekt vor seiner Lebensleistung.“
Ein weiteres Thema, das den Firmeninhaber und den Bankier gleichermaßen interessiert, ist die Nachfolgeregelung – ein Thema, das im Mittelstand eine große Rolle spielt. Mario Peric führt aus, dass laut einer aktuellen Studie der Commerzbank jeder vierte Unternehmer sein Unternehmen in der eigenen Familie weitergeben möchte. Ein Drittel hat sich aber noch keine Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll.
„Wenn man weiß, dass eine Firmenübergabe im Schnitt fünf Jahre dauert, ist dies ein sehr bedenkliches Ergebnis“, sagt Peric und lobt Ali Erdogan für seine Weitsicht: Erdogans Sohn Serkan Kaan bereitet sich auf diese Aufgabe vor. Der 24-Jährige hatte sich das schon früh selbst zum Ziel gesetzt und wirkt nun nach seinem BWL-Studium voll mit. Darüber hinaus ist er ein sehr guter Polospieler – auch das keine schlechte Vorbereitung auf die Unternehmensführung: Beim Polosport muss man mehrere Dinge koordinieren, das Pferd führen und die Strategien der Gegenspieler im Blick behalten.
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