Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Kein Supermarkt, der zu Fleischlichem mittlerweile nicht auch pflanzliche Alternativen bietet. Und der Trend schlägt sich auch im gastronomischen Angebot unserer Stadt nieder. Eine Auswahl rein veganer Adressen.
Im „sattgrün“ suchen sich die Gäste am Buffet aus, worauf sie Lust haben.
sattgrün
Wenn man über vegane Restaurants in Düsseldorf spricht, darf man ein Urgestein nicht vergessen: Peter Zodrow. Vor 18 Jahren eröffnete er das erste „sattgrün“-Restaurant am Graf-Adolf-Platz, obwohl man ihm prophezeite, dass das mit dem Veganismus in Düsseldorf nichts werden würde. Und auch der Rest der Deutschen war den wenigen Veganern nicht gerade wohlgesonnen, assoziierte sie mit linken Anarchos. Aus diesem Grund vermarktete Zodrow sein Restaurant damals als vegetarisch – auch wenn es nur vegane Gerichte gab. Das muss er heutzutage glücklicherweise nicht mehr. Immer mehr Menschen leben vegan, deswegen gibt es mittlerweile insgesamt fünf sattgrün-Restaurants, drei in Düsseldorf, eines in Köln und eines in Essen.
Dass es so gut läuft, liegt vielleicht auch daran, dass Zodrow genau so ist, wie man sich einen Betreiber veganer Restaurants vorstellt: Er lebt selbst seit jungen Jahren vegan und kommt aus der Tierrechtsbewegung, seine Frau lernte er bei den Grünen kennen. Inspiration für sein Konzept holte er sich in New York und London – „dort gab es schon Anfang der 2000er-Jahre vegane Restaurants“, sagt er. Ganz so reibungslos, wie es klingt, lief es aber nicht. Vor allem die ersten zwei Jahre seien hart gewesen, weil das Konzept ständig überdacht werden musste. 2007 gab es im sattgrün nur Sandwiches, Salate und Suppen, so wie bei der britischen Sandwich-Kette „Pret A Manger“. „Wir haben schnell gemerkt, dass unsere Kunden zu Mittag lieber warm essen. So sind wir zu unserem Buffet-Konzept gekommen.
Damit haben wir noch ein anderes Problem gelöst: den vielen Verpackungsmüll“, sagt der Geschäftsführer. Mit der Buffet-Lösung sind auch die Kunden zufrieden. Veganer haben zwar heute eine immer größere Auswahl an Gerichten, doch das war damals nicht so. „Weltküche“, nennt Zodrow die kulinarische Ausrichtung der Buffets. Linsensuppe aus Indien, Curry aus Thailand, Antipasti aus Südeuropa, gerösteter Blumenkohl mit Tahini aus der arabischen Küche und viele weitere Gerichte können auf den Teller gepackt werden. Dazu gibt es die Klassiker Nudeln, Reis, Kartoffeln und selbst gebackenen Kuchen. Kunden zahlen pro Teller und nicht nach Gewicht: „Wir möchten, dass jeder satt wird und unser Restaurant mit einem guten Gefühl verlässt.“
sattgrün Hafen
Brückenstraße 12, 4021 Düsseldorf
sattgrün Flingern
Hoffeldstraße 18, 40235 Düsseldorf
sattgrün Catering
Graf-Adolf-Platz 6, 40213 Düsseldorf
Vor 18 Jahren hat Peter Zodrow das erste „sattgrün“-Restaurant eröffnet.
Über 20 Prozent der Menschen, die das Hulala verlassen, wissen nicht, dass sie vegan gegessen haben – davon ist Geschäftsführer Gunnar Lüttgau überzeugt. Und ja, auf den ersten Blick wirkt das Hulala wie ein hipper Surfer-Laden irgendwo am Strand in Kalifornien, in dem uneingeschränkt geschlemmt wird. Das Hulala macht sich an seinem Standort am Carlsplatz sehr gut und zieht eine eher jüngere Zielgruppe an. Diese ist ja bekanntlich eher vegan unterwegs als ihre Vorgängergenerationen und weiß das Angebot zu schätzen. Doch nicht nur Veganer hatte das Team im Sinn, als es das Restaurant-Konzept erstellte: Menschen aller Religionen, Herkunft oder Ernährungsgewohnheiten können im Hulala essen.
Düsseldorf werde immer internationaler, daher sei es wichtig, sich auch auf verschiedene Ernährungsweisen einzustellen. „Pflanzenbasierte Ernährung ist der kleinste gemeinsame Nenner“, sagt Lüttgau. Und natürlich soll es auch den Nicht-Veganern schmecken. Serviert werden Burger in verschiedenen Variationen, Salate, Snacks, Desserts und Fingerfood. Dazu werden Limos, Eistees, Cocktails, alkoholfreie Cocktails, Kaffee und Bier gereicht.
Die Gerichte sind frisch und leicht, Assoziationen mit Strand und Meer sind gewollt und ziehen sich durchs Restaurant. In der Gründungsphase hat sich das Team durchprobiert und knallhart geurteilt. Nicht begeistert waren sie zum Beispiel von Burger-Pattys aus Soja, weil Geschmack und Geruch zu stark an Getreide erinnern, oder von Fleischersatz, der sich zu sehr darum bemüht, wie Fleisch zu schmecken. Das Hulala-Patty ist also eine eigene Kreation, von der alle überzeugt sind. „Vegane Produkte schmecken immer besser, und es wird einfacher, sie zuzubereiten. Wir sind sehr zufrieden.“
Hulala, Carlsplatz 24, 40213 Düsseldorf
Hai Son Dang kommt zwar aus Vietnam, doch für ihn gibt es keine bessere Küche als die thailändische. „Diese Vielfalt findet man sonst nirgendwo“, sagt er. Die japanische Küche sei eher süßlich, die vietnamesische frisch, und in China esse man scharf. „In Thailand werden all diese Geschmacksrichtungen vereint.“ Und das wichtigste: Auch Vegetarier und Veganer kommen auf ihre Kosten. Dass das nur von Vorteil sein kann, wusste Nipa Bellgardt schon vor 24 Jahren, als sie das Sila Thai an der Bahnstraße eröffnete. Dort konnten Vegetarier und Veganer auch immer eine fleischlose Variante wählen. Vor vier Jahren übernahm Hai Son Dang das Restaurant und expandierte in diesem Jahr. Seit März gibt es in Pempelfort nun das Jay by Sila Thai. Auf den ersten Blick ist dort kein Unterschied zum „richtigen“ Sila Thai zu erkennen.
Serviert werden als Starter etwa Satay Gay, Gyoza, Frühlingsrollen und die Hühnersuppe Tom Kha Gai. Zum Hauptgang gibt es Pad Thai, Currys in Rot, Gelb, Grün, dazu die typischen Begleiter Hähnchenbrust, Garnelen, Rinderfilet und Schweinebauch. Woraus die pflanzlichen Ersatzprodukte bestehen, darüber gibt die Karte Auskunft. Und wer Soja gar nicht mag, kann eines der Gerichte wählen, das nur auf Gemüse basiert, davon gibt es im Jay reichlich. Auch bei der Inneneinrichtung ist sich der Gastronom treu geblieben. Drei Container aus Thailand brachten Möbel, Deko, Teller, Besteck und Holzverkleidung mit, die das Jay heute schmücken. Dass viele Veganer die thailändische Küche schätzen, wundert Hai Son Dang nicht. „Durch die vielen Gewürze schmecken die Gerichte nicht fad, das ist ja immer noch ein Vorurteil über vegane Ernährung. Das können wir widerlegen“, sagt er.
Jay by Sila Thai
Nordstraße 31, 40477 Düsseldorf
Im Jay by Sila Thai speist man vegan in authentisch thailändischem Interieur.
Veganismus gleich Verzicht, diese Rechnung geht für Reza Zadeh schon lange nicht mehr auf. „Die vegane Küche hat sich extrem weiterentwickelt“, sagt er. Im April 2023 eröffnete er an der Oberbilker Allee sein Restaurant Urban Gorillas. Und auch wenn Zadeh mit seinem bunten Laden eine vegane Revolution starten will, hängt er die kulinarische Ausrichtung seines Restaurants nicht an die große Glocke. „Es sollte normal sein, auch mal vegan zu essen“, findet er. Das möchte er Skeptikern so leicht wie möglich machen. Wraps, Bowls, Burger und Fingerfood stehen auf der Karte. Das klingt erst mal nach nicht ganz so viel, aber der Clou sind die vielen Auswahlmöglichkeiten.
Es gibt zum Beispiel zwölf verschiedene Burger mit wiederum acht verschiedenen Pattys. Die bestehen aus Jackfruit, Kürbis, Chia, Karotten, Rote Bete, Haferflocken oder Falafel. Die Gerichte tragen inspirierende Namen wie „Freiheit“, „Hoffnung“, „Glücksseligkeit“ oder „Inspiration“ – mit karamellisierten Zwiebeln, veganem Bacon und BBQ-Sauce der Bestseller unter den Burgern. Was er schnell gemerkt hat: „Wir sollten Abstand davon nehmen, Fleischprodukte eins zu eins kopieren zu wollen. Stattdessen sollten wir etwas Neues kreieren“, sagt der 41-Jährige.
Wer den Abend entspannt ausklingen lassen will, kann direkt auf einen Drink bleiben. Denn: „Wir definieren uns nicht als reines Restaurant, sondern auch als Bar“, so Zadeh. Neben hausgemachten Limonaden und Eistees gibt es auch vegane Cocktails, die mit Hafermilch gemixt werden. Auch dabei soll nichts imitiert werden. Einen Pina Colada hat das Lokal nicht im Angebot, das würde nicht schmecken. Dafür aber eigene Kreationen mit Vanille, Joghurt, Maracuja und anderen frischen Zutaten. Seine Frau, die ausschließlich vegan lebt, hat ihn dazu inspiriert, Urban Gorillas zu eröffnen. Eine Entscheidung, die er nicht bereut, im Gegenteil. Sein zweites Projekt ist auch schon in Planung. Mit „The Change“ soll bald ein weiteres Gastro-Konzept auf die Beine gestellt werden – natürlich auch vegan.
Urban Gorillas
Oberbilker Allee 23, 40215 Düsseldorf
To1980 Vegan
Graf-Adolf-Straße 70A
40210 Düsseldorf
Sen Vegan Cuisine
Moorenstraße 4
40225 Düsseldorf
Marny’s Grünzeug
Kruppstraße 28
40227 Düsseldorf
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