Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Mit einer neuen Veranstaltungsreihe unterstützt die Stadtsparkasse Düsseldorf ihre Firmenkunden. Beim Auftakt ging es um ein Thema, das nicht nur Unternehmen interessiert: Cyberkriminalität.
Moderatorin Carmen Hentschel (l.) und Henrietta Six, Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse, waren sehr interessiert an den Aussagen der Experten zum Thema Cyberkriminalität.
Wie bedrohlich sind die Gefahren aus dem Internet? Dass diese Frage Unternehmern unter den Nägeln brennt, zeigte das Interesse: 220 Firmenlenker und Manager kamen zu der Netzwerkveranstaltung der Stadtsparkasse Düsseldorf in ihrer Zentrale an der Berliner Allee. „Wir sind alle nicht gefeit vor den Bedrohungen“, sagte Henrietta Six, die als Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse das Firmenkundengeschäft leitet. Hacker-Attacken können – so die Finanzexpertin – das komplette Geschäftsmodell eines Unternehmens gefährden. „Wir wollen daher mit dieser Veranstaltung Aufklärungsarbeit leisten.“

Cybersecurity sei „der sichere Boden, auf dem das digitale Haus gebaut wird“, sagte Carmen Hentschel. Die Digitalunternehmerin führte als Moderatorin mit interaktiven Techniken durch den Abend. So konnten sich die Gäste aktiv über ein Online-Tool mit Fragen und Votings beteiligen. Ins Thema führte Tobias Schrödel, IT-Sicherheitsexperte, Buchautor und „Deutschlands erster IT-Comedian“ (Zeitschrift Chip), ein – also nicht nur in ernst-mahnender Manier, sondern ganz nach dem Motto „Ich glaube, es h@ckt“ auch mit Humor.
Beispiel Passwörter: Die sollten nicht zu einfach sein, „also nicht der Name Ihres Hundes – außer der heißt !xWy!!3a – aber dann kommt er nicht, wenn man ihn ruft“. Auch aufs Darknet ging Schrödel ein, „wo Sie typischerweise Ihre Drogen kaufen oder Auftragskiller bestellen“. Das wiederum provozierte Teilnehmer zur Frage, was denn ein solcher Killer koste. Wie die spätere Diskussion zeigte, kann man sie schon für 5.000 Euro beauftragen.
„Vor wie vielen Jahren haben Sie das letzte Mal Ihr E-Mail-Passwort geändert?“ Bei dieser Frage des Sicherheitsspezialisten zeigten die Gäste im Voting Verantwortungsbewusstsein. 51 Prozent gaben an, es innerhalb der zurückliegenden ein bis zwei Jahre geändert zu haben. Sechs Prozent haben das indes vor fünf bis sieben Jahren zuletzt getan.
Eine der größten Gefahren für Unternehmen ist neben dem Datenklau die Verschlüsselung der gesamten IT eines Unternehmens durch Kriminelle, also ein Ransomware-Angriff. Der Schadcode kommt, wie Schrödel schilderte, meist über E-Mails, die oft täuschend echt nachgemacht wie Nachrichten von Lieferanten oder Kunden aussehen. Die Kriminellen arbeiten „wie Unternehmen, sie haben klare Umsatzziele“, sagte der Experte. Informationen finden sich im Darknet, den dunklen Ecken des Internets, in die man über den Browser „Tor“ kommt. Komplizierte Wege verschleiern den Informationsfluss, deswegen ist der Browser, der eigentlich Dissidenten in totalitären Systemen schützen sollte, bei Cyberkriminellen so beliebt.
Vieles funktioniert im Darknet wie sonst auch. Schrödel stellte Online-Shops vor, in denen man Passwörter und Log-ins aller Art kaufen kann. Auf den Seiten von Ransomware-Banden laufen – für alle im Darknet sichtbar – Uhren, die zum Beispiel zeigen, wann die Frist für ein angegriffenes Unternehmen abläuft, Lösegeld zu zahlen, wann gestohlene Daten für alle – auch böswillige Wettbewerber – sichtbar sind, aber auch, wenn gegen quasi Anzahlung ein zeitlicher Aufschub gewährt wird. „Die wollen, dass Sie ein tolles Einkaufserlebnis haben“, fasste Schrödel sarkastisch zusammen. Es spreche sich herum, wenn sich Hacker nicht an ihre eigenen Vorgaben halten, „das würde ihr eigenes Geschäftsmodell zerstören“.
Wie bedrohlich solche Angriffe für Unternehmen sind, machte Schrödel an einem weiteren Fall deutlich. Hacker veröffentlichten Tausende Kundendaten der Fluggesellschaft TAP Air Portugal, darunter Namen, Geschlecht, Geburtsdatum, Nationalität, Ausweisnummern, Privatadressen und Handynummern. Für den IT-Experten Grund zu einer ernsten Warnung an alle Unternehmer: „Ihre Kunden erwarten, dass Sie ihre Daten schützen.“

In der anschließenden Diskussion mit Cyber-Experten betonte Dr. Hauke Hansen, Fachanwalt für IT-Recht von der Kanzlei FPS aus Frankfurt, dass das Thema Sicherheit „endlich zur Chefsache“ werden müsse. Ohnehin verpflichte die EU-Richtlinie „NIS 2“ Unternehmen, sich noch intensiver darum zu kümmern. Die Absicherung sei immer noch „ziemlich schlecht“, sagte Wolfgang Straßer, Gründer und Geschäftsführer des IT-Sicherheitsunternehmens @-yet aus Leichlingen. Die Experten werden immer wieder von Unternehmen nach Cyberangriffen um Hilfe gebeten. 80 Prozent der Unternehmen hätten beim Thema IT-Security „richtig Nachholbedarf“.
Zahlreiche Fragen hatten die Experten zu beantworten. Etwa, welche Sicherheitssoftware schützt. Die in den üblichen Top Ten könne man nehmen, sagte Straßer. Wichtig sei, sie immer aktuell zu halten. Zu empfehlen seien zudem Passwortmanager, betonten die Experten. Wichtig sei, die Mitarbeiter zu schulen, Zugriffsrechte zu definieren und Notfallpläne auszuarbeiten.
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