Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Darmkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland, überwiegend sind Menschen ab dem 50. Lebensjahr betroffen. Allerdings erkranken inzwischen in einigen europäischen Ländern immer mehr jüngere Menschen im Alter von 25 bis 49 Jahren – unter anderem kann der Lebensstil eine Rolle spielen.
Darmkrebs ist keine reine Sache des Alters, Vorsorge lohnt sich.
Bei kaum einer anderen Krebsart bieten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen eine so große Chance, Tumoren sehr frühzeitig zu entdecken und damit die Heilungschancen deutlich zu erhöhen. Dennoch erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 55.000 Menschen neu an Darmkrebs, rund 25.000 sterben daran. Sowohl in der EU als auch in Großbritannien ist Darmkrebs immer noch bei Männern, nach Lungen- und Prostatakrebs, die dritthäufigste Todesursache und bei Frauen, nach Brustkrebs, die zweithäufigste – auch, wenn über alle Altersgruppen hinweg gerechnet die Todesrate in Deutschland unter Berücksichtigung der Altersstruktur der Bevölkerung sinkt, und zwar verglichen mit 2019 bei Männern um 11,55 und bei Frauen um 7,99 Prozent. Dabei können durch eine Darmspiegelung (Koloskopie) die Vorstufen eines bösartigen Tumors, die sogenannten Polypen, nicht nur erkannt, sondern auch sofort entfernt werden.


Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, steigt mit dem Alter an – überwiegend sind Menschen ab dem 50. Lebensjahr betroffen. Deshalb werden die Kosten für eine regelmäßige Darmspiegelung in jüngeren Jahren, außer bei Verdachtssymptomen oder familiären Vorbelastungen, derzeit nicht von den Krankenkassen übernommen. In Deutschland können aktuell Männer ab 50 und Frauen ab 55 Jahren alle zehn Jahre eine solche, übrigens völlig schmerzfreie und in der Regel komplikationslose Darmspiegelung wahrnehmen. „Leider nehmen immer noch zu wenige Menschen die Vorsorgeuntersuchungen wahr – in den meisten Fällen übrigens aus Angst vor der Diagnose“, sagt Dr. Kostantinos Zarras. Deshalb sei es sehr wichtig, so der Chefarzt der Klinik für Viszeral-, Minimalinvasive und Onkologische Chirurgie sowie Ärztlicher Leiter des zertifizierten Darmkrebszentrums am Düsseldorfer Marien Hospital weiter, das Bewusstsein für Darmkrebs zu schärfen und die große Bedeutung dieser Untersuchungen hervorzuheben. Vorsorge könne Leben retten und sei damit das Beste, was Menschen für ihre Gesundheit tun könnten. „90 Prozent der Darmkrebserkrankungen könnten vermieden werden, wenn eine flächendeckende Vorsorge erreicht würde“, erklärt Zarras.
„Leider nehmen immer noch zu wenige Menschen die Vorsorgeuntersuchungen wahr.“
Dr. Kostantinos Zarras
Seit einigen Jahren beobachten Wissenschaftler nun bereits, dass Darmkrebs bei jungen Erwachsenen zwar nach wie vor eine seltene Erkrankung ist – nur etwa fünf Prozent aller Fälle treten vor dem 50. Lebensjahr auf – aber dennoch immer häufiger vorkommt. Und weil die Gründe dafür noch weitestgehend ungeklärt sind, werden derzeit im Rahmen der großen, deutschlandweiten PEARL-Studie (PEARL – Prävention von Darmkrebs bei jungen Erwachsenen) gezielt die Risikofaktoren von Darmkrebs in der Altersgruppe unter 50 Jahren untersucht – mit dem Ziel, dass neue und effektive Strategien entwickelt werden, um Darmkrebs in der Altersgruppe von 18 bis 49 Jahren zukünftig besser zu vermeiden.
Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Auch eine neue Studie aus Italien prognostiziert ganz aktuell, dass in diesem Jahr die Darmkrebsrate in einigen europäischen Ländern bei Menschen im Alter von 25 bis 49 Jahren im Vergleich zu den Jahren 2015 bis 2019 stark ansteigt. Die Studie entstand unter der Leitung von Carlo La Vecchia von der Universität Mailand und ist im Fachjournal „Annals of Oncology“ erschienen. Die von den Studienautoren verwendeten Daten stammen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie berücksichtigten die Angaben seit 1970 bis zu den neuesten verfügbaren Daten (zwischen 2017 und 2021).

Auch wenn also die absoluten Zahlen vergleichsweise gering sind, nimmt die Zahl der Neuerkrankungen bei den unter 50-Jährigen jährlich um etwa 1,5 Prozent zu. Als die wichtigsten Risikofaktoren für Darmkrebs – und übrigens auch für eine ganze Reihe anderer Krankheiten, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen – gelten Rauchen, starkes Übergewicht und mangelnde Bewegung. Das Team rund um Carlo La Vecchia betont, dass der höhere Anteil übergewichtiger junger Menschen ein entscheidender Faktor für das frühe Entstehen von Darmkrebs ist. „Zudem können eine ballaststoffarme Ernährung sowie regelmäßiger Konsum von Alkohol oder rotem Fleisch das Risiko erhöhen“, ergänzt Prof. Werner Hartwig, Leiter Darmkrebszentrum und Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Onkologische Chirurgie am Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf (EVK). Auch genetische Veränderungen wie die Familiäre Adenomatöse Polyposis (FAP) – im Darm von FAP-Patienten entwickeln sich durch ein fehlendes Anti-Tumor-Gen bereits in jungen Jahren zahlreiche Polypen – erhöhen das Risiko und können als Ursache für Darmkrebs ausgemacht werden. Allerdings treten etwa 70 Prozent der bösartigen Darmtumoren spontan auf. Als Lösungsansatz empfiehlt das italienische Forschungsteam, die Darmkrebsvorsorge auf jüngere Menschen auszuweiten, beginnend bereits ab 45 Jahren.
„Eine ballaststoffarme Ernährung sowie regelmäßiger Konsum von Alkohol oder rotem Fleisch können das Darmkrebsrisiko erhöhen.“
Prof. Werner Hartwig
Wer die Diagnose erhalten hat, an Darmkrebs erkrankt zu sein, sollte sich unbedingt in einem von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Darmkrebszentrum, also in einer Klinik, die sich sehr gut mit der Krankheit auskennt, behandeln lassen. Denn durch Studien ist belegt, dass dann nicht nur deutlich weniger Komplikationen auftreten, sondern auch die Überlebens-Chancen steigen. So zeigt eine groß angelegte Studie aus dem Jahr 2022 auf Basis von bundesweiten AOK-Abrechnungsdaten und Daten aus vier regionalen klinischen Krebsregistern einen Überlebensvorteil für Patienten mit Krebs, die in zertifizierten Zentren behandelt werden. Rund 300 zertifizierte Darmkrebszentren gibt es in Deutschland – eine entsprechende Liste finden Betroffene auf der Website www.oncomap.de.
Handelt es sich nicht um eine Krebsvorstufe, also Darmpolypen, die bei einer Darmspiegelung entfernt werden können, sondern um einen größeren Tumor, ist eine Operation notwendig. Sowohl am Marien Hospital als auch am EVK wird dann nach Möglichkeit minimalinvasiv (laparoskopisch) operiert – durchaus etwas Besonderes, denn in Deutschland werden bisher nur etwa 30 Prozent aller Darmkrebsoperationen minimalinvasiv durchgeführt. Am Marien Hospital werden 90 Prozent der Operationen übrigens nicht nur minimalinvasiv, sondern roboterassistiert ausgeführt. „Durch den Einsatz der Robotertechnologie lassen sich stundenlange, komplexe Operationen mit hervorragender Sicht, hoher Präzision und vollkommen zitterfrei durchführen“, erläutert Zarras. Trotz der Vorteile einer laparoskopischen Operation – Patienten können nach der Operation rascher mobilisiert werden, haben zudem weniger Schmerzen und erholen sich schneller – haben offene Operationen weiterhin ihre Berechtigung. „Aufgrund der deutlich kürzeren Operationsdauer und entsprechend kürzerer Vollnarkose ist die offene Operationsmethode beispielsweise bei sehr alten Patientinnen und Patienten oftmals durchaus sinnvoll“, erklärt Hartwig.
Abschließend lässt sich sagen: Je früher Darmkrebs erkannt und entsprechend therapiert wird, desto größer sind die Heilungs-Chancen, und zwar unabhängig davon, wie alt die Betroffenen sind. Aber auch dann, wenn der Krebs sich in einem fortgeschrittenen Stadium befindet und bereits Metastasen, etwa in Leber oder Lunge, vorhanden sind, sollten Patienten nicht verzweifeln. Durch eine zielgerichtete Kombinationstherapie aus Chemotherapie und Operation lässt sich oftmals auch in diesen Fällen die Überlebenszeit verlängern.
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von reCAPTCHA. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen