Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Seit 2006 ist Uschi Wiedenlübbert vom Carlsplatz nicht mehr wegzudenken. Angefangen hat sie dort mit einer kleinen Bude. Heute gehören Pure Coffee und Pure Pastry zu ihrem Familienunternehmen.
So kennt man sie: Uschi Wiedenlübbert entspannt bei einer Tasse Kaffee vor ihrem „Kaffeebüdchen“.
Sie war fast schon überall: „Es ist leichter aufzuzählen, welches Land ich noch nicht bereist habe“, sagt Ursula „Uschi“ Wiedenlübbert, „das wären Kanada, Papua-Neuguinea, Australien und Alaska.“ Denn schon in ihren früheren Beschäftigungen – sie ist gelernte Groß- und Außenhandels- sowie Werbekauffrau – gehörte das Reisen stets dazu. Doch 1999 weckte ein schweres, durch Mehrfachbelastung ausgelöstes Burn-out in ihr den Wunsch, neue Wege zu gehen. „Ich liebe Kaffee, er ist für mich ein Lebensmittel – und überall auf der Welt gibt es unglaublich leckere Sorten“, sagt sie begeistert. So eröffnete sie 2002 ihr „Röst-Café“ an der Rethelstraße. Und da sie den Dingen gerne auf den Grund geht, lernte Uschi Wiedenlübbert nicht nur das Kaffeerösten und ließ sich zur Kaffeesommelière ausbilden, sondern besucht auf ihren „Kaffeereisen“ auch regelmäßig die Länder, aus denen ihre Bohnen stammen. „Wir achten auf nachhaltigen Anbau, pflegen den fairen Direkthandel mit Kaffeebauern und Kooperativen. Ihnen geben wir auf unterschiedliche Weisen etwas zurück, zum Beispiel, indem wir Bildungsprojekte unterstützen“, sagt Uschi Wiedenlübbert, deren erstes Café sich jedoch als zu groß für ihre damals noch angeschlagene Gesundheit erwies. „Aber die Selbstständigkeit machte mir unglaublich viel Spaß.“ Also bewarb sie sich 2006 um einen Stand auf dem Carlsplatz. Und als dort ein halbes Jahr später eine winzige Ecke frei wurde, griff sie zu. „Ich habe eine Holzbude bauen lassen und sie selbst gestrichen. Meine erste Tageseinnahme dort waren 27 Euro – die schönsten 27 Euro meines Lebens.“ Ihr „Kaffeereich“ genanntes Büdchen sprach sich rum, die Kundschaft wuchs rasch, wurde zu einer Familie. Wie viele Stammkunden sie heute hat, kann sie gar nicht sagen. „Es kommen alle: vom Düsseldorfer ,Hochadel‘ bis zur Rentnerin, die sich ein halbes Pfund für den Handfilterkaffee am Sonntag bei uns mahlen lässt.“ Denn das ist eine Besonderheit, die ihr Unternehmen von Beginn an auszeichnet: „Die Leute suchen sich die Bohnen bei uns aus, und wir mahlen sie nach Wunsch.“

Doch ihr Kaffeereich, heute „Pure Coffee“, wäre nicht das Gleiche ohne die Pâtisserie, die dort angeboten wird. Seit 2016 kommen Kuchen, Törtchen, Macarons, Frühstückgebäck, Pralinen und mehr handgefertigt aus der Backstube ihres Sohns Tim Tegtmeier. Der hatte zwar bei Guy de Vries im Landhaus Mönchenwerth ursprünglich Koch gelernt, wollte aber in die Pâtisserie. „Er hat dann unter anderem bei Sternekoch Joachim Wissler im ,Vendôme‘ als Chef-Pâtissier gearbeitet und wurde 2015 mit dem Titel ,Pâtissier des Jahres‘ ausgezeichnet“, berichtet Uschi Wiedenlübbert. „Als er nach Hause kam, haben mein zweiter Mann Jörg und ich für ihn eine ehemalige Pommesbude in Heerdt zur Backstube ausgebaut. Aber die platzte bald aus allen Nähten: Die Caterer waren auf uns aufmerksam geworden.“
In der heutigen Backstube von „Pure Pastry“ arbeiten 17 Angestellte, davon acht Lehrlinge und zwei Meister. Und im Gebäude gegenüber röstet Uschi Wiedenlübbert 15 Tonnen Kaffee im Jahr. „Anfangs habe ich noch im Büro von Heiner Röckrath geröstet“, erzählt sie. Mit dem Geschäftsführer des Carlsplatzes organisiert sie als Beiratsvorsitzende neben allem anderen noch Aktionen wie Sommerfeste oder Charity-Veranstaltungen auf dem Markt. Da wundert es kaum, dass ihr Tag morgens um 5 Uhr beginnt – mit dem ersten Kaffee, versteht sich. Nach einem Spaziergang mit ihrer Deutschen Pinscherhündin Bowie ist sie auf dem Markt, im Büro oder in der Bäckerei, und hilft, wenn etwas verpackt, versandt, ausgeliefert oder organisiert werden muss und gerade Not am Mann ist. Außerdem ist sie bei jeder Veranstaltung anzutreffen, die Pure Pastry mit süßen Leckereien bestückt. „Das alles sehe ich nicht als Belastung. Es macht mir Spaß, und die vielen Menschen, denen ich täglich begegne, halten mich jung“, sagt die 62-Jährige, die sich außerdem mit Yoga, Rad fahren und Schwimmen fit hält, sehr viel liest „mindestens ein Buch pro Woche, manchmal auch mehrere parallel“, sehr gerne kocht und in die Oper geht.
„Meine erste Tageseinnahme, die ich auf dem Carlsplatz hatte, waren 27 Euro – die schönsten
27 Euro meines Lebens.“
Uschi Wiedenlübbert
Diesen und anderen schönen Dingen will sie sich ab dem Spätsommer vermehrt zuwenden. Denn im August, spätestens im September soll ihr Sohn das operative Geschäft der Milds GmbH, unter der Pure Coffee und Pure Pastry zusammengefasst sind, übernehmen. „Aber danach werde ich auf keinen Fall nur zu Hause sitzen“, sagt Uschi Wiedenlübbert. „Mein Traum wäre es, eine Kaffeeschule für Workshops, Verköstigungen und Vorträge rund um den Kaffee und seine Herkunftsländer zu eröffnen.“ Und natürlich will sie viel reisen. „Ich möchte in alle Länder, in denen ich bereits war, um all die wunderbaren Menschen dort noch einmal zu treffen.“
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