Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Gegründet im Oktober 2019 und seit April 2020 mit seiner App online, hat das Düsseldorfer Unternehmen Dermanostic inzwischen mehr als 180.000 Patienten behandelt und ist nach eigenen Angaben Europas führende Online-Hautarztpraxis.
Das Gründerteam von Dermanostic (v.l.): die vier Ärzte Dr. Alice und Dr. Ole Martin sowie Dr. Estefanía und Patrick Lang

Die Idee zur Gründung von Dermanostic hatten die befreundeten Ehepaare Dr. Estefanía Lang und Patrick Lang sowie Dr. Alice Martin und Dr. Ole Martin – alle vier sind Ärzte – weil die beiden Frauen als Hautärztinnen sowohl von Familienangehörigen als auch von Freunden und Bekannten häufig um Rat bei Hautproblemen gebeten wurden. „Meistens schickten sie uns Fotos per Whatsapp, und wir konnten bei den Anfragen fast immer sofort helfen“, erinnert sich Dr. Estefanía Lang.
So sei die Idee entstanden, diese schnelle Hilfe möglichst jedem Menschen zugänglich zu machen, natürlich nicht über einen Messenger-Dienst, sondern über einen datensicheren Kanal, so die engagierte Hautärztin weiter. Und dann ging alles recht schnell. Nur wenige Monate nach der Unternehmensgründung ging die App online, das neue Angebot verbreitete sich rasch, hauptsächlich per Mundpropaganda, und innerhalb kürzester Zeit hatten sich mehrere Tausend Patienten registriert.

Da gesetzlich Versicherte häufig wochenlang keinen Termin bei ihrem Hautarzt bekommen und zudem trotz vorheriger Terminvereinbarung lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, kann eine Onlinepraxis wie Dermanostic eine Lösung sein. Wer eine Hautveränderung bemerkt, registriert sich über die App, füllt einen kurzen Fragebogen aus und verschickt drei Bilder der betroffenen Hautstelle. Innerhalb von maximal 24 Stunden erhalten Patienten von einem der 14 Fachärzte aus dem Team eine Diagnose mit Therapieempfehlung sowie ein Privatrezept.
„Bei 92 Prozent unserer Patienten ist danach kein weiterer Hautarztbesuch mehr nötig“, erklärt Estefanía Lang. Das liege daran, so die Ärztin weiter, dass sich Hautkrankheiten in der Regel per Blickdiagnose erkennen ließen. Und falls sich eine Hautveränderung doch einmal nicht per Blick diagnostizieren lässt oder der Verdacht auf Hautkrebs vorliegt, raten die Ärzte zu einer Biopsie, also der Entnahme einer Gewebeprobe, beim heimischen Hautarzt, um die genaue Erkrankung abzuklären. „Bei einer solchen Verdachtsdiagnose bieten wir unseren Patientinnen und Patienten immer einen Anruf an, in dem wir ihnen genau erklären, worum es geht. Zudem erhalten sie einen ausführlichen Arztbrief mit einer präzisen Beschreibung der Erkrankung. Betroffene müssen dann natürlich nicht wochenlang auf einen Termin beim Hautarzt warten: Die notwendige Biopsie wird ganz schnell durchgeführt“, erläutert Estefanía Lang.
Eine solche ärztliche Behandlung kostet, inklusive der Möglichkeit Rückfragen zu stellen, übrigens lediglich 25 Euro. Diese Kosten werden inzwischen sogar von einigen gesetzlichen und sämtlichen privaten Krankenkassen übernommen. „Die Kosten für unsere Behandlungen sind natürlich ein Spagat. Auf der einen Seite müssen wir möglichst wirtschaftlich arbeiten, auf der anderen Seite möchten wir die Hemmschwelle für eine Behandlung möglichst niedrig halten, denn es ist uns ein großes Anliegen, Hautgesundheit für jede und jeden zugänglich zu machen“, erklärt die Ärztin und Unternehmerin. Aus diesem Grund hofft man bei Dermanostic, zukünftig weitere gesetzliche Krankenkassen davon überzeugen zu können, die Onlinebehandlungen für ihre Versicherten zu bezahlen.
Neben dem Mehrwert für Patienten – übrigens längst generationsübergreifend, hat doch der älteste Patient bereits das 100. Lebensjahr überschritten und lässt sich von seinen Enkelkindern beim Umgang mit der App helfen – bietet Dermanostic auch einen Mehrwert für die Gesellschaft. Da Ärzte täglich etwa 200 bis 300 Patienten sehen, fallen dabei natürlich neue Erkrankungen besonders schnell auf. Estefanía Lang nennt hier als Beispiel die Affenpocken, die sie und ihre Kollegen nämlich zuerst gesehen und den entsprechenden Verdacht den Behörden gemeldet hätten. Befragt nach ihrer Vision für die Zukunft sagt die Ärztin: „Wir möchten natürlich die Anzahl unserer Patientinnen und Patienten weiter erhöhen. Zudem wollen wir mehr neue Technologien einsetzen, denn beispielsweise in der Befundarbeit kann künstliche Intelligenz sehr hilfreich für uns Ärzte sein. Wir möchten gern mithelfen, dass die Menschen weltweit zukünftig gesünder sind.“
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