Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Kultur, Sport, aber auch viele kleine Projekte in der Nachbarschaft leben, weil Stiftungen sie finanzieren. Hinter diesen stehen Menschen, die etwas Gutes tun wollen oder der Gesellschaft etwas zurückgeben vom Guten, das sie empfangen haben. In Düsseldorf finden sie viele Experten, die sie bei der Gestaltung der Stiftung, Vermögensanlage oder bei steuerlichen und juristischen Fragen unterstützen.
Gutes tun und der Gesellschaft etwas zurückgeben – das wollen viele Stifter.
Im Düsseldorfer Osten unterstützt die evangelische Stiftung „Gerresheim Gemeinsam“ mit ihren Projekten die Arbeit der evangelischen Kirchengemeinde in Gerresheim. So beteiligte sie sich an der Finanzierung der ersten Schulausrüstung für bedürftige Familien. Im vergangenen Jahr förderte die Stiftung die Renovierung der Außenanlagen der Kirchengemeinde. In diesem Jahr steht die „Lebensmittelausgabe Gerresheim“ der „Düsseldorfer Tafel“ ganz oben auf der Liste.
Neben solchen kleineren Stiftungen, die Projekte in ihrem direkten Umfeld fördern, gibt es in Düsseldorf auch stadtbekannte Initiativen, die als Stiftungen tätig sind, zum Beispiel die Bürgerstiftung Düsseldorf. Sie unterstützt Menschen in sehr vielen Bereichen mit dem Ziel, schnell und unbürokratisch zu helfen. Bekannt ist auch „DUS-illuminated“. Die Stiftung hat sich vorgenommen, dem urbanen Raum durch Licht und Illuminationen von Gebäuden eine höhere Lebensqualität zu geben. Die Gerda Henkel Stiftung, die im Juni 1976 von Lisa Maskell zum Gedenken an ihre Mutter Gerda Henkel errichtet wurde, zählt zu den großen fördernden Stiftungen im Bereich der historischen Geisteswissenschaften.
Gutes tun, der Gesellschaft etwas zurückgeben von dem, was man selbst im Leben empfangen hat, und Projekte möglichst dauerhaft fördern – das sind Ziele, die Stifter oft verfolgen. Knapp 1.500 Stiftungen listet das Verzeichnis des NRW-Innenministeriums allein für den Regierungsbezirk Düsseldorf auf. Deutschlandweit gibt es gut 25.000 rechtsfähige Stiftungen.

„Die Vermögensanlage soll nicht im Widerspruch zu den Stiftungszwecken stehen.“
Stiftungsgründer sind reich und tot – dieses knapp zusammengefasste Vorurteil stimmt nicht, sagt Christian Opelt von der Privatbank Donner & Reuschel. Oft sind es Ehepaare, die eine Stiftung zu Lebzeiten gründen. Viele haben einen unternehmerischen Hintergrund. Der Bankdirektor für Kirchen, Stiftungen und NPOs (Nonprofit-Organisationen) weiß, wovon er spricht. Die Bank betreut Stiftungen, die ja alle eine ähnliche Thematik haben: Um ihre Zwecke zu erfüllen, benötigen sie Geld. Das muss vorrangig aus dem Stiftungsvermögen erwirtschaftet werden. Gerade in den zurückliegenden Jahren war dies nicht so einfach – Zinsen gab es kaum.
Für die Anlage des Vermögens gebe es keine abschließenden Vorschriften, erklärt der Experte. Stiftungen können daher auch in Aktien investieren. Die Geldanlage sollte dabei breit aufgestellt sein, um Risiken zu begrenzen. Dazu braucht es natürlich die Expertise erfahrener Anlagespezialisten. „Wir bieten an, Anlagerichtlinien zu entwerfen und regelmäßig zu überprüfen“, sagt Opelt. Nach seiner Beobachtung blicken unternehmerische Stifter mehr auf Chancen als auf Risiken, private Stifter sind hingegen eher sicherheitsorientiert.
In den Stiftungsorganen haben viele Angst vor Kursschwankungen und zeitweisen Wertverlusten und scheuen deswegen Aktien. Hier beruhigt der Anlagespezialist: Stiftungen haben Zeit, solche Schwankungen auszusitzen, denn es gehe bei ihnen ja um den langfristigen Vermögenserhalt. Opelt ermutigt dazu, mehr Chancen zu wagen, „aber nur so weit, wie sich die Anleger damit wohlfühlen“. Zunehmend gefragt sind nachhaltig ausgerichtete Geldanlagen – „die Vermögensanlage soll ja nicht im Widerspruch zu den Stiftungszwecken stehen“, sagt der Experte.

„Wir haben in Düsseldorf ein Stiftungsnetzwerk gegründet.“
Die Privatbank unterstützt Stiftungen aber nicht nur bei der Geldanlage. „Wir haben in Düsseldorf ein Stiftungsnetzwerk gegründet“, erklärt Jörg Jubelt, Abteilungsdirektor der Bank in Düsseldorf. Bei Veranstaltungen treffen die Stifter ausgewiesene Experten und können sich mit ihnen austauschen.
Auch andere Banken unterstützen das Stiftungswesen, zum Beispiel die Commerzbank. Sie ist selbst im Stiftungsbereich tätig, vor allem mit der Commerzbank-Stiftung. Ihr Ziel: zur Lösung gesellschaftlicher Probleme in Deutschland beizutragen und insbesondere benachteiligten Menschen eine aktive Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Außerdem gibt es sieben Sozialstiftungen ehemaliger Mitarbeitender. „Die Commerzbank hat seit über 45 Jahren Erfahrung in der Betreuung von Stiftungen“, erklärt Mario Peric, Bereichsvorstand für Wealth Management und Private Banking bei der Commerzbank. „Wir unterstützen mit unserem Nachlass- und Stiftungsmanagement sowie bei der nachhaltigen Verwaltung des Stiftungsvermögens.“ Aktuell betreut die Bank rund 800 Stiftungen in der Vermögensverwaltung und 400 Stiftungen im Management.

„Aktien sind unter langfristigen Gesichtspunkten eine der lukrativsten Anlagemöglichkeiten.“
„Das Thema Stiftungen liegt der Commerzbank am Herzen, weil wir der Gesellschaft etwas wiedergeben und gemeinnützige beziehungsweise mildtätige Zwecke fördern möchten“, fasst Peric zusammen. Vielen Stiftern sei es wichtig, soziale und humanitäre Anliegen dauerhaft zu fördern. Nach seiner Beobachtung sind Stifter in der Regel sehr vermögende Menschen. „Oft haben sie große Unternehmen geschaffen.“ Wenn sie Unternehmensstiftungen gründen, wollen sie den Familienbetrieb erhalten und die Ausschüttungen regeln. Mediziner gründen oft Stiftungen, damit ihre Forschungen fortgeführt werden.
Auch Peric ermutigt die Stiftungsorgane, bei der Anlage des Stiftungsvermögens die Risiken ausgewogen zu beurteilen: „Ein breit diversifiziertes Portfolio ist einseitigen Investments überlegen und das Geheimnis einer stabilen Anlage.“ Viele Stiftungen haben in ihren Vermögen einen Aktienanteil von etwa einem Drittel. „Aktien sind unter langfristigen Gesichtspunkten eine der lukrativsten Anlagemöglichkeiten.“ Der Anleihenmarkt ist ebenfalls wieder interessanter geworden, hier seien Renditen von mehr als vier Prozent wieder realistisch. Je nach Vermögensvolumen kommen auch Immobilien oder Rohstoffe infrage. „Eine gute Streuung gleicht auch Schwankungen über die Jahre aus“, sagt Peric.
Zu den großen Förderern von Stiftungen gehört auch die Stadtsparkasse Düsseldorf. Sie sieht ihr Engagement auf diesem Feld als Bestandteil ihres Auftrages, zum Wohl der Region beizutragen. Die Sparkassenorganisation insgesamt ist laut eigenen Angaben „heute der größte nichtstaatliche Kulturförderer, der größte Förderer des Breitensports und einer der großen Förderer im sozialen Bereich wie auch der Wissenschaft“. Die Stadtsparkasse Düsseldorf fördert mit eigenen Stiftungen verschiedene gesellschaftliche Projekte. So fördert die Kunst- und Kulturstiftung jährlich durchschnittlich 15 spartenübergreifende experimentelle Kunst- und Kulturprojekte in Düsseldorf. In den zurückliegenden zehn Jahren hat die Stiftung mehr als 300 Förderprojekte aus allen Kunstsparten mit über 2,8 Millionen Euro unterstützt. Die Stiftung Monheim der Stadtsparkasse Düsseldorf verfolgt gemeinnützige Zwecke, die jährlich mit einem sechsstelligen Betrag gefördert werden.
Und als Finanzinstitut unterstützt natürlich auch die Stadtsparkasse Stifter und Interessenten. Dafür stehen eigens Experten im „Kompetenz-Center Stiftungen“ bereit. Zum einen bei der Gründungs- und Anlageberatung. Hier besprechen die Spezialisten mit den Kunden zunächst die Ausgangslage: Denken sie über ihren Nachlass nach, wollen sie selbst eine Stiftung gründen – oder wäre eine Zustiftung denkbar? Soll es eine Verbrauchsstiftung sein, deren Vermögen für den Stiftungszweck aufgebraucht werden soll? Oder soll das Kapital erhalten bleiben und der Stiftungszweck nur aus den Erträgen finanziert werden?
Das Center bietet darüber hinaus Möglichkeiten zur Vernetzung mit Zustiftern, Spendern und Kooperationspartnern. Die Experten beraten zudem in den Bereichen Fördermittel, Stiftungsmanagement und -organisation. „Kurz ausgedrückt: Alle, die sich für die Region gemeinnützig engagieren, sind bei uns willkommen“, sagt Annemarie Schreuer vom Kompetenz-Center. „Wir holen den Kunden ab, wo er steht, helfen ihm mit viel Know-how bei der Entscheidungsfindung und begleiten ihn bei allen erforderlichen Schritten im Anschluss. Und das Besondere an uns ist, dass wir unsere Beratung im Kompetenz-Center Stiftungen kostenfrei anbieten.“

„Alle, die sich für die Region gemeinnützig engagieren, sind bei uns willkommen.“
Stiftungen benötigen neben der Begleitung durch Banken auch Rat in steuerlichen und juristischen Fragen – Gebiete, auf denen Prof. Dr. Maximilian A. Werkmüller, Rechtsanwalt und Partner in der Kanzlei legal tax solutions, als erfahrener Experte gilt. Nicht nur aufgrund seiner fachlichen Kompetenz: Werkmüller ist selbst in mehreren Stiftungsvorständen tätig, zum Beispiel in der gemeinnützigen Assmann-Stiftung für Prävention in Münster, der Förderstiftung der Kaiserswerther-Diakonie und der Stiftung Kinder- und Jugendhospiz Regenbogenland. Diese Stiftung will baldmöglichst neben Kinder- und Jugendhospiz einen dritten Bauabschnitt für lebensverkürzt erkrankte Menschen über 27 Jahre realisieren – „ein immenser Aufwand“, wie Werkmüller erklärt.
In 22 Jahren der Beratung von Stiftungen hat der Experte fast ausschließlich Ewigkeitsstiftungen – die also auf Dauer bestehen sollen – beraten. Solche Stiftungen müssen von Beginn an richtig aufgestellt werden, damit es nicht zu Problemen kommt, rät Werkmüller. „Wenn sich nach einigen Jahren niemand mehr findet, der die Stiftungsarbeit fortführen will, droht ihr die Luft auszugehen.“ Einen Lösungsweg bietet zum einen die Verbrauchsstiftung, die zeitlich befristet ist. Oder man legt Klauseln im Vertrag fest, die etwa zu einem späteren Zeitpunkt eine Vorstandsvergütung ermöglichen.

„Auch die Buchhaltung für Stiftungen ist komplex.“
Auch bei der steuerlichen Betrachtung sind viele Aspekte zu beachten. Gemeinnützige Stiftungen sind steuerbefreit, müssen dazu aber viele Restriktionen, zum Beispiel bei der Mittelverwendung, beachten. „Auch die Buchhaltung für Stiftungen ist komplex“, sagt Werkmüller. So ist jetzt zum Beispiel erstmals das Stiftungsvermögen einheitlich geregelt. Das neue Recht gilt auch für bestehende Stiftungen – was einige vor große Herausforderungen stellt. Oft fehlen Unterlagen und Ansprechpartner aus der Gründungszeit. „Diese Stiftungen haben jetzt nachträglich viel Arbeit“ – und brauchen fachliche Unterstützung, der Rat von Werkmüller ist da gefragt.
Bei der Vertragsgestaltung kann man viele Probleme im Vorfeld ausschließen. Der Jurist empfiehlt zum Beispiel, Eskalationsmechanismen festzulegen: Wie geht man mit Uneinigkeit in den Gremien um? Hier wäre etwa eine Schiedsklausel ratsam. Compliance-Regeln, Hinweisgeberschutz, externe Wirtschaftsprüfung – zu regelnde Punkte gibt es viele. So sollte man auch darauf achten, unter welchen Voraussetzungen Familienmitglieder tätig sein dürfen.
Es gibt also viel zu beachten, wenn man eine Stiftung ins Leben rufen will. Aber in Düsseldorf stehen viele bereit, die dabei unterstützen und begleiten. Damit auch künftig viel Gutes geschieht durch Menschen, die der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen.
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