Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Dr. Alexander Bethke-Jaenicke ist der neue Präsident des Düsseldorfer Reiter- und Rennvereins. Ein Gespräch über seine Ziele, seine späte Liebe zum Galoppsport und das grandiose Gelände auf dem Grafenberg.
Der neue Präsident des Düsseldorfer Reiter- und Rennvereins Dr. Alexander Bethke-Jaenicke will die Rennbahn auf dem Grafenberg optimal positionieren.
Das Pferd hieß „Poolparty“, und es war Liebe auf den ersten Blick. Was für ein lustiger Name, dachten sich Dr. Alexander Bethke-Jaenicke und seine Frau Kerstin. 2015 kauften sie die Stute, die sie in einem Düsseldorfer Stall entdeckt hatten. Eine Passion im Turbogang. Erst kurz zuvor waren sie auf der Dortmunder Rennbahn von einem befreundeten Geschäftspartner mit dem „Galopper-Virus“ infiziert worden. „Ich war ein absoluter Neuling“, sagt der Präsident des Düsseldorfer Reiter- und Rennvereins. Weder er noch seine Frau saßen jemals zuvor auf einem Pferd oder hatten mit dem Rennsport zu tun. Die dreijährige Stute machte ihren neuen Besitzern Freude. Beim Debütanten-Rennen in Mailand galoppierte Poolparty auf den zweiten Platz.
So begann eine Leidenschaft, die in einem höchst angesehenen Ehrenamt gipfelt. Seit vorigem Herbst ist der Unternehmensberater Dr. Alexander Bethke-Jaenicke Nachfolger von Peter Michael Endres, der in 25 Jahren Präsidentschaft das Profil des Reiter- und Rennvereins entscheidend geprägt hat. Endres selbst war es, der Bethke-Jaenicke für das Amt vorschlug. „Eine hohe Ehre, mich hat das wirklich gefreut“, sagt er.
Jeder neue Präsident will eigene Akzente setzen. Welche Ziele hat er sich gesteckt? „Zunächst einmal haben wir mit Henkel einen Sponsor von überdimensionaler Bedeutung. Schwer vorstellbar, wie wir ohne ihn unser Niveau auf demselben hohen Level halten könnten“, erklärt er. „Dank der Unterstützung von Henkel, der Stadt und anderen Sponsoren wie der Stadtparkasse Finanzgruppe stehen wir gut da. Ein glücklicher Umstand, auf den sich bauen lässt.“
Was er aber in den drei Jahren, für die er erst mal gewählt wurde, verbessern möchte, ist die Akzeptanz des Galoppsports und dessen Verankerung in der Gesellschaft. „Wir sind keine beliebige Rennbahn, sondern vermutlich die relevanteste in Deutschland“, betont Bethke-Jaenicke. „Meine Aufgabe ist es, sie optimal zu positionieren und den Menschen nahezubringen, was für ein grandioses Geschenk wir mit dem Grafenberg haben. Ein wunderschönes Gelände, um das uns die ganze Welt beneidet. Und ein fantastisches Publikum.“ Eigentlich, meint er, müssten sich die Sponsoren darum reißen. „Der Traum eines jeden Vermarkters wäre es doch, diese wirtschaftlich interessante Zielgruppe zu erreichen.“ Luft nach oben sei auch noch bei den Besucherzahlen. Das prestigeträchtige Rennen um den Henkel-Preis der Diana ist ein glamouröses Ereignis mit illustrem Publikum. Andere Veranstaltungen stehen ein wenig im Schatten, was schade sei. „Jeder, der einmal die besondere Atmosphäre bei einem Renntag erlebt hat, ist begeistert und kommt gerne wieder“, versichert der Präsident. „Wir liegen mitten im Grünen und bieten zwischen den einzelnen Rennen ein spannendes Familienprogramm – was will man mehr?“
Das ansteckende Temperament, mit dem Alexander Bethke-Jaenicke seine Visionen ausbreitet, kommt nicht von ungefähr. In seinem beruflichen Alltag als Unternehmensberater und Gesellschafter von Horn & Company tüftelt er Strategien und Lösungen aus. Nach dem Studium der Volkswirtschaft in seiner Geburtsstadt Heidelberg und drei Jahren in Wien am Institut für Kreditwirtschaft, das er mit der Promotion verließ, war sein Karriereweg festgeschrieben. Im Jahr 2000 kam er nach Düsseldorf und begann bei der Unternehmensberatung Droege. Im Kompetenzzentrum Financial Services habe er viel gelernt, sagt Bethke-Jaenicke. Vor 15 Jahren gründete er mit Christian Horn das Unternehmen Horn & Company mit Sitz im Medienhafen und heute 260 Mitarbeitern. Die meisten Auftraggeber werden aus dem Bankenwesen rekrutiert, quer durch alle Sektoren der Branche. „Mein Herz schlägt für die Banken“, sagt Bethke-Jaenicke.
Aber eben auch für den Rennsport, wie er gleich ergänzt. Poolparty blieb nicht das einzige Pferd der Familie. Heute stehen drei Vollblüter im eigenen Stall auf dem Grafenberg. „Diese Pferderasse strahlt so viel Eleganz, Schönheit und Dynamik aus“, schwärmt er. „Mich begeistert das. Da hat die Natur etwas Großartiges hervorgebracht.“ Beschäftige man sich näher mit der Materie, spüre man, wie wertvoll Galopprennen seien und wie wichtig die Gestüte und Züchter. Die Stimmen der Kritiker nimmt Bethke-Jaenicke wahr, kann sie aber schnell zum Schweigen bringen. „Die wenigsten wissen doch, dass unsere Veranstaltungen nicht der Belustigung dienen. Dieser Sport erfüllt einen gesetzlichen Auftrag“, erklärt er. „Galopprennen sind Leistungsprüfungen für die Zucht, damit man die besten Pferde herausfiltert. Ein Stück Kultur und gelebter Tierschutz. So bleibt eine Rasse erhalten.“
Durch regelmäßige Rennbahn-Besuche kannte man Dr. Alexander Bethke-Jaenicke auf dem Grafenberg seit Jahren. Gern luden er und seine Frau Gäste in die eigene Loge auf der Haupttribüne ein, die drei Kinder immer dabei. Nun hat er als Präsident an Renntagen viele Aufgaben und wenig Muße. Wie gut, dass sein 15-jähriger Sohn ihm beispringt, sich um die Gäste kümmert und Führungen durch die Anlage übernimmt. Die Begeisterung für den Galoppsport hat die ganze Familie erfasst.
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