Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Modestadt Düsseldorf. Der Begriff ist ein Label, das durchaus verpflichtet – zu Innovation, Entwicklung und Bekenntnis. Ein Gespräch über die damit verbundenen Herausforderungen mit Aline Müller-Schade, Geschäftsführende Gesellschafterin der „The Supreme Group“ sowie Erste Vorsitzende des Fashion Net-Vorstandes.
Die Erste Vorsitzende des Fashion Net-Vorstandes Aline Müller-Schade ist überzeugt vom Modestandort Düsseldorf.
Frau Müller-Schade, welche Vorteile bietet Fashion Net für Modetreibende und Mode-Events in Düsseldorf?
Der Verein Fashion Net Düsseldorf e. V. versteht sich als Innovationstreiber für die Modebranche und bündelt unter der Dachmarke „Düsseldorf Fashion Days“ (DFD) zweimal jährlich die Interessen der Branche, entwickelt diese weiter und prägt so die positive Entwicklung des Standortes Düsseldorf. In enger und proaktiver Zusammenarbeit mit den Mitgliedern und der Wirtschaftsförderung Düsseldorf werden die Synergien und unterschiedlichen Kompetenzen der einzelnen Akteure in vielfältige Konzepte umgesetzt. Fashion Net ist ein Ort des Austausches, eine Inspirationsplattform und nicht zuletzt ein Service-Angebot für Händler, Einkäufer und Partner. Last but not least geht es aber um noch viel mehr. Fashion Net ist einmalig in der Konstellation, die an anderen Standorten in Europa so nicht gelebt wird. Es gilt, gemeinsam den Mode-Business-Standort weiterzuentwickeln – es geht nicht um Partikular-Interessen.
Wie hat sich der Verein in den vergangenen Jahren entwickelt, und wo möchte man hin?
Fashion Net war, ist und bleibt eine verlässliche Anlaufstelle der Branche in Düsseldorf als fester Bestandteil während der DFD und auch darüber hinaus. Fashion Net überzeugt durch dynamische und neue Konzepte. Im letzten Jahr gab es einen Wechsel in der Vorstandsbesetzung – allem voran mit mir als Vorstandsvorsitzende und geschäftsführende Gesellschafterin der The Supreme Group. Auch weitere Posten wurden neu besetzt mit Theresa Winkels, Amtsleiterin der Landeshauptstadt Düsseldorf, Vertretern sehr engagierter Modeagenturen, starken Modemarken oder auch Ulrike Kähler, Geschäftsführerin der Igedo Exhibitions, die die Fashion-Messen im Areal Böhler veranstalten.
Wie würden Sie die Strahlkraft der Fashion Days einordnen, und wie wird sich die Veranstaltung 2024 präsentieren?
Die Düsseldorfer Fashion Days (DFD) sind einzigartig. Mit über 1.000 Labels sowie 600 Showrooms, die teilweise ganzjährig geöffnet sind, bietet der Standort eine einmalige Ausgangslage für erfolgreiche Ordergeschäfte. Die Wege sind kurz, und die Synergien zwischen allen Akteuren – den Orderplattformen und den Showrooms – werden optimal genutzt. Düsseldorf bietet mit den DFD ein konzentriertes Mode-Businessumfeld. Viele Brands sind über die Jahre fester Bestandteil dieser Veranstaltung geworden. Wo sich andere Konzepte in Deutschland immer wieder neu erfinden müssen, haben sich die DFD zwar weiterentwickelt, aber dennoch bewährt. Sie bieten Sicherheit im hektischen und intensiven Ordergeschäft, ohne ihre Attraktivität für den Modemarkt zu verlieren, indem sich alle Beteiligten der DFD den Marktgegebenheiten anpassen.
DFD heißt aber auch, gemeinsam und unter der Führung der Wirtschaftsförderung Düsseldorf die Mode in die Stadt zu tragen. Die jährliche DFD Festival Edition macht Mode für den Endverbraucher erlebbar und trägt zur Stärkung und Wahrnehmung des Standortes bei.
Düsseldorf blickt im Bereich Fashion auf eine lange Tradition zurück. Ist diese Tradition eher förderlich oder hinderlich für Start-ups in der Stadt, die in der Branche Fuß fassen wollen?
Die lange Tradition Düsseldorfs wird oft negativ interpretiert, weil man meint, die Stadt würde sich in Sachen Mode nicht weiterentwickeln und stehen bleiben. Das ist aber nicht der Fall. Tradition ist für uns eher positiv besetzt, denn sie bietet zum einen Kontinuität und zum anderen die nötige Expertise, von der gerade Gründer profitieren können. Tradition kann hier vielleicht im übertragenen Sinne als eine Art Mentor für Fashion-Start-ups gesehen werden.
Darüber hinaus bietet Düsseldorf die nötige Infrastruktur für Start-ups im Modebereich. Insbesondere die Dichte an ansässigen Modelabels, Showrooms, Medien, Branchenkennern und Entscheidern ist enorm. Hinzu kommt, dass Düsseldorf und auch das Land NRW eine starke Start-up-Kultur haben, von der man wechselseitig profitieren kann. Düsseldorf tut hier auch einiges, um Gründern Input für ihre Ideen zu geben. So findet beispielsweise einmal im Jahr die Start-up Week mit vielen spannenden Veranstaltungen statt. Networking-Veranstaltungen und Eventformate wie das monatliches Fashion Net Fashion Pack laden zum Austausch ein. Nicht zu vergessen sind auch die Fördermittel, die das Land zur Verfügung stellt.
Wie hat sich die Interpretation des Begriffs Mode in den vergangenen zehn Jahren verändert?
Interpretation lässt immer viel Spielraum. Mode ist und bleibt ein sehr spannendes Thema für die Konsumenten. Jedoch sind die Verbraucher weitaus besser informiert über Trends, was unter anderem den neuen Medien geschuldet ist. Das Einkaufsverhalten hat sich stark gewandelt. Verlässlich ist allein die Individualität der Konsumenten. Und es gilt, genau diese Anforderung zu bedienen, was wir mit unserem Portfolio an Top-Kollektionen auf der Supreme Women & Men Düsseldorf auch erfolgreich erreichen. Die Händler sind bei uns auf der Suche nach dem „Best of“ für die eigenen Kunden.
Welche Herausforderungen stellt das Abbilden der Modestadt Düsseldorf im digitalen Zeitalter dar?
Auch die Modestadt Düsseldorf kann sich dem digitalen Zeitalter nicht entziehen. Die Branche hat eine enorme Digitalisierung erlebt – nicht zuletzt durch die pandemiebedingten Veränderungen. Der Online-Handel hat sich gegenüber dem stationären Handel positioniert. Mode lebt aber von Haptik, Optik und Erlebnissen, die die Digitalisierung nicht immer abbilden kann. Für das Orderbusiness ist es unerlässlich, vor Ort in den Showrooms und bei den Labels und Unternehmen Trends zu sichten und zu schreiben. Prozesse wie Ordern, Nachbestellen et cetera können durch digitale Lösungen zusätzlich natürlich verschlankt werden. Düsseldorf hat es zudem geschafft, mit zahlreichen Events Kaufkraft in die Stadt zurückzuholen und den stationären Handel zu stärken. Dies nicht nur in der Innenstadt, sondern auch mit vielen kleinen Stadtteil-Events für kleine lokale Boutiquen und Labels.
Welche Halbwertszeit haben Trends im Modejahr 2023/24?
Die Halbwertszeit von Trends wird durch den Order-Rhythmus zwar vom Handel bestimmt, aber im Grunde ist es der Konsument selbst, der die Halbwertszeit bestimmt. Die Frage ist vielmehr, wie und wo investiert wird. Zeitlose, qualitativ hochwertige Stücke überdauern jeden Trend und lassen sich perfekt mit It-Pieces kombinieren. Und wenn wir uns die Modetrends der letzten Jahre anschauen, wird deutlich, dass alles irgendwann wiederkommt. Insofern gibt es für mich keine wirkliche Halbwertszeit von Trends.

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