Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Der Carlsplatz bekommt zurzeit ein Facelift. Bis Anfang April soll die Umgestaltung des beliebten Marktes abgeschlossen sein.

Hier aromatischer Lavendel, dort frischer Fisch und feines Fleisch, an einer anderen Stelle ofenwarmes Brot, erlesener Käse, frisch gerösteter Kaffee, eingelegte Oliven und duftende Blüten: Ein Gang über den Carlsplatz ist eine so olfaktorische Sensation wie eine optische. Denn auch die Farben der Produkte auf dem Wochenmarkt verbinden sich zu einem Einkaufserlebnis der besonderen Art. Und dieses wird jetzt noch schöner: Denn die Stadt gestaltet den Platz im Herzen der Metropole um. Bis Anfang April 2024 werden nicht nur die Gastronomieflächen auf der Südseite auf das Niveau des Platzes angehoben und die Gehwege verbreitert sein. Auch die Einbahnstraßenregelung wird durchgängig geregelt. Denn bislang konnten parkplatzsuchende Autofahrer noch an der Westseite bis zum heutigen Hulala einfahren, um dann dort meist umständlich wenden zu müssen.
„Auch die Verlegung des Taxistands an die Westseite wird die Aufenthaltsqualität erhöhen. Außerdem können die Gastronomiebetriebe gegenüber vom Platz damit mehr Außenplätze anbieten – das belebt den Markt zusätzlich“, sagt Heiner Röckrath. Seit 2014 lenkt er als Geschäftsführer der Karlsplatz GmbH die Geschicke des beliebten Marktes. „Insgesamt wird die Maßnahme, die in enger Absprache zwischen uns und der Stadt geschieht, die Verweildauer bei uns weiter erhöhen.“ Diese war durch den Umbau 1998, für den die Marktbeschicker für rund ein halbes Jahr auf den Gustaf-Gründgens-Platz zogen, bereits gestärkt worden. Die Glaspavillons für die Gastronomie auf dem Obermarkt, in denen zurzeit Dauser und Loft beheimatet sind, kamen 2002 hinzu.

Unter dem Stahl- und Glasdach des Markts flaniert es sich ungezwungen und angenehm, weil witterungsunabhängig „Man hat hier trotzdem ein echtes Open-Air-Gefühl“, sagt Michél Schier von Obst und Gemüse Schier. „Das betont den Begegnungscharakter des Marktes.“ Bereits seit rund 80 Jahren ist die Familie dort. Und aus dem Holzbrett, auf dem anfangs nur ein paar Gemüsesorten angeboten wurden, ist schon lange ein 20 Meter messender Stand geworden, geführt bereits in der vierten Generation. Und da die Familie französische Wurzeln hat, gibt es dort neben ausgewähltem Obst und Gemüse auch zahlreiche klassische Produkte aus Frankreich, darunter Käse oder Quark, französische Butter, Eier, Olivenöle und Co.
„Das Schöne am Carlsplatz ist seine enorme Stahlkraft – ohne ihn ist Düsseldorf nicht denkbar“, sagt sein Bruder Tobias. „Aus ganz NRW kommen Menschen hierher“, betont Michél Schier. „Es werden sogar Stadtführungen angeboten, die den Carlsplatz einschließen. Wir haben hier eine enorm große Spezialitätenvielfalt, und man kann alles auch in kleinen Mengen bekommen, ob ein Ei oder abgezähltes Suppengrün.“ Ob die neuen Lastenradstellplätze oft von ihren Kunden belegt sein werden, bezweifeln die beiden zwar. „Aber grundsätzlich ist es schön, wenn es hier weniger Autoverkehr gibt.“ Denn zur Umgestaltung gehört auch ein umfangreiches Mobilitätskonzept: Es wird neue Fahrradbügel, Sharing- und Car-Sharing-Stationen, Behindertenparkplätze, eine neue Ladesäule und mehr geben. Zudem wird der Platz barrierefrei, es werden neue Bäume gepflanzt, neue Sitzbänke aufgestellt, und die Toilettenanlage wird ebenfalls saniert.

Auch Inka Olek freut sich, dass der Platz noch schöner wird. „Ich liebe den Carlsplatz. Das ist der schönste Arbeitsort der Welt“, sagt die Händlerin, die seit acht Jahren auf dem Markt nicht nur feine Öle, Essige und Gewürze, sondern auch die passenden Rezepte dazu bereithält, und bei der die Kunden erst einmal probieren dürfen. „Allerdings fände ich es ganz toll, wenn es eine Möglichkeit wie ,Kiss and Fly‘ gäbe, wo man rasch aussteigen kann.“

Albors Javaheri ist seit 2015 mit Feinkost Fladi auf dem Carlsplatz: „Das Konzept, hier den Charakter einer Flaniermeile zu betonen, entspricht dem Zeitgeist“, sagt der Händler, der neben mediterraner Feinkost auch die sogenannten „Fladis“, also kreativ und individuell belegte Brote, anbietet. „Solche gemischten Angebote erhöhen die Verweildauer. Wochenmärkte sind im 21. Jahrhundert Plätze für die Kommunikation, zum Verweilen, dienen sogar der Naherholung“, sagt Röckrath. „Aber auch wenn die freie Fläche des Marktes durch die Umgestaltung größer wird, werden wir die Gastronomie nicht ausweiten“, betont er. „Sie ist zwar wichtig für den Carlsplatz, aber sollte nicht mehr als ein Drittel des Angebots ausmachen. Meine Aufgabe als Geschäftsführer ist es, eine gesunde Mischung zwischen gastronomischen und Marktangeboten zu erhalten. Denn der Sinn eines Wochenmarktes besteht darin, dass er hochwertige Lebensmittel bietet – bei uns ist jedes Gewerk dreimal vertreten, um Vielfalt zu garantieren“, sagt der 65-Jährige.
„Und unsere Wartelisten sind lang. Vor allem Gastromomen interessieren sich für den Carlsplatz. Ich könnte alle 60 Plätze damit füllen. Aber das wollen wir genauso wenig wie die Stadt.“ Und wer einmal hier ist, mag es auch bleiben – Marktbeschicker genauso übrigens wie Besucher. „Ein Umfrage hat gezeigt, dass 76 Prozent der Besucher den Carlsplatz für ein Stück Düsseldorfer Identität halten“, berichtet Röckrath. Dass das auch für ihn selbst gilt, versteht sich von selbst. Bereits seine Großeltern hatten hier einen Obst- und Gemüsestand. Er selbst ist auf dem Wochenmarkt groß geworden und hat wie seine Enkel heute – seine älteste Tochter Christina Stübner führt mit der Carlsplatzblume seit 2015 einen Blumenhandel am angestammten Platz – hier nach der Schule gespielt. „Und ich liebe es noch immer, auf dem Markt zu sein“, sagt Röckrath. „Wenn er sich dann zur Mittagszeit füllt, geht mir das Herz auf.“

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