Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Besondere Uhren sind für viele Menschen ein emotionales Thema – und für manche auch eine besondere Form der Geldanlage. Denn die Wertsteigerungen bestimmter Modelle können sich sehen lassen. Damit das klappt, müssen Anleger aber einige Regeln beachten.
Luxusuhren sind faszinierende Kunstwerke, und wenn man es richtig angeht, auch für Anleger interessant.
Die Uhrmacherei blickt auf eine lange Geschichte zurück. Marken wie Rolex, Patek Philippe und Audemars Piguet haben im Laufe der Jahre Meilensteine in der Welt der Horologie gesetzt. Und für viele Menschen sind Uhren wichtige Accessoires, bei manchen Männern sogar das einzige. Denn gerade Luxusuhren sind faszinierende Kunstwerke der Mechanik und des Designs – und können auch als rentable Investitionsmöglichkeiten betrachtet werden. Historisch gesehen haben bestimmte Modelle eine beträchtliche Wertsteigerung erlebt, und die Nachfrage nach Luxusuhren hat sich trotz globaler wirtschaftlicher Unsicherheiten weitgehend stabil gehalten, was ihre Attraktivität als Investition unterstreicht. Immer mehr Anleger betrachten Luxusuhren in Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten und starker Schwankungen an den Kapitalmärkten als sicheren Hafen und haben damit die Preise für bestimmte Modelle in die Höhe getrieben.
Das zeigt beispielsweise der Gesamtmarktindex von WatchCharts, ein Indikator für finanzielle Trends auf dem Markt für gebrauchte Uhren. Er setzt sich aus 60 Uhren der zehn wichtigsten Luxusuhrenmarken nach Transaktionswert zusammen und zeigt den durchschnittlichen Marktpreis dieser 60 Uhren (in US-Dollar) im Laufe der Zeit. Aktuell steht der Index bei rund 30.500 Dollar, das sind zwölf Prozent mehr als vor drei Jahren. Und das, obwohl die Preise für gebrauchte Luxusuhren zuletzt zurückgegangen sind.
Laut Finexity, einem Anbieter digitalisierter (tokenisierter) Sachwerte-Investments, liege das auch daran, dass die Zahl der Uhren auf dem Zweitmarkt im vergangenen Jahr stetig zugenommen habe. Im Dezember 2022 hätten die verfügbaren Bestände 50 Prozent über jenem zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr gelegen. Dennoch wuchs der Markt für gebrauchte Luxusuhren laut einer Studie von Boston Consulting 2022 auf 24 Milliarden US-Dollar. Zugleich erwartet die Unternehmensberatung bis 2026 ein weiteres jährliches Wachstum von neun Prozent auf insgesamt 35 Milliarden US-Dollar. Auch das „Handelsblatt“ berichtet, dass das Preisniveau im Gesamtmarkt für Luxusuhren heute noch deutlich über dem vor der Pandemie liege.
Um die potenzielle Wertsteigerung begehrter Luxusgüter an einem Beispiel zu verdeutlichen: Der Schauspieler Paul Newman ist vielen Menschen auch wegen des guten Stücks, das der 2008 verstorbene Schauspieler jahrelang am Handgelenk trug, bekannt: Die Rolex „Daytona“ (Referenz 6239) hat er 1983 zum 25. Hochzeitstag von seiner Frau Joanne Woodward erhalten. Vor einigen Jahren wurde die Uhr versteigert – für deutlich mehr als 17,5 Millionen US-Dollar. Eine andere Rolex „Daytona“ der Schauspiel-Legende wurde vor einigen Jahren für knapp 5,5 Millionen US-Dollar verkauft, und die Armbanduhr „Heuer Monaco“, die Steve McQueen im legendären Film „Le Mans“ (1971) trug, ging für mehr als 2,2 Millionen US-Dollar auf einer Auktion über den Tisch.
In einer Anfang 2023 durchgeführten Umfrage von Boston Consulting unter US-Konsumenten schnitten Uhren im Vergleich zu traditionellen Investments bei einer Reihe von Kriterien wie Preis, Risikoniveau, Übertragbarkeit, Preistransparenz und Widerstandsfähigkeit gut ab. Wohlhabende Anleger suchen der Studie zufolge nach alternativen Anlagen, um ihre Portfolios zu diversifizieren und sich gegen die Inflation abzusichern. Für diese und andere Anleger sind Luxusuhren laut Boston Consulting eine hervorragende Alternative, da sie stark nachgefragt werden und in den letzten fünf bis zehn Jahren allgemein eine gute Wertentwicklung auf dem Markt erzielt haben.

Das bestätigt auch Prof. Dr. Maximilian A. Werkmüller, Rechtsanwalt und Family Office-Experte in Düsseldorf und Professor für Family Office Management an der Allensbach Hochschule in Konstanz. „Luxusuhren haben sich zu einer etablierten Anlageklasse entwickelt. Sie werden als emotionaler, ästhetischer Sachwert gesehen, der unabhängig von den Entwicklungen der Kapitalmärkte interessante Wertzuwächse und vor allem Wertstabilität liefern kann. Besonders die großen Namen der Uhrenwelt stehen bei Anlegern hoch im Kurs. Wer ein besonderes, vielleicht limitiertes Modell einer renommierten Marke erwerben kann, kauft damit in der Regel auch einen substanzstarken Sachwert für sein Investmentportfolio.“ Das liege daran, dass die Luxusuhrenhersteller deutlich weniger Stücke produzierten, als der Markt nachfrage. Daher seien Luxusuhren für Anleger so interessant, die es sich leisten könnten, eine fünf- oder sogar sechsstellige Summe in eine Uhr zu investieren, um damit auf eine Preissteigerung hinzuarbeiten.
„Luxusuhren haben sich zu einer etablierten Anlageklasse entwickelt.“
Prof. Dr. Maximilian A. Werkmüller
Zugleich betont Maximilian A. Werkmüller, dass es eine Neigung zu diesem Segment brauche, um erfolgreich zu investieren. „Wer keinerlei Interesse an Uhren hat und sich damit nicht beschäftigen will, dem fehlen womöglich wichtige Informationen für seine Entscheidung bei einem Investment. Aus Anlagesicht rate ich daher dazu, sich bei einem Investment in eine Luxusuhr gut vom Fachmann beraten zu lassen und sich eingehend mit dem Markt zu beschäftigen. Es sollte zumindest sichergestellt sein, dass man die Uhr mit Freude trägt, auch wenn sie nicht die gewünschte Preissteigerung erzielt.“
In die gleiche Kerbe schlägt auch Patrick Mönnig, Geschäftsführer beim Juwelier Blome in Düsseldorf. „Modelle von Patek Philippe und Audemars Piguet, aber auch von Cartier weisen hohe Wertsteigerungen auf. Auch Uhren von Rolex sind grundsätzlich eine sichere Bank, genauso wie die bekannte ‚Speedmaster‘ von Omega. Eine Prognose, welche Uhr sich dafür eignet, ist aber immer eine Wette auf die Zukunft, wobei sich die positive Entwicklung auf dem Uhrenmarkt nicht auf einzelne limitierte Modelle beschränkt, was sich wiederum wertstabil auf bleibende Kollektionen auswirkt. Dass eine Uhr eines namhaften Herstellers ein Totalausfall wird, ist somit fast unmöglich.“ Zur Topliste der Uhren mit Wertzuwachs gehören neben der „Speedmaster“ von Omega laut Patrick Mönnig die Modelle „Datejust“, „Submariner“, „GMT-Master II“ und „Daytona Cosmograph“ von Rolex, die „Royal Oak“ von Audemars Piguet und die „Nautilus“ und die „Aquanaut“ von Patek Philippe.

Patrick Mönnig gibt auch Ratschläge zum richtigen Umgang mit den Investment-Uhren. „Wer seine Uhr täglich trägt und sie als Alltagsbegleiter schätzt, muss sich um die Lagerung der Uhr weniger Gedanken machen als derjenige, der die Uhr ausschließlich als alternatives Investment betrachtet. Für den täglichen Gebrauch eignet sich ein weiches Lederetui, das die Uhr vor Kratzern schützt, wenn sie nicht getragen wird. Wer eine Uhrensammlung von großem Wert besitzt und nicht jede Uhr regelmäßig tragen kann, für den kann ein Bankschließfach Sinn machen, das die Uhr auch bei Einbrüchen schützt, wenn Werte in dieser Höhe darin versichert sind.“ Spezielle Uhrenversicherungen springen unter anderem bei Diebstahl, Beschädigung sowie Sturz- und Bruchschäden ein und erstatten beispielsweise die Reparaturkosten oder den Wiederbeschaffungswert bis zur Versicherungssumme. Ebenso ergänzt der Blome-Geschäftsführer: „Wer später den bestmöglichen Preis erzielen möchte, der sollte außerdem den Werdegang der Uhr dokumentieren. Der Beleg des Kaufs sowie Reparaturen und Revisionen sollten nachvollziehbar sein. Echte Uhrenliebhaber tragen ihre Uhren und bringen sie regelmäßig zur Revision.“
Die große Beliebtheit bestimmter Modelle führt auch zu zum Teil erheblichen Wartezeiten – je renommierter eine Marke und je begrenzter die Stückzahlen, desto länger muss der Geduldsfaden sein. Es kann somit sogar mehrere Jahre dauern, bis ein Interessent seine Uhr erhält. Laut Patrick Mönnig übersteige die Nachfrage nach Uhren aus dem Premiumsegment seit Jahren das Angebot, sodass generell keine sichere Zusage für die Lieferzeit einer Luxusuhr gemacht werden könne.
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