Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Der Düsseldorfer Klimapakt hilft Unternehmen, ihren Energieverbrauch zu senken. Das Ziel: klimaneutral bis 2035. In diesem Jahr kamen einige große Firmen, aber auch Fortuna hinzu, sodass sich mittlerweile 67 Unternehmen beteiligen. Auch eine Auszeichnung gibt es schon.
Das erste Netzwerktreffen der 30 Düsseldorfer Klimapartner im TechHub.K67. Mittlerweile sind 67 Unternehmen dabei.
Nordrhein-Westfalen liegt oft weit vorn. Das Bundesland hat die meisten Einwohner, die meisten Bürgerbegehren und das höchste Bruttoinlandsprodukt. Es ist aber auch das Bundesland mit dem höchsten CO2-Ausstoß: Mit 217 Millionen Tonnen Treibhausgasen ist NRW für ein Drittel der CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich. Grund dafür sind unter anderem große Unternehmen aus der Energiewirtschaft. Als Standort zahlreicher Konzerne und Unternehmen hat Düsseldorf eine besondere Verantwortung. „Wir als Stadt möchten gemeinsam mit der Wirtschaft den großen Hebel nutzen, um den Wirtschaftsstandort ökologisch nachhaltig auszurichten“, sagt Theresa Winkels, Leiterin der Wirtschaftsförderung. Sie ist Mitinitiatorin des Düsseldorfer Klimapaktes, der im Oktober 2021 in Zusammenarbeit mit der IHK Düsseldorf, der Handwerkskammer Düsseldorf sowie der Kreishandwerkerschaft Düsseldorf ins Leben gerufen wurde. Das Ziel: klimaneutral bis 2035.
Unternehmen, die den Pakt unterzeichnen, erklären sich bereit, sich für den Klimaschutz zu engagieren. Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft sei zentral, betont Winkels. Dieser Sektor gehöre zwar zu den größten Kohlendioxid-Emittenten, habe aber in der Vergangenheit mit 70 Prozent Minderung der CO2-Emissionen den höchsten Reduktionsbeitrag geleistet und sich intensiv mit Innovation und Transformation auseinandergesetzt. Das Teilen des Wissens, wie eine Klimawende gelingen kann, ist entscheidend. „Die Wirtschaft ist damit zwar Herausforderung, aber gleichzeitig auch Teil der Lösung“, sagt sie.
„Die Wirtschaft ist zwar Herausforderung, aber gleichzeitig auch Teil der Lösung.“
Theresa Winkels
In den vergangenen zwei Jahren haben sich über 65 Unternehmen dazu entschieden, Klimapartner der Stadt zu werden, darunter große Konzerne, aber auch der Handwerksbetrieb von nebenan. „Die einzige Bedingung ist, dass das Unternehmen in Düsseldorf ansässig ist. Ansonsten ist jeder willkommen“, betont Theresa Winkels. 2023 war ein besonders gutes Jahr für den Klimapakt. Den Start machte Teekanne, im Februar unterzeichneten sowohl Henkel als auch BASF die fünfseitige Klimaschutzvereinbarung. Im April schloss sich der Flughafen Düsseldorf dem Pakt an, im Juni folgte mit Fortuna Düsseldorf der erste Verein, der seine Nachhaltigkeitsstrategie weiterentwickeln will. Henkel, mit dem weltweit größten Standort in Düsseldorf, hatte bereits im vergangenen Jahr einen wichtigen Schritt in Richtung Klimaschutz getan: Als erstes Unternehmen speist es industrielle Abwärme aus dem eigenen Kraftwerk in das Fernwärmenetz der Stadtwerke Düsseldorf ein.
Es müssen aber nicht immer die großen Maßnahmen sein, erklärt Winkels. Kleine Handwerksbetriebe und inhabergeführte Geschäfte hätten oft nicht die finanziellen Mittel, drastische Änderungen vorzunehmen. Und das müssen sie auch gar nicht: Im Rahmen des Klimapaktes formuliert jedes Unternehmen seine Ziele, je nach Möglichkeiten, selbst. Im ersten Schritt besonders effektiv sei zum Beispiel die Umstellung auf LED-Lampen, die 86 Prozent weniger Strom als klassische Glühbirnen verbrauchen – gerade bei großen Räumlichkeiten könne so viel gespart werden. Auch Photovoltaik-Anlagen und E-Autos werden immer beliebter. In wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten müssen Unternehmen Investitionen, besonders in den Klimaschutz, präzise planen. Obwohl dies anfangs kostspielig ist, zahlt es sich auf lange Sicht meist aus, so Theresa Winkels.

Der Weg zur Klimaneutralität soll mit dem Einstieg in den Klimapakt den Unternehmen so leicht wie möglich gemacht werden. Klimapartner zu werden, ist simpel: Nach der Unterzeichnung des Klimapaktes haben Unternehmen bis zu 15 Monate Zeit, um eine Klimabilanz zu erstellen und konkrete Maßnahmen zu formulieren, mit denen CO2-Emissionen reduziert werden sollen. Auf Wunsch werden sie dabei von einem externen Berater unterstützt, etwa die Hälfte aller Unternehmen nutzt diesen kostenlosen Service bereits. „Die Kompetenz stellen wir zur Verfügung“, sagt Theresa Winkels. Nach fünf Jahren erfolgt ein Monitoring, um zu überprüfen ob die Ziele erreicht sind, doch es besteht kein Zwang. „Wir setzen auf Freiwilligkeit. Im Austausch zu bleiben, voneinander zu lernen und Erfahrungen zu teilen sind für uns die wichtigsten Leitmotive im Klimapakt“, betont sie.
Genau das geschieht in den regelmäßigen Austauschformaten des Kooperations-Netzwerks, das Unternehmen durch den Klimapakt zugänglich wird. Bei den Netzwerktreffen werden Informationen zu relevanten Themen bereitgestellt und beraten. „Diese Kooperation ermöglicht es den Unternehmen, wirtschaftliche Investitionen in Klimaschutz auf solider Datenbasis zu planen und umzusetzen“, lautet das Versprechen im Pakt. Außerdem sei es motivierend, sich gemeinsam für eine gute Sache einzusetzen. „Klimaneutralität bis 2035 ist ein ehrgeiziges Ziel. Aber wir sind auf einem guten Weg.“ Einer, der sich jetzt schon bewährt hat. Denn für den Klimapakt wurde die Landeshauptstadt im November dieses Jahres als „Klimaaktive Kommune 2023“ ausgezeichnet. Der Wettbewerb wird vom Deutschen Institut für Urbanistik in Zusammenarbeit mit der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz ausgeschrieben. Die 25.000 Euro Preisgeld werden in Klimaprojekte investiert, die den Klimaschutz fördern.
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