Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Vor Kurzem wurde Olaf Wagner vom Rat der Stadt Düsseldorf zum Beigeordneten für Personal, Organisation und Digitalisierung gewählt. Damit trat er die Nachfolge von Dr. Michael Rauterkus an. Seinen Dienst wird er – so sieht es die Wahl vor – in den kommenden acht Jahren ausüben. Der 55-Jährige bringt ein Bündel an beruflichen Erfahrungen mit in die neue Aufgabe, ist also gut gewappnet.
Olaf Wagner ist der neue Beigeordnete für Personal, Organisation und Digitalisierung der Stadt.
Auf die Frage, wie die ersten Wochen im neuen Job waren, muss Olaf Wagner lachen. „Ich bin ja kein Berufsanfänger“, sagt er. Aber trotzdem sei er tatsächlich ein wenig aufgeregt gewesen. Seine berufliche Karriere vergleicht er mit einer großen Reise, in der immer neue Etappen
anstehen. „Man kennt sich mit dem Reisen aus, findet sich zügiger zurecht, dennoch ist alles neu“, erklärt er. Die „Aufregung“, die Wagner mit dem Lampenfieber eines Künstlers vor dem Auftritt vergleicht, hat für ihn auch mit dem Respekt vor den Bürgern der Stadt Düsseldorf zu tun, für deren Belange sich einzusetzen er angetreten ist.
„Dezernent zu werden, war kein Karriereplan“, sagt Wagner. Er empfindet die Wahl als eine „große Ehre und einen Vertrauensvorschuss“. Ihr waren eine offizielle Bewerbung und ein ausführliches Bewerbungsverfahren vorausgegangen, das von einem externen Personalberatungsunternehmen durchgeführt wurde. Die ersten Wochen im neuen Amt vergingen für den neuen Dezernenten mit einer Vielzahl von Gesprächen und der Analyse der aktuellen Situation im Zusammenhang mit den Aufgaben seines Dezernates, allem voran Personal, Organisation und Digitalisierung. In den Diskussionen mit den erfahrenen Kollegen habe sich in seinem Kopf das Puzzle seiner Aufgaben zusammengesetzt. „Ich bekomme ein Zielbild“ – so nennt er das. Die Gespräche zeigen, was bei Olaf Wagner an erster Stelle steht: Kommunikation, und dann kommen die Zahlen.
Um das Dezernat für Personal, Organisation und Digitalisierung mit seinen vielfältigen Aufgaben und Arbeitsbereichen erfolgreich zu organisieren, bedarf es guter Amtsleiter und Mitarbeiter: „Menschen in der zweiten Führungsebene“, so Wagner, denn er ist angewiesen auf die Macher an seiner Seite. Um das Dezernat zu führen, hilft ihm seine Kommunikations-Fähigkeit. Wichtig sind Wagner Klarheit und Transparenz, wobei er sich, seine Aufträge und Ziele stets hinterfragt. Die Ziele müssen klar definiert und beschrieben sein. Wagner ist ein Freund von Zielvereinbarungen, die den Prozess ihrer Erfüllung „mit Meilensteinen und Messpunkten“ beschreiben. Olaf Wagners Berufserfahrung hat dafür ein gutes Fundament gelegt: Während seiner Arbeit in der Bundesagentur für Arbeit beispielsweise habe er viel über Zielsteuerung erfahren. Und als Büroleiter des Oberbürgermeisters Dr. Stephan Keller habe er gelernt, flexibel auf die unplanbaren täglichen Herausforderungen zu reagieren. Was ihm hilft ist, sich das Lachen über sich selbst zu erhalten und den Rat eines ehemaligen Vorgesetzten anzunehmen, der sagte: „Hüte Dich vor dem Cäsarenwahn.“ Man müsse sich stets eine gewisse Demut bewahren.
„Wir reihen uns ein in die Schlange vieler Arbeitgeber.“
Als eine der größten Herausforderungen in seinem neuen Job nennt er – noch vor der Frage nach der Weiterentwicklung der Digitalisierung – die Personalentwicklung. Die Stadt Düsseldorf bildet pro Jahr 550 Auszubildende in den unterschiedlichsten Berufsbereichen aus. Zudem wird sie am Ende des Jahres mehr als 1000 externe Einstellungen vorgenommen haben – trotzdem gibt es noch freie Stellen. „Wir müssen uns personell so aufstellen, dass wir auch in zehn Jahren noch unsere gesamten Dienstleistungen anbieten können“, gibt Olaf Wagner zu bedenken. 2030, weiß er, sind von den heute beschäftigten Menschen fast 40 Prozent nicht mehr im Dienst. Damit gingen auch Kompetenz und Berufserfahrung. Der größte Teil der Arbeit könne nicht auf Maschinen verlagert werden: Feuerwehr, Ordnungsdienst, Kindertagesstätten, Gesundheitsbereich, der öffentliche Dienstleistungssektor – überall dort müssten Menschen sitzen.
Das heißt, das Dezernat muss sich um Nachwuchs kümmern. Mit der Werbebotschaft „Stell´ dir vor, du …“ versucht Wagner, junge Menschen für eine Ausbildung und junge Erwachsene für einen der vielen Jobs bei der Stadt Düsseldorf zu gewinnen. Es fehlen Fachkräfte in den MINT-Bereichen sowie im Gesundheitswesen – „da reihen wir uns ein in die Schlange vieler Arbeitgeber“. Junge Menschen mit einem guten Abschluss könnten sich die Stellen aussuchen. „Wir müssen uns dem Konkurrenzkampf stellen.“ Das tun sie auch mit „schrägen Ideen“: So sind zwei von Wagners Mitarbeitern einen Tag lang in einer Kabine des Riesenrads mitgefahren und haben junge Menschen beruflich beraten.
Die Digitalisierung ist eine weitere Herausforderung: Die Stadt Düsseldorf steht an Stelle 21 in der Liste der „Deutschen Städte als Vorreiter bei Digitalisierung und Vernetzung“. „Natürlich ist mir so etwas nicht egal“, sagt Wagner. Aber sein professioneller Blick auf diese Statistik relativiert die Aussage. Denn die Übersicht setzt sich aus 157 Einzelkriterien zusammen. Der Bereich Verwaltung zum Beispiel, so Wagner, stehe bundesweit in Sachen Digitalisierung auf Platz 3. Natürlich sieht er die Notwendigkeit, dass die Landeshauptstadt einiges tut: „Wir müssen weitermachen, die anderen schlafen ja auch nicht.“ Die digitale Strategie für die Stadt geschehe in Abstimmung zwischen Verwaltung und Politik. Bis zum Ende des Jahres wird es eine Aufstellung geben, was mit den finanziellen und personellen Ressourcen machbar ist. Digitalisierung dürfe kein Selbstzweck sein. Ziel der Digitalisierung sei eine leichtere Kommunikation der Bürger mit der Verwaltung und eine erleichterte Arbeitsorganisation für die Mitarbeiter.
Olaf Wagner freut sich auf spannende Debatten, er freut sich darauf, dass die Ideen aus der „Wolkenwelt“ herausgehen und erfolgreich realisiert werden. Dann werde er mit seiner Mannschaft die Erfolge feiern.
Er lebt in Mönchengladbach und pendelt zu seinem Arbeitsplatz. Da er viel Zeit in Düsseldorf verbringt, erfährt er eine Menge über die Stadt. Und ein Blick über den Tellerrand, so Wagner, sei manchmal hilfreich. Über den Teller schaut der in Düsseldorf arbeitende Mönchengladbacher auch fußballtechnisch: Er ist Besitzer einer Dauerkarte des 1. FC Köln.
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