Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Das gab es im Düsseldorfer Karneval seit 25 Jahren nicht mehr: Die Regenten der Session 23/24 sind auch im echten Leben ein Paar. Uwe und Melanie Willer wohnen in Oberkassel und streifen gern durch ihr Viertel.
„Unsere Wohnung in Oberkassel ist die erste, die wir gemeinsam geplant und eingerichtet haben, da blieb beim Umbau kein Stein auf dem anderen“, erzählt das Paar, das 2019 geheiratet hat. „Das macht sie für uns auch so besonders. Auch das Sofa haben wir zusammen gesucht und gefunden. Wir verliebten uns sofort in dieses bequeme, großzügige Möbelstück, waren aber unsicher, ob es wirklich hierher passte. Dann stand es, und es war perfekt. Es ist so positioniert, dass wir den Blick nach draußen in den Garten genießen können.“
Die Spannung steigt. Bei der Prinzenkürung im November verwandelten sich Uwe und Melanie Willer in Prinz und Venetia. Damit wurden sie zu Herrschern über das närrische Volk in Düsseldorf. Bald bekamen sie einen ersten Vorgeschmack auf die turbulenten Zeiten, die vor ihnen liegen. Die Weihnachtspause bedeutet ein letztes Atemholen, bevor sie ihre ganze Energie und gute Laune brauchen, wenn ein Termin den nächsten jagt und die Session auf den Höhepunkt zusteuert – den Rosenmontag. „Das wird bestimmt großartig“, sagt die Venetia. „Obwohl ich noch gar nicht so gern daran denke, weil es dann schon das Ende ist.“ Worauf freut sich der Prinz am meisten? „Ein paar erwartbare Höhepunkte sind sicher die Veranstaltungen bei unseren Heimatvereinen Blau-Weiss und der KG Regenbogen“, antwortet er.
„Wir wissen aber auch, dass es noch weitere Höhepunkte geben wird. Solche, die man nicht kommen sieht, die uns total überraschen oder berühren und gerade deshalb eine besondere Wirkung entfalten.“ Beide erwarten „eine steile Lernkurve“, sobald es richtig losgeht. Freies Reden vor Publikum ist ihnen nicht ganz fremd, ein zusätzliches Coaching macht sie fit für die große Bühne. Venetia Melanie hat sich bei ihrer Vorgängerin mit einigen Ratschlägen eingedeckt und beizeiten über ihre Roben nachgedacht. Beim Einzug in jeden Saal werden alle Augen auf sie gerichtet sein. „Man kann diese Rolle ja ganz unterschiedlich bespielen“, sagt sie, „angefangen bei der Prinzessin im schönen Abendkleid.“
Sich aus ihren Jobs eine Weile auszuklinken, fällt beiden nicht allzu schwer. Diplom-Betriebswirt Uwe Willer führt mit der Blackbear Real Estate GmbH seine eigene Company, arbeitet als Entwickler von gewerblichen Bestandsimmobilien. „Wir kaufen sie und machen sie schön“, erklärt er und lacht. Melanie Willer ist ausgebildete Hauswirtschafterin mit Studium der Oectrophologie. Heute ist sie in der Bereichsleitung der Café-Bäckerei in der Kantine im Südpark, zu der die Werkstatt für angepasste Arbeit gehört.
Schon der Beginn ihrer Verbindung hatte mit dem Karneval zu tun. Uwe Willer war der „Sellerieprinz“ der Närrischen Marktfrauen, Melanie deren Präsidentin. „Als die Session endete, bedauerten wir das sehr. Bis wir merkten, dass dieses Gefühl nicht allein dem Karneval galt. Danach hat’s zwischen uns gefunkt.“ Das gemeinsame Erleben als Prinz und Venetia sei eine glückliche Fügung. Und praktisch obendrein: „Als Paar kann man sich besser auf kurzen Wegen abstimmen, das macht jede Vereinbarung leichter.“ Beide haben aus vorherigen Verbindungen erwachsene Kinder. „Die freuen sich mit uns“, berichten die Willers. „Den Rosenmontag wollen wir mit der ganzen Familie zelebrieren. Daran werden sich alle ein Leben lang erinnern.“
„Für mich ist der Brunnen am Barbarossaplatz mit vielen schönen Kindheitserinnerungen verbunden“, sagt Melanie Willer. „Ich wuchs an der Lanker Straße auf und war stolz, wenn ich als Kind draußen spielen und ganz allein die Welt erkunden durfte.“ Während der Pandemie wurde der Brunnen auf wundersame Weise zum Anziehungspunkt für Leute aus dem Viertel. „Zu Hause war ja lange kein Besuch erlaubt“, sagt Uwe Willer. „Also haben wir uns hier so manches Mal beim Weinchen getroffen und miteinander geplaudert. Das tat gut.“
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