Leise Revolution auf vier Rädern
Wer heute beispielsweise auf der Düsseldorfer Schloßstraße unterwegs…
Die Rheinische Post ehrte – wie schon im Vorjahr im Ständehaus – die Düsseldorfer des Jahres, und zwar zum insgesamt bereits 14. Mal. Helene Pawlitzki und Wolfram Kons moderierten die stimmungsvolle Gala, in der Preisträger in sieben Kategorien vor den Augen von Vertretern der Stadtgesellschaft ausgezeichnet wurden.
Strahlende Gesichter zum Abschluss einer äußerst gelungenen Preisverleihung
Das Ständehaus mit seinem gläsernen Kuppeldach bot wie schon im Vorjahr eine würdevolle, glanzvolle Kulisse für die Preisverleihung, bei der traditionell Menschen geehrt werden, die sich in besonderer Weise um die Landeshauptstadt verdient gemacht haben. Bei der von Helene Pawlitzki (Rheinische Post) und Wolfram Kons (RTL) moderierten Gala kam Düsseldorfer Lokalkolorit ebenso zum Tragen wie nationale Prominenz und Weltgeschehen.
Die Preisträger wurden von Jury-Präsident Johannes Werle, Vorsitzender der Geschäftsführung der Rheinische Post Mediengruppe, gemeinsam mit Partnern sowie Sponsoren und der Landeshauptstadt Düsseldorf gewählt.
Die Verleihung des Sonderpreises sorgte für den großen Gänsehaut-Moment des Abends. Der ging an Iryna Shum, die Generalkonsulin und damit höchste Vertreterin der Ukraine in der Stadt, für ihren unermüdlichen Einsatz für ihre geflüchteten Landsleute. Als sie die Bühne nach der Laudatio von Oberbürgermeister
Dr. Stephan Keller betrat, erhoben sich die geladenen Gäste erstmals an diesem Abend mit großem Applaus von ihren Sitzen. „Ich danke den Menschen, die ihre Herzen und Häuser für uns geöffnet haben“, sagte Shum sichtlich gerührt.
In der Kategorie „Wirtschaft“ ging der Preis an Dr. Simone Bagel-Trah. Sie steht als erste Frau als Aufsichtsratsvorsitzende an der Spitze des einzigen Düsseldorfer Dax-Unternehmens Henkel und führt das Familienunternehmen. Stellvertretend für alle Schüler des Projekts „Düsselrein“ nahmen Till Huhn und Tim Kunkel vom Düsseldorfer Max-Planck-Gymnasium den Preis in der Kategorie „Innovation und Nachhaltigkeit“ entgegen. Die Abiturienten, die gerade mitten in den Abschlussprüfungen steckten, hatten ein Konzept entwickelt, um aus Altbier Seife herzustellen.
Weit über Düsseldorf hinaus strahlt das Wirken von Sönke Wortmann. Der Regisseur bezeichnet Düsseldorf als Wahlheimat und hat neben seinen Filmen bereits zahlreiche Stücke im Düsseldorfer Schauspielhaus inszeniert. Für sein Wirken erhielt der 63-Jährige den Düsseldorfer des Jahres in der Kategorie „Kultur“.
Als Düsseldorfer des Jahres in der Kategorie „Sport“ wurden die erfolgreichen Tanzsportler Renata und Valentin Lusin ausgezeichnet, die unter anderem aus der RTL-Show „Let’s Dance“ bekannt sind. Ihnen überreichte Let’s Dance-Juror und Tanzprofi Joachim Llambi, der wie das Tanz- und Ehepaar im TD Düsseldorf Rot-Weiss aktiv ist, die begehrte Auszeichnung.
Für den Verein Krass nahm dessen Gründerin Claudia Seidensticker den Preis in der Kategorie „Ehrenamt“ entgegen. Seit 2009 kümmert sich Krass besonders um kulturelle und soziale Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, etwa mit einem kostenlosen Nachhilfeangebot und mit zahlreichen Aktionen und Projekten im Düsseldorfer Stadtgebiet.
Den atemraubenden Schlusspunkt setzte Lili Paul-Roncalli mit einer Artistik-Darbietung der Extraklasse. Zuvor war ihr Vater, Roncalli-Gründer und Gründer des Düsseldorfer Apollo Varietés Bernhard Paul, für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Der 75-Jährige gebürtige Österreicher, bekannt als Clown Zippo, kommentierte die Auszeichnung gewohnt trocken humorvoll. „Ein Wiener, der in Köln wohnt, wird Düsseldorfer des Jahres.“ Darüber wolle er dann doch noch mal nachdenken.
Mit 28 Jahren ging für Bernhard Paul (r.) ein Traum in Erfüllung: Gemeinsam mit André Heller legte er 1975 in seinem Heimatland Österreich den Grundstein für den legendären Circus Roncalli. Das erste Kapitel einer fast 50-jährigen Erfolgsgeschichte. „Von einer Person, die drohte, unter einer Brücke oder im Zirkus zu enden, zum Düsseldorfer des Jahres ist schon eine tolle Auszeichnung meiner Arbeit. Aber es ist auch gleichzeitig die Bestätigung einer ganzen Zunft, und dass man es auch als Zirkusclown zu etwas bringen kann“, sagt der 75-Jährige. Nach einem Streit mit Heller schlug der leidenschaftliche Zirkusmensch seine Zelte in Köln auf. Dort trat er auch in seiner Lieblingsrolle, als Clown Zippo, auf und begeisterte das Publikum. Seit 1997 ist Paul Betreiber von Roncalli’s Apollo Varieté Theater in Düsseldorf.
Laudator Michael Käfer (l.), Münchener Feinkosthändler und Oktoberfest-Wirt: „All die vielen Projekte, die Bernhard Paul macht, unter anderem das Apollo-Varieté in Düsseldorf, sind voll von unendlicher Kreativität und Detailverliebtheit. Die vielen Kleinigkeiten, die man dort entdeckt, transportieren uns in eine wunderbare Traumwelt.“
Er hatte nicht genug Talent und Ehrgeiz, um Fußballprofi zu werden. Also wechselte Sönke Wortmann (l.) ins Filmgeschäft. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte. Heute zählt der in Marl geborene Ausnahmekünstler zu den erfolgreichsten und begehrtesten Filmregisseuren Deutschlands. Mit Kultfilmen wie „Allein unter Frauen“, „Kleine Haie“, „Die Päpstin“ oder „Das „Wunder von Bern“ zog er Millionen von Zuschauern in die Kinos. Mit 6,5 Millionen Zuschauern war „Der bewegte Mann“ einer der erfolgreichsten deutschen Nachkriegsfilme. Mit seinen Inszenierungen „Willkommen“ und „Menschen im Hotel“ am Düsseldorfer Schauspielhaus sorgte er für Furore. Seit 2001 lebt das Allroundtalent mit seiner Familie in der Landeshauptstadt. „Ich bin schon seit über 20 Jahren Bürger dieser Stadt und habe die rege Düsseldorfer Kulturszene schätzen gelernt“, sagt Wortmann.
Laudator Serkan Kaya (r.), Schauspieler: „Ich hätte ihm den Preis vielleicht schon zehn Jahre früher gegeben. Früher oder später wird er auch den Preis für sein Lebenswerk bekommen ‒ müssen. Sönke Wortmann ist einer der bedeutendsten Regisseure, die wir haben.“
Seit 14 Jahren ist Iryna Shum im diplomatischen Dienst des ukrainischen Außenministeriums. Nach ihrer dreijährigen Tätigkeit im Generalkonsulat der Ukraine in München kam sie im Juni 2021 an den Rhein, wo sie sich bis heute als ukrainische Generalkonsulin in Düsseldorf engagiert. Neben der Förderung der deutsch-ukrainischen Beziehungen wollte sich Iryna Shum vor allem für die Förderung von ukrainischer Kultur in Nordrhein-Westfalen einsetzen. Doch seit dem Kriegsausbruch haben sich ihre Ziele und Aufgaben maßgeblich verändert. „Diese Auszeichnung ist für mich die Würdigung der engagierten Arbeit meiner acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den zurückliegenden Monaten. Sie helfen den Menschen, die jeden Tag ins Generalkonsulat kommen, weil sie dringend Unterstützung benötigen“, sagt Shum. Seit dem 24. Februar 2022 geht es für die Generalkonsulin und ihr Team jeden Tag um die existenzielle Not ihrer ukrainischen Landsleute.
Laudator Dr. Stephan Keller, Oberbürgermeister Landeshauptstadt Düsseldorf: „Durch ihre Tatkraft, ihren Kampfgeist, ihre Unerschrockenheit, ihren unermüdlichen Einsatz hat mich Iryna Shum beeindruckt. Besonders bemerkenswert finde ich ihren unerschütterlichen Optimismus.“
Als tanzendes Ehepaar wurden Renata und Valentin Lusin deutschlandweit durch die RTL-Tanzshow „Let‘s Dance“ bekannt. Sie lernten sich beim Tanzen in Düsseldorf kennen und lieben. Gemeinsam hat das Tanzpaar sämtliche Titel und Auszeichnungen abgeräumt, die man im Amateur- und Profitanz erringen kann. Mit dem Weltmeistertitel im Standardshowtanz beendeten sie im Oktober 2021 ihre internationale Profikarriere. Heute arbeiten sie als Trainer, Wertungsrichter und Choreografen. „Die Auszeichnung hat uns Gänsehaut beschert, und wir haben tatsächlich ein paar Freudentränchen verdrückt. Das hat sich richtig gut angefühlt. Natürlich haben wir sofort unsere Familie und Freunde darüber informiert, dass wir mit diesem tollen Preis bedacht wurden“, sagen Renata und Valentin Lusin.
Laudator Joachim Llambi (r.), ehemaliger Profitänzer, Börsenmakler und Juror bei „Let’s Dance“: „Renata und Valentin sind hier fest verwurzelt und seit mehr als 20 Jahren echte Düsseldorfer. Ich bin stolz, dass der Tanzsport auch durch die beiden in der breiten Öffentlichkeit so einen Anklang findet.“
Als Gründerin des Düsseldorfer Vereins Krass ist Claudia Seidensticker angetreten, benachteiligten jungen Menschen nicht nur Kunst und Kultur näherzubringen, sondern sie auch in diesem Bereich zu fördern und zu unterstützen. Krass steht dabei für „Kinder, Riesen, Atelier, Super, Samstag“ und geht auf das erste Projekt der dreifachen Mutter zurück: Gemeinsam mit 163 Düsseldorfer Jungen und Mädchen hatte die Künstlerin damals eine 60 Meter lange Leinwand in einem Straßenbahndepot bemalt. So entstand nicht nur das im Guinness-Buch der Rekorde festgehaltene „größte Kinderatelier der Welt“, sondern auch die Idee zur Vereinsgründung. „Ich möchte auch in Zukunft erreichen, dass möglichst vielen Kindern kulturelle Bildung kostenlos zuteilwird. Gerade bei Kindern aus sozial schwachen oder bildungsfernen Familien ist dies enorm wichtig“, sagt Claudia Seidensticker.
Laudator Selim Varol, Unternehmer, Gastronom und Sammler: „Es war noch nie wichtiger, dass wir unsere Kinder dahin bringen, kreativ zu denken. Dank Claudia Seidensticker wird diese Stadt, dieses Land und auch die ganze Welt ein besserer Ort.“
Bier wird nach Erreichen des Verfallsdatums weggeschüttet. Dass es zu schade für den Gully ist, das dachten sich Schüler des Max-Planck-Gymnasiums und gründeten die Schülerfirma „Düsselrein“. Ziel der nachhaltigen und innovativen Schülerfirma ist die handgefertigte Produktion von Naturseife auf Basis von Kokos- und Olivenöl sowie konzentriertem Altbier. „Wir waren von Anfang an davon überzeugt, dass sehr viel Potenzial in unserer Idee steckt“, sagen Geschäftsführer Tim Kunkel (r.) und Marketing-Chef Till Huhn. Die Jugendlichen aus der Jahrgangsstufe 11 und 12 gaben Aktien mit einem Nennwert von zehn Euro heraus, um die notwendigen Materialien kaufen zu können. Auch Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller wurde zum Aktionär von Düsselrein. „Unsere harte gemeinsame Arbeit im Team war dadurch von Erfolg gekrönt“, sagen Tim Kunkel und Till Huhn. Beim Bundeswettbewerb „Beste Schülerfirma“ belegten die Düsseldorfer Schüler einen sensationellen zweiten Platz.
Laudatorin Mona Neubaur, NRW-Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie: „Statt etwas wegzuwerfen, haben diese jungen Leute das umgesetzt, was sie im Unterricht gelernt haben. Daraus ist ein Erfolgsmodell geworden. Wenn wir es alle so hinkriegen, Rohstoffe zu Wertstoffen zu machen, dann ist mir um die Zukunft nicht bange.“
Als Simone Bagel-Trah (r.) 2001 in den Aufsichtsrat des Düsseldorfer Traditionsunternehmens Henkel kam, war es in Deutschland noch nicht üblich, dass Frauen in solchen Positionen arbeiten. Nach acht Jahren im Aufsichtsrat übernahm die Ururenkelin von Firmengründer Fritz Henkel in diesem Gremium den Vorsitz. Darüber hinaus wurde die 54-Jährige bis 2024 zur Vorsitzenden des Gesellschafterausschusses gewählt. Seit neun Jahren sitzt Simone Bagel-Trah zudem im Aufsichtsrat der Bayer AG und der Heraeus Holding. „Die Auszeichnung hat für mich einen ganz besonderen Stellenwert, weil der Preis eine Würdigung der persönlichen Art ist. Ich verbinde mit Düsseldorf unglaublich viel. Ich bin hier geboren und hier zur Schule gegangen. Daher engagiere ich mich auch gerne in und für meine Heimatstadt“, sagte die Mutter zweier Kinder. Nach ihrem Biologiestudium an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn promovierte sie 1998 im Fachbereich Mikrobiologie. Vor drei Jahren wurde sie von der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) und vom Manager Magazin als einflussreichste Frau der deutschen Wirtschaft des Jahres 2019 sowie als „Prima inter Pares 2019“ ausgezeichnet.
Laudatorin Simone Menne (l.), Top-Managerin, Aufsichtsrätin und Galeristin: „Simone Bagel-Trah wurde schon so oft so verdient gelobt und ausgezeichnet. Sie setzt sich durch, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Sie hört zu, aber sagt dann auch, wo es langgeht. Ohne diese Fähigkeit hätte sie es nicht geschafft, ein so tolles Familienunternehmen wie Henkel zu führen.“
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