Geldanlage für die gute Sache

Die Folgen des Klimawandels spüren die Menschen auch hierzulande immer stärker, ob als Hitzeperiode wie im vergangenen Jahr oder als Flutkatastrophen. Der Druck auf die Politik wird immer stärker, endlich mehr zu tun. Doch alle sind gefordert, jeder einzelne, aber auch Unternehmen und die Wirtschaft insgesamt. Zumal die Baustellen noch viel mehr umfassen als die Bewältigung des Klimawandels. Es geht um Nachhaltigkeit in einem umfassenden Sinne.

Das Bewusstsein dafür schärft sich zusehends. Die Verbraucher achten darauf, dass Tiere artgerecht gehalten werden, dass Produkte nicht mithilfe von Kinderarbeit hergestellt werden. Waffenproduzenten haben es ebenfalls immer schwerer, und auf Nachrichten von Korruption und schlechtem Umgang mit Mitarbeitern reagiert die Öffentlichkeit heftig. Um Nachhaltigkeit umfassend zu definieren, hat sich ein Kürzel eingebürgert: ESG. An Unternehmen und Produkte werden Kriterien angelegt, die Umwelt- und soziale Aspekte (Environment, Social) sowie die gute Unternehmensführung (Governance) berücksichtigen.

Nicht nur die Wirtschaft stellt sich dieser Herausforderung, auch die Finanzbranche. Zum einen erwarten die Anleger, dass Finanzprodukte nur in nachhaltige Investments fließen. Außerdem drängt die politische Regulierung die Anbieter immer mehr in diese Richtung. So wächst der Markt für nachhaltige Anlageprodukte sehr stark. Nach Angaben des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) hatten deutsche Anleger Ende des zweiten Quartals dieses Jahres bereits 361 Milliarden Euro in nachhaltige Fonds investiert, 26 Milliarden Euro mehr als am Ende des ersten Quartals.

Doch ist alles nachhaltig, wo „Grün“ draufsteht? Je größer der Markt, desto mehr Etikettenschwindel, „Greenwashing“, gibt es. Davor warnen Finanzexperten wie Norbert Schulze Bornefeld, Geschäftsführer bei der Düsseldorfer Vermögensverwaltung Eichler & Mehlert. Er sieht zudem die Gefahr einer Blase: Je mehr Anleger sich auf ein Thema fokussieren, je mehr Geld dorthin fließt, desto teurer werden die Finanzprodukte, zum Beispiel die Aktien entsprechender Unternehmen.

 

Norbert Schulze Bornefeld, Geschäftsführer bei der Düsseldorfer Vermögensverwaltung Eichler & Mehlert

Schulze Bornefeld rät zu einem weiten Blick: „Nachhaltigkeit ist für uns schon immer ein Thema gewesen“, sagt der Vermögensverwalter. Denn nur nachhaltig wirtschaftende Unternehmen sind langfristig erfolgreich. „Solche Unternehmen wählen wir für unsere Anleger gezielt aus.“ Die Finanzexperten haben dabei zum Beispiel auch im Blick, wie die Unternehmen geführt sind, welches Betriebsklima herrscht oder wie – vor allem bei Auslandsaktivitäten – die Menschenrechte beachtet werden. Ganz im Sinne der Kunden, die zunehmend darauf achten, wie der Anlagespezialist berichtet.

 

Vor allem im Mittelstand finden sich nachhaltig wirtschaftende Unternehmen, stellt Hans-Jürgen Friedrich, Gründer und Vorstandsvorsitzender der KFM Deutsche Mittelstand AG, fest. Die KFM investiert für ihre Fonds erfolgreich in Anleihen mittelständischer Unternehmen. Sie zahlen höhere Zinsen als Konzerne, müssen aber dafür sorgfältig ausgewählt werden. Das stellt die KFM durch umfassende Analysen sicher, wobei auch externe Partner helfen. Zum Beispiel die Agentur imugrating. Sie zähle zu den tonangebenden deutschen Nachhaltigkeits-Ratingagenturen, erklärt Friedrich. Die Agentur hat den Anleihenbestand der KFM-Fonds als „neutral bis positiv und als nahezu frei von ESG-Risiken“ klassifiziert.

Der KFM-Vorstand bestätigt die Erfahrung, dass nur nachhaltig orientierte Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich sind. Das habe gerade die Corona-Krise wieder gezeigt. Langfristig denkende Mittelständler suchen den Interessenausgleich. „Sie wollen dauerhaft mit guten Mitarbeitern und langjährigen Geschäftspartnern zusammenarbeiten“, sagt Friedrich. Man half sich gegenseitig, zum Beispiel mit Lieferantenkrediten, eben, weil man sich kannte. Und beim Neustart waren die guten Mitarbeiter an Bord, konnten sich durchaus dankbar mit neuem Engagement dem Geschäftsaufbau widmen. „Das Ergebnis einer solchen nachhaltigen Ausrichtung zeigt sich dann auch in den Unternehmenszahlen“, weiß Friedrich. Und damit auch in stabilen und ertragreichen Anleihen, in die die KFM-Fonds investieren.

Hans-Jürgen Friedrich, Gründer und Vorstandsvorsitzender der KFM Deutsche Mittelstand AG

Nachhaltigkeit zahlt sich für Anleger aus, betont auch Mario Peric, Bereichsvorstand Privat- und Unternehmerkunden der Commerzbank für Süd- und Westdeutschland. Er verweist auf empirische Studien, die bestätigen, dass nachhaltige Geschäftsmodelle auf mittlere Sicht zu einem niedrigeren Anlagerisiko führen: „Die gleiche Performance kann mit weniger Risiko erwirtschaftet werden. Oder: Bei identischem Risikoprofil locken den nachhaltigen Investor die attraktiveren Performancechancen – zumindest auf Sicht von drei bis fünf Jahren.“

Entsprechend steigt die Nachfrage nach nachhaltigen Finanzprodukten. Die Commerzbank habe im vergangenen Jahr 31 ESG-Anleihen mit einem Volumen von über 46 Milliarden Euro federführend begleitet, sagt Peric. Mit dem Sachwertefonds klimaVest von Commerz Real, der weltweit in Erneuerbare-Energien-Kraftwerke sowie Infrastruktur-, Mobilitäts- und Forstprojekte anlegt, können Anleger nicht nur zur Senkung des CO2-Ausstoßes beitragen, sondern auch Jahresrenditen von drei bis vier Prozent erzielen, wie die Fondsgesellschaft prognostiziert.

Mario Peric, Bereichsvorstand Privat- und Unternehmerkunden der Commerzbank für Süd- und Westdeutschland

„Die Kunden legen gesteigerten Wert auf Nachhaltigkeit“, stellt auch Andreas Vogt,

Generalbevollmächtigter der Stadtsparkasse Düsseldorf und Leiter des Private Banking, fest. Über 30 Prozent der Mandate in der Vermögensverwaltung sind bereits mit einem Nachhaltigkeitsfilter unterlegt. Unter anderem bietet die Stadtsparkasse Düsseldorf auch eine Fondslösung – den „Ökoworld Klimafonds“ – an. Dieser investiere nachweisbar in Unternehmen, die auf Klimaschutz achten, erklärt Vogt.

„Nachhaltige Geldanlage wird nachgefragt“, bestätigt Dr. Michael Meyer, Mitglied des Vorstandes der Stadtsparkasse Düsseldorf. Er weist auf einen Wandel in der Wahrnehmung hin: Wurde vor zehn oder 15 Jahren noch diskutiert, ob nachhaltige Investments und Renditeerwartungen sich widersprechen, sehe man heute diesen Gegensatz nicht. Es habe sich gezeigt, dass sich nachhaltige Investments ebenso rentieren wie klassische Anlagen, oft sogar besser. Die Nachfrage steige auch, weil die Berater im Zuge der Regulierung ihre Kunden fragen müssen, ob sie nachhaltig investieren wollen. Darauf angesprochen, reagieren viele positiv.

Andreas Vogt (r.), Generalbevollmächtigter der Stadtsparkasse Düsseldorf und Leiter des Private Banking, und Dr. Michael Meyer, Mitglied des Vorstandes der Stadtsparkasse Düsseldorf

 

INFOKASTEN

Klima: Finanzbranche soll mitwirken

Die Europäische Union hat das Thema Nachhaltigkeit sehr hoch aufgehängt. Europa soll bis 2050 klimaneutral werden. An dem „Green Deal“ soll die Wirtschaft mitwirken; eine wichtige Rolle nimmt dabei die Finanzbranche ein. Kapitalströme sollen in nachhaltige Investments gelenkt werden. Dazu hat die EU ein umfassendes Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht. Dazu gehört zum Beispiel die Taxonomie-Verordnung. Sie soll „Greenwashing“ verhindern. Die Verordnung legt fest, welche Wirtschaftstätigkeiten am meisten zur Erreichung der EU-Umweltziele beitragen. Ab 2022 müssen Produkte und Dienstleistungen bestimmte Kriterien erfüllen, damit sie als nachhaltig gelten können. Und Finanzprodukte müssen darüber informieren, dass sie Geld in entsprechende Investments anlegen und explizit darauf hinweisen, wenn sie es nicht tun. Die EU-Offenlegungsverordnung verlangt, dass Anbieter von Finanzprodukten ihre Kunden fragen müssen, ob sie ihr Geld nachhaltig anlegen wollen. Die Anbieter müssen zudem darüber informieren, inwieweit die Produkte ökologische und soziale Kriterien und Standards der guten Unternehmensführung berücksichtigen.

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